Rindchen schlemmt

Im Yu Garden ist die Küche Shanghais zuhause

Für die pikante Szechuan-Küche würde unser Kolumnist Gerd Rindchen sterben.

Die ganze Zeit habe ich darauf gegeiert, bis endlich die Außengastronomie ihre Pforten öffnet. Zwei wesentliche Gründe: Ich wollte
a) den geneigten Lesern der Szene einen der bezauberndsten Gastgärten Hamburgs mit überdies ausgezeichneter Küche vorstellen und
b) endlich wieder dortselbst einkehren
(ehrlich gesagt ist die Reihenfolge eher umgekehrt)

Shanghai mitten in Hamburg

Diese ungemein attraktive Stätte der Einkehr ist der Nachbau des weltberühmten Teehauses im Yu Garden in Shanghai, der Stadt Hamburg sintemalen eingedenk der Städtepartnerschaft zwischen Hamburg und Shanghai verehrt. Wer große Lust auf kulinarische Vielfalt hat, kann hier das wechselnde, großteils auf saisonalen Zutaten basierende chinesische Festtagsmenü ordern (32,50 Euro pro Person, ab zwei Personen buchbar). Dann gibt es erst drei kalte Vorspeisen, wie zum Beispiel pikant marinierten Spinat, Tofu “Black and White” mit eingelegten tausendjährigen Eiern, gedämpftes Hähnchen mit Ingwer und Lauchzwiebeln oder Auberginen in Knoblauchsoße. Anschließend werden drei warme Vorgerichte gereicht, darunter feine hausgemachte Dim Sum, unter anderem gefüllt mit Garnelen und Bärlauch oder gehacktem Schweinefleisch und mit einer exorbitant leckeren Fischsoße serviert, die allein die Einkehr lohnt, Garnelen-Tempura und hausgemachte Frühlingsrolle. Als Hauptgänge gibt es häufig Klassiker wie geröstete Ente mit Wokgemüse und Hoisin-Sauce, Rinderfilet mit Zwiebeln und frischen Pilzen, die traditionellen Hühnchen “Palast Art” mit Chili und Peperoni oder würzige, gedünstete Meeresfrüchte mit Ingwer.

Authentische Gerichte im Yu Garden genießen

Praktisch: Den Schwerpunkt des Menüs, ob Fisch, Fleisch oder vegetarisch, kann der Gast selbst bestimmen. Danach erwartet die geneigten Genießer dann noch eine kleine Auswahl chinesischer Desserts. Sehr beliebt im Yu Garden ist auch die ganze Pekingente (69 Euro für zwei Personen): Erst gibt´s die knusprige Entenhaut mit hauchdünnen Pfannkuchen, Hosin-Soße und Lauch zum Einrollen, anschließend Brust- und Keulenteile scharf gebraten mit Chili und Sichuan-Pfeffer. A la Carte-Besteller finden ebenfalls spannende, recht authentische Gerichte, vornehmlich aus der Shanghai – oder der pikanten Szechuan-Küche (für die ich sterben könnte). Traditionelle Aubergine mit Knoblauchsauce (15,50 Euro), Calamari-Tempura (8,90 Euro), in Öl gekochtes Welsfilet mit Sichuan-Gewürzen (23,90 Euro) oder der fulminante gedämpfte Bauch vom Schwein mit getrocknetem Gemüse (17,50 Euro) sind aromensatte Top-Tips. Wer des Mittags auf der schönen Terrasse am Teich verweilen möchte, findet, um den Kelch des Glückes übervoll zu machen, auch noch einen preiswerten Business-Lunch. Dazu offeriert Hausherr Qiuiy Chen auch noch eine großartige Auswahl trockener und feinherber Rieslinge, teils offen, zum Teil als Flasche. Und, soviel ist mal klar: Schönere Begleiter für die chinesische Hochküche als gute Rieslinge wird man auf Gottes weitem Erdenrund nur schwerlich finden.

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Der Wein- und Genuss-Experte Gerd Rindchen ist seit Jahrzehnten in der Gastro-Szene unterwegs. Wer seine Lieblinge sind und warum, verrät er hier in diesem Blog.