Korn mal anders: Die Gründer von Zorn Korn über ihre Schnapsidee

Eine Schnapsidee aus Hamburg: Zorn Korn verpasst der verpönten Spirituose ein neues Image. Die Jungs und Mädels von Zorn Korn haben sich auf die Fahne geschrieben, einen qualitativ hochwertigen Korn herzustellen. Dieser überzeugt durch Geschmack und hat nichts mit dem Ruf, der Korn vorauseilt, gemein. Durch die sorgfältige Auswahl des Getreides, einen optimierten Brennvorgang und eine satte Portion Humor ist ein hochwertiges Destillat zustande gekommen. Zorn Korn ist der Neugierde dreier Freunde aus dem Hamburger Gängeviertel entsprungen, die ein einfaches Produkt radikal aufwerten wollten. Im Gespräch verraten Jürgen, Johannes und Lena, wie der fruchtig-herbe Geschmack in die Flasche kommt und wozu Zorn Korn am besten schmeckt.

Korn hat nicht unbedingt den besten Ruf. Spätestens seit Heinz Strunks „Der Goldene Handschuh“ ist Fanta Korn bekannt. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, Korn zu brennen?
Johannes: Wir hatten Bock, Schnaps zu machen und den im Gängeviertel zu verkaufen. Auf Gin hatte keiner Bock. Wodka war uns zu einfallslos. Dann dachten wir: Erstens, Korn könnte auch in geil gehen. Zweitens: Bei Korn kriegst du am wenigsten Ärger, wenn er scheiße ist.
Jürgen: Korn ist das einfachste Getränk unter den Spirituosen. Wenn wir schon selbst eine Spirituose entwickeln, dann fangen wir mit etwas Simplem an.

Wie funktioniert die Kornherstellung bei euch?
Jürgen:
Wir geben das Rezept an die Brennerei. Es entstand der Kontakt zu einem Brenner, der über dreißig Jahre lang Obstbrände auf sehr hohem Niveau gemacht hat. Wir sind hingefahren und uns war klar, dass er wird uns keine Grütze in die Flasche brennen wird. Unsere erste Ansage war: Wir wollen so viel Geschmack wie möglich erhalten.

Ging da auch mal etwas schief auf diesem Weg?
Lena: Nach Manfred, bei dem wir unseren ersten Korn gebrannt haben, und der leider zu alt war, war das eine Odyssee.
Johannes: Wir haben versucht, in Hamburg lokal zu produzieren. Da ist aber nie etwas draus geworden. Dann hat uns Anna, die sich später zu uns gesellte, eine Flasche Korn geschickt und meinte: Schaut mal, das ist so ähnlich wie euer Zeug. Nur günstiger (lacht). Einer ist in dieses Dorf gefahren, in dem es drei Brenner gab und hat gefragt: „Wer war das?“ Es stellte sich heraus: Thomas Kilian steckt dahinter. Bisher brannte er hauptsächlich aus Roggen. Wir wollten Weizenkorn.
Lena: Die Anlage dort ist wundervoll. Eine kleine Familienbrennerei.

Wo genau ist die Brennerei?
Lena: In Dauborn, Hessen. Dort herrschte einst die höchste Dichte an Brennereien und man sitzt zu Mittag bei der Oma nebenan. Thomas fand die Idee, viel Geschmack in der Flasche zu haben, interessant. Wenn du zum ersten Mal Zorn Korn trinkst, schmeckt man alle Aromen. Man tastet sich mit der Zunge vor. Das ist eine schöne und explorative Art, Schnaps zu trinken. Wir machen das jetzt mal!
Jürgen: Nippen statt kippen ist die Devise. Wir haben damals klar gesagt, dass wir 40 Prozent in der Flasche haben wollen. Üblicherweise hat Korn 32 Prozent.

(Ich muss zugeben: Etwas mulmig wird mir schon bei dem Gedanken, Schnaps am Nachmittag zu trinken. Und dann auch noch Korn! Ich bin Biertrinkerin durch und durch. Wir nippen alle an unserem Korn und ich bin positiv überrascht: kein unangenehmer Brand, stattdessen breiten sich nach und nach feine Aromen in der Mundhöhle aus. Ich schmecke etwas Fruchtiges. Das kommt von der Hefe und dem Getreide, erklären mir die drei.)

Ich wusste nicht, dass Korn eine so fruchtige Note haben kann.
Jürgen: Genau das wollen wir hören (lacht). Das ist alles eine Frage von: Wie viel Liebe und Geld steckt man rein.

Was unterscheidet euren Korn von anderen Sorten?
Lena: Es wäre gelogen, zu sagen, du würdest nach einer Flasche Zorn Korn keine Kopfschmerzen haben, aber ..
Jürgen: Stimmt doch gar nicht (lacht). Nach eineinhalb Flaschen hat man keine Kopfschmerzen mehr. Es gibt Vor- und Nachlauf beim Brennvorgang. Dabei entstehen giftige Methylalkohole, die bei allen Schnäpsen abgeschnitten werden müssen. Die sogenannten „Fuselstoffe“. Wir schneiden ungewöhnlich großzügig ab, wodurch die Ausbeute kleiner, aber der Geschmack groß ist. Der Schnaps darf sich im Geschmack verändern. Wir wollen nicht, dass eine Flasche wie die andere schmeckt. Das unterscheidet uns von anderen Korn-Herstellern.

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Jürgen, Johannes und Lena von Zorn Korn /©Karoline Gebhardt

Wie trinkt ihr euren Korn am liebsten?
Johannes: Pur. Knapp unter 20 Grad.

Welchen Drink würdet ihr empfehlen, um ihn mit Zorn Korn zu verfeinern?
Johannes: Alle Sachen, die Röstaromen haben und ein bisschen dunkler sind, passen. Dunkle Schokolade, dunkles Bier, Kaffee. Oder Früchte, Apfelsaft, Orangensaft.
Lena: Stouts, Porters.
Jürgen: Ich bin auch eher beim Pairing als beim Mischen. Man mischt auch keine Edelspirituosen in einen Cocktail, weil der Drink dann sehr teuer wäre. Wir haben aber durchaus gute Cocktails mit Zorn Korn getrunken.
Johannes: Espresso Martini oder Korn Sour als Substitut zu Pisco Sour zum Beispiel.
Jürgen: Ein Freund hat Zorn Korn mit japanischem Sencha und Chili Likör gemischt. Toller Cocktail. Und man wird immer herausschmecken, dass Zorn Korn drin ist. Das ist das Schöne.

Wie würdet ihr jemanden von Zorn Korn überzeugen, der nicht gerne Korn trinkt?
Lena: Ein Versprechen abgeben, das man halten kann. Denn dieser Korn schmeckt anders.
Jürgen: Das mag arrogant klingen, aber probier’s oder lass es. Die Leute sollten von ihrer Idee, die sie von Korn haben, weggehen. Nicht das ganze Glas in den Hals schütten, sondern genießen.

Woher bezieht ihr euer Getreide?
Johannes: Lokales Getreide, das Thomas bei seinem Bauern kauft. Er hat in diesem Klima die idealen Bedingungen, um zu wachsen. Ich habe mich mal mit Brauereien in Hamburg unterhalten und gefragt, ob sie einen Unterschied bei Bio-Getreide merken. Das haben sie verneint. Daher sind wir derzeit mit anderen Dingen beschäftigt.

Zum Beispiel?
Johannes: Wir sind an Charge drei dran. Wir haben uns Malzproben von befreundeten Brauereien geben lassen und uns mit Thomas auf zwei Sorten geeinigt. Und den Malzgehalt so hoch gesetzt, wie nur möglich. Wir planen also eine neue Linie parallel zu Zorn Korn.
Jürgen: Korn hat ein strenges Reinheitsgebot. Man kann also nicht einfach irgendetwas reintun und es dann Korn nennen.

(Wir probieren eine der zukünftigen Limited Editions: Dieser hat einen Malzanteil von 25 Prozent und trumpft durch einen nussigeren Geschmack auf. Johannes erklärt, dass es sich dabei um Kristallmalz handelt. Dies nutzt man üblicherweise für Dunkelbiere. Das andere Malz ist Pilsener Malz und eher neutral.)

Waren die strengen Vorgaben eine Hürde oder eher eine Leitlinie?
Jürgen:Wir konnten uns gut daran orientieren. Bezüglich des Malzes ist aber nicht nur der Gehalt entscheidend, sondern vor allem die Sorte. Die beiden Kornsorten, die du eben probiert hast, haben einen gleichen Malzanteil, aber unterschiedliche Sorten. Und das schmeckt man sehr deutlich.
Johannes: Hier haben wir dann noch Variante drei. Hast noch Lust, ne?

(Also probieren wir eine weitere Variante. Dieser Zorn Korn enthält ein englisches Pale- Ale-Malz. Ein Abkömmling einer Malzsorte, die früher in der Whiskeyproduktion verwendet wurde. Johannes erklärt, diese Malzsorte sei lange der „Rolls Royce“ unter den Malzsorten gewesen, bis sie durch ertragreichere Sorten abgelöst worden ist. Mir schmeckt Charge drei gut, sie ist wesentlich milder als seine Vorgänger. Alle drei Sorten brennen kaum, so wie man es von Korn gewohnt ist.)

Welche Wünsche habt ihr für die Zukunft?
Jürgen: Ich denke, dass die Entwicklungsmöglichkeiten des Produktes an anderer Stelle noch spannender sind als die Entwicklung eines neuen Produkts. Dass wir nur so kleine Mengen haben, macht es automatisch zu einem raren Gut.
Lena: Einen Korn gemeinsam mit seinen Großeltern zu trinken wäre doch romantisch.
Johannes: Meine Oma hat den getrunken und fand ihn gut! Vielleicht probieren wir mal Roggenkorn aus oder lagern Zorn Korn in Fässern. Außerdem hätte ich Lust, nochmal bei einem Wettbewerb mitzumachen. Beim Craft Spirits Festival Destille Berlin haben wir Gold geholt.

Man steckt ja auch einiges rein. Zeit, Herzblut..
Lena: Leber (lacht).

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Interview: Karoline Gebhardt genießt die Vielfalt der Hamburger Gastroszene und die kulturellen Gefilde der Hansestadt. Wenn das alles nichts nützt spielt sie Bass und fängt mit ihrer Analogkamera die Facetten Hamburgs ein.