Rindchen schlemmt

Urig speisen bei Fischbeisl

Preiswert und lecker: Inhaber Volkmar Preis bietet in seinem Gasthaus Fischbeisl leckere Fischbrötchen und deftige Gerichte. Kolumnist Gerd Rindchen hat das Lokal in der großen Elbstraße getestet

Die Große Elbstraße hat sich ja in den letzten Jahrzehnten gravierend gewandelt: Dominierte hier früher vor allem das Angebot körpernaher Dienstleistungen reiht sich an der Elbmeile heute ein kulinarischer Treffpunkt an den nächsten. Neben dem Altmeister Fischereihafen Restaurant, dem famosen chinesischen Yin Seafood, dem gediegenen Hummer Pedersen oder dem Henssler & Henssler für promi-affine Mitbürger (m/w/d) gilt es, eine der skurrilsten Stätten der Einkehr lobend hervorzuheben: Das Fischbeisl. Der österreichische Betreiber Volkmar Preis war zwar einst – 1975! – mit seinem damaligen Landhaus Dill einer der Vorreiter der Nouvelle Cuisine, hat sich aber schon seit Dezennien von der Sterneküche verabschiedet und betreibt jetzt in den alten Fischmarkthallen ein überaus schlicht, man könnte auch sagen schrabbelig eingerichtetes Fischgasthaus, das aber sehr preiswürdig richtig gutes Essen liefert.

Fischbeisl: Fischbrötchen, Bratkartoffeln und Thunfischsteak

Schon das Backfischbrötchen (4,50 Euro) setzt Maßstäbe: Richtig gute Brötchenqualität, saftig gebackener frischer Fisch in leckerer Panade und eine ausgezeichnete Remouladensauce – so muss es sein. Da auch die Bratkartoffeln hier was taugen ist auch der Backfisch mit ebenjenen und Remouladensauce eine Empfehlung wert (6,50 Euro). Auch die Matjesfilets mit Speckstippe, grünen Bohnen und Bratkartoffeln (11 Euro), oder die hausgemachte Lachsfrikadelle mit lauwarmen Kartoffelsalat und Schnittlauchschmand (7,50 Euro) machen Spaß. Das preislich obere, aber im Vergleich immer noch sehr moderate Ende der Fahnenstange markieren aufwändigere Gerichte wie das Steinbeißerfilet mit Tomaten-Zucchinigemüse, grüner Pfefferbutter und Kartoffel-Olivenölstampf oder ein Thunfischsteak mit Koriander-Ingwerbutter und Blattspinat (je 18,50 Euro). Ebenfalls sehr erfreulich: Der Betreiber, ein veritabler Weinfex, hält immer einen besonderen offenen, perfekt zum Fisch passenden Weißwein führender Erzeuger aus Deutschland oder Österreich bereit, in letzter Zeit zum Beispiel mal einen fränkischen Silvaner der famosen Andrea Wirsching oder einen Grünen Veltliner von Bründlmayer, und ruft dafür nahezu vorkriegsmäßig anmutende 5 Euro – für den soliden 0,2 Liter – Schoppen auf. In einer Zeit, in der ambitionierte Restaurantbetreiber massiv an der Preisschraube drehen und gern mal mit 9 Euro – pro 0,1 Liter starten ist das ein weiterer Grund, hier gern und lustvoll einzukehren – vor allem bei gutem Wetter auf der Terrasse.

 

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Der Wein- und Genuss-Experte Gerd Rindchen ist seit Jahrzehnten in der Gastro-Szene unterwegs. Wer seine Lieblinge sind und warum, verrät er hier in diesem Blog.