Rindchen schlemmt

Wer spanische Tapas liebt, sollte das Picasso besuchen

Gerd Rindchen verrät uns auch in diesem Blogbeitrag zwar nicht direkt sein Alter, aber durchaus warum er seit vielen Jahren gerne im Picasso schlemmt

Als ich das erste Mal über das Picasso, damals noch am Nobistor gelegen, geschrieben habe, war der heutige Patron Victor Mendez stolze 17 Jahre alt und ging seinem Papa im Restaurant zur Hand. Heute ist Victor ein stattlicher, graubärtiger Mittfünfziger und ich…? Breiten wir den Mantel des Schweigens über dieses Thema. Aber was schließt der kluge Rechner daraus? Richtig: Seit gut vierzig Jahren ist das mittlerweile (na ja, seit 1985) in der Rathausstraße gelegen Picasso eine verlässliche Stätte der Einkehr für alle Freunde guter, traditioneller spanischer Küche und Gastlichkeit. An der Einrichtung hat sich seitdem wenig verändert: Die rustikalen Sitzecken rund um den großen Tresen, der geflieste Boden und das lauschige Neonlicht versetzen den geneigten Esser spornstreichs auf die Iberische Halbinsel.

Spanische Tapas, die Herz und Gaumen erfreuen

In der Küche dominieren spanische Klassiker, Tapas spielen eine große Rolle und vor allem für erstklassigen Fisch hat sich das Picasso in den langen Jahrzehnten einen Namen gemacht. Besonders viel Spaß macht es, sich im Picasso zu mehrt einfach ganz viele Tapas zu teilen. Beginnen könnte man gerade jetzt im Sommer mit einer Salmorejo, einer traditionellen kalten Suppe mit Olivenöl, Tomaten, Schinken und Brotwürfeln (8 Euro). Ich bin, obzwar das absolut keine klassischen Weightwatchers-Rezepturen sind, ein ganz großer Fan der Kroketten. Die Tapas Tigres, Bechamelkroketten aus Miesmuscheln (10,50 Euro), und die Croquetas de Jamon, Schinken-Bechamelkroketten (6,50 Euro) haben absolutes Suchtpotenzial. Ein echter Geheimtipp, ohne dessen Verzehr ich keinen Picasso-Besuch verstreichen lasse, ist die Morcilla de Burgos – eine würzig-elegante geräucherte Reisblutwurstspezialität aus Burgos, die gegrillt mit gebratenen Zwiebeln auf Weißbrot serviert wird (8 Euro). Rustikal und köstlich. Unter den Fischtapas sind immer eine sichere Bank die Boquerones, frittierte Sardinen (6 Euro), die Chipirones, Tintenfische vom Grill (7,00) und die oberzarten Pulpo a la Gallega – gedünsteter Pulpo mit Olivenöl und geräuchertem Paprikapulver (10,50 Euro). Freunde fleischlicher Genüsse schätzen die Vueltas Canarias, dünne, herrlich kräuterwürzige Rindfleischscheiben aus der Pfanne (10,50 Euro) oder Zorza, in Paprika eingelegtes zartes Schweinefilet mit Kartoffeln (6,50 Euro).

Für alle, die ein Hauptgericht bevorzugen

Wer doch ein ganzes, großes Hauptgericht für sich allein anstrebt, dem seien das Conejo, im Keramiktopf geschmortes Kaninchen mit Knochen (22,50 Euro) der hier verlässlich gute Seeteufel vom Grill (25,50 Euro) oder, ganz klassisch, das 300 gr. Rumpsteak vom Grill mit gegrilltem Gemüse und hausgemachten Pommesecken (25,50 Euro) anempfohlen. Dazu gesellt sich eine schöne Weinauswahl (Tipp: Victor nach Geheimtipps fragen!), vom Fass perlt herzhaftes Flensburger (0,4 Liter 5 Euro) und da auch der offen ausgeschenkte Rioja in Weiß, Rot und Rosé (0,25 Liter 8 Euro, Fl. 0,75 Liter 19,50 Euro) von verlässlicher Qualität ist steht einem amtlichen spanischen Abend in der Bodega Picasso eigentlich nix mehr im Wege.

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Der Wein- und Genuss-Experte Gerd Rindchen ist seit Jahrzehnten in der Gastro-Szene unterwegs. Wer seine Lieblinge sind und warum, verrät er hier in diesem Blog.