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Esfck

„Wir haben gemerkt, dass wir eine Vorbildfunktion haben“

Gewürzmischungen, T-Shirts, Hoodies, Pflanzendünger: Unter dem Label Esfck haben Darja und Martin Schneider schon vor Jahren damit begonnen, sich neue Vermarktungsmöglichkeiten im kulinarischen Umfeld zu erschließen. Ein Gespräch über den Einfluss der Pandemie auf ihr Onlinegeschäft.

Darja Schneider hat als Marketing-Managerin und Grafikerin für Tim Mälzer oder auch Unternehmen wie Rari Food gearbeitet, bevor sie mit Esfck ihr eigenes Label gründete. Partner in crime ist Martin Schneider, der damals als Küchenchef in der Bullerei tätig war und heute an der Seite von Thomas Sampl in der Hobenköök kocht. Für die Vermarktung nutzten sie Social-Media-Kanäle wie Instagram, was damals noch als Neuheit galt.

 

Darja, was war eure ursprüngliche Mission?
Darja Schneider: Als wir mit dem Label esfck starteten, wollten wir unseren gastronomischen Alltag allen zugänglich machen. Uns war es wichtig, den Beruf der Köchin und des Kochs attraktiver zu gestalten. Dafür nutzten wir Instagram, was damals noch ungewöhnlich war. Wir stellten Fotos aus der Küche ins Netz und produzierten Kleidung mit Slogans, die den Zahn der Zeit trafen. Mit unserer Kleidung wollten wir die Stories über den täglichen Hustle in der Küche erzählen. In der Gastronomie zu arbeiten, ist nicht nur ein Job, es ist eine Lebenseinstellung. Und eine Leidenschaft, bei der sich alles um Gastfreundschaft dreht: gemeinsam essen, gemeinsam trinken, gemeinsam Zeit verbringen.

Was hat sich seitdem getan?
Mit den Jahren haben wir uns weiterentwickelt und gemerkt, dass wir eine gewisse Vorbildfunktion haben. Wir nutzen das, um auf ernährungspolitische Probleme aufmerksam zu machen – und zwar mit unserer ganz eigenen Attitude und Sprache.

Inwieweit hat die Pandemie euer Online-Geschäft beeinflusst?
Mit der Produktion von Kleidung pausieren wir derzeit. Wir beschäftigen uns aktuell mit Themen, die ins Hier und Jetzt passen. Aufgrund der Pandemie sind wir viel zu Hause und haben unseren grünen Daumen entdeckt. Unser neuestes Produkt Babokashi etwa ist ein Endprodukt aus unseren kompostierten Küchenresten.

 

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Dünger aus kompostierten Lebensmittelresten: Babokashi gibt der Natur wertvolle Nährstoffe zurück / ©Esfck

 

Als abzusehen war, dass die Restaurants so schnell nicht wieder öffnen würden, schienen überall neue Online-Shops aufzupoppen. Hat euch das überrascht?
Vor Corona wurde Online-Marketing im Bereich der Gastronomie eher belächelt. Und auf einmal musste man schnell reagieren: Alle brauchten plötzlich einen Shop, eine Webseite etc. Die Branche benötigt jetzt Leute, die sich mit digitalen Strategien und sozialen Netzwerken auskennen.

Was sind die größten Hürden?
Dass wir alle Gewohnheitstiere sind. Wir hätten viel früher die Komfortzone verlassen und mit der Zeit gehen müssen.

Wann macht es Sinn, Produkte aus der eigenen Küche nicht nur auf der Website, sondern auch bei Rewe, Edeka & Co zu präsentieren? Ist das für euch interessant?
Wenn man die Infrastruktur und die Größe dafür hat, sollte man diesen Schritt auf jeden Fall gehen. Wir haben darüber auch viel nachgedacht, uns am Ende aber dagegen entschieden. Unsere aktuellen Produkte sehen wir eher in Geschäften, die für dieselben Werte im Bereich der Ernährung einstehen wie wir.

In welche Richtung wird sich die gastronomische Landschaft entwickeln?
Ich glaube, dass wir uns in Zukunft viel mehr mit der eigenen Ernährung beschäftigen werden. Dadurch, dass viele Städter während des Lockdown-Alltags das Landleben für sich entdeckt haben, ist man viel mehr mit Hofläden, Bauernhöfen und der Natur in Berührung gekommen. Themen wie Nachhaltigkeit, Regionalität, Zero Waste und Closed Loop werden nach Corona noch mehr im Fokus stehen. Konzepte, die das jetzt schon bedienen, werden es nach der Pandemie definitiv leichter haben.

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Interview: Jasmin Shamsi trägt Berlin auf der Zunge und Hamburg im Herzen. Als Food- und Kulturjournalistin spürt sie Geschichten aus der bunten Gastrowelt auf oder testet sich durch die kulinarische Vielfalt dieser Stadt.