Die 2023 in Berlin gegründete Marke LAP Coffee hat in kurzer Zeit einen rasanten Aufstieg hingelegt. Die kleinen, knallblauen Coffeeshops prägen inzwischen ganze Kieze in der Hauptstadt – mit auffälligem Branding, Social-Media-Kampagnen, Events und vor allem: sehr günstigen Preisen. Nach 15 Stores in Berlin und vier in München folgt nun der erste Standort in Hamburg. Am 13. September öffnet LAP Coffee am Schulterblatt 12 seine Türen, weitere Stores in der Hansestadt sollen bald folgen.
Hinter LAP stehen große Investoren wie HV Capital, FoodLabs und Roundtable und die bereits aus der Start-up-Szene bekannten Gründer Ralph Hage (Delivery Hero) und Tonalli Arreola (Lime und Flink). Das Erfolgskonzept: „Wir nutzen in zentralen Lagen oft kleine Flächen, die für ein klassisches Café schwer zu bespielen wären. Dadurch sind die Mieten niedrig, was schnelles Wachstum, Sichtbarkeit und günstige Preise ermöglicht“, so Hage. Für den Gründer treffe das Konzept den Nerv der Zeit: „LAP Coffee besetzt eine Nische und scheint gerade bei der jüngeren Generation gut anzukommen.“
Vollautomaten statt Handwerk
LAP steht für „Life Among People“, zu Deutsch: Leben unter Menschen. Ein Motto, das ausdrücken soll, dass guter Kaffee für alle bezahlbar und zugänglich sein soll. Ein Cappuccino für 2,50 Euro, ein Espresso für 1,50 Euro, ein Matcha-Latte für vier Euro, der bei der Konkurrenz doppelt so viel kostet. Möglich wird das durch standardisierte Vollautomaten, kleinere Flächen mit wenig Sitzplätzen und ein konsequentes To-Go-Konzept. „Wir kalkulieren unsere Preise nicht am Marktpreis, sondern am eigenen Kostenpunkt“, erklärt Hage. Der in Berlin geröstete Espresso kommt per Knopfdruck, lediglich die Milch wird vom wenigen Personal frisch aufgeschäumt. „Wir sind unglaublich effizient mit unserem Geschäftsmodell. Unsere Prozesse sind optimiert, dadurch können wir guten Kaffee günstig anbieten – ohne Abstriche bei der Qualität“, so Hage.
Kritik an Nachhaltigkeit und Dumping-Preisen
Beim Thema Nachhaltigkeit steht das junge Unternehmen in der Kritik: Das To-Go-Konzept setzt ausschließlich auf Einwegbecher. Mit einem Rabatt von 15 Prozent für Gäste, die eigene Mehrwegbecher mitbringen, möchte das Start-up gegensteuern. „Wir sind froh um jeden, der keinen Pappbecher braucht. Das Angebot wird sehr gut angenommen“, so Hage. Auch bei der Preisgestaltung sorgt das Unternehmen für Diskussionen. Viele unabhängige Cafés, die auf Handwerk, Transparenz und Fairtrade setzten, können nicht mithalten und fürchten ausbleibende Gäste. In Berlin berichteten Betreiber von benachbarten Cafés bereits von rückläufigen Gästezahlen. Hage sieht das anders: „In Berlin gibt es über 1500 Cafés, nur 15 davon sind LAP. Ich glaube nicht, dass wir den Markt verändern. Eher sehen wir uns als Bereicherung und als Nische für junge Leute.“
