Rindchen schlemmt

Seit 1972 erfindet sich das Dionysos immer wieder neu

Mal wieder Lust auf griechisches Essen? Gerd Rindchen empfiehlt das Dionysos, das nicht ohne Grund schon mehrfach von der SZENE Essen + Trinken zum besten Griechen der Stadt gekürt wurde

Gastronomischen Institutionen haftet ja manchmal der Ruch an, ein wenig verstaubt und aus der Zeit gefallen zu sein. Einem der ältesten griechischen Restaurants der Stadt, dem Dionysos am Eppendorfer Weg, kann man das mit Sicherheit nicht nachsagen. Eleni und Michalis Josing betreiben den Laden bereits in zweiter Generation, die Gründung geht bis auf das Jahr 1972 zurück. Michalis ist ein rastloser Geist, der alle paar Jahre das Dionysos neu erfindet. Seit der letzten Renovierung könnte man das Lokal auch gut und gern in den schicken Ausgehvierteln von Barcelona, New York oder Kopenhagen verorten – dezent ausgeleuchtet und von eleganten Grautönen getragen fühlen sich hier Traditionsgäste und Neu-Eimsbütteler Hipster gleichermaßen gut aufgehoben.

Hier stimmen Ambiente und Essen

Weitaus wichtiger jedoch (finde ich jedenfalls): Hier stimmt auch die Essensqualität, weil auch an guten Rohstoffen nicht gespart wird. So kommt das Fleisch für das klassische Souvlaki (9,90 Euro) hier vom Duroc-Schwein und wird, flankiert von kretischen Kräutern und Lime, im Pergamentpapier serviert. Das hebt den griechischen Klassiker in eine neue geschmackliche Dimension. Auch der zarte gegrillte Oktopus (15,90 Euro) verdankt einer Oregano-Oliven-Vinaigrette seine geschmackliche Finesse. Einer der Signature Dishes des Hauses, Kritharoto Thalassinwn, griechische Reisnudeln mit Seafood (19 Euro), hat sich schon einen soliden Fankreis erobert und setzt ein griechisches Ausrufezeichen gegen die mittlerweile allgegenwärtigen vietnamesischen Phos (Reisnudeltöpfe). Wer es klassischer mag kommt mit Ibericorücken, Burrata, Kirschtomatensalat und gegrillten Kartoffeln (22 Euro) oder den legendären Lammkottelets mit Babyspinatsalat (24 Euro) auf seine Kosten. Nicht von ungefähr wurde das Dionysos von der SZENE Essen + Trinken schon mehrfach zum besten Griechen der Stadt gekürt. Erfreulicherweise ist Chef Michails auch ein ausgemachter Weinfreak, so dass sich hier einige der besten Kreszenzen aus dem Lande der Hellenen auf der Karte finden. Gründe genug also, sich mal für ein gehobenes griechisches Dinner ins schöne Eimsbüttel zu begeben.

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Der Wein- und Genuss-Experte Gerd Rindchen ist seit Jahrzehnten in der Gastro-Szene unterwegs. Wer seine Lieblinge sind und warum, verrät er hier in diesem Blog.