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Bio-Qualität

Forellenzucht Benecke: Frische Fische im Familienbetrieb

Familie Benecke züchtet seit über 100 Jahren Forellen in der Lüneburger Heide, seit 2008 in Bio-Qualität. Preise steigen, Kunden springen ab, doch Junior-Chefin Katharina Benecke steckt all ihre Energie in die Qualität und den Ausbau des ökologischen Aquakulturbetriebs

30. Mai 2024

Frische Forellen in Bio-Qualität: Familie Benecke betreibt Fischzucht seit Generationen / ©Benecke
Frische Forellen in Bio-Qualität: Familie Benecke betreibt Fischzucht seit Generationen / ©Benecke

Fast schon zu idyllisch liegt der kleine Angelteich im Januar da: Die Sonne scheint schwach durch die laubarmen Bäume, eine leichte Brise weht durch die Äste, zwei Schwäne dümpeln verträumt über das Wasser. Im ersten Moment scheint hier jedes Lebewesen in völliger Zufriedenheit zu leben – doch dann riecht man den Räucherofen. Willkommen auf dem Forellenhof Benecke.

Der Forellenhof der Familie Benecke liegt in Bruchtorf in der Lüneburger Heide, zwischen Ilmenau und landwirtschaftlichen Feldern. In zahlreichen Teichen züchtet die Familie seit Generationen Forellen und Saiblinge, seit 2008 sogar in Bio-Qualität. Beneckes gehören zu den einzigen Fischbetrieben in Norddeutschland, die vom Ei bis zum Fisch züchten, selbst schlachten und verarbeiten. In Bad Bevensen und auf dem Isemarkt verkaufen sie die geräucherten Fische, marinierten Filets, Kaviar, Pasteten und Schwedenhappen. Zudem gehören renommierte Gourmetküchen zu ihren Abnehmern: das Drei-Sterne-Restaurant Aqua in Wolfsburg zum Beispiel, aber auch das Haerlin im Hotel Vier Jahreszeiten, das Lakeside im The Fontenay, das Wolfs Junge und das Kaalia.

Fischzucht seit Generationen

Die Beneckes züchten bereits seit über 100 Jahren Forellen in der Lüneburger Heide. Heute betreibt Katharina Benecke die Zucht gemeinsam mit ihrem Bruder und den Eltern Hermann und Gunna. Sie war nach einem Studium und einigen Jahren im Ausland, vor vier Jahren zurück in die Heimat gekommen, um gemeinsam mit ihrem Bruder die Zukunft des Betriebs mitzugestalten. „Mein Vater ist 70, er kann nicht mehr so lange so hart arbeiten“, erklärt Benecke. Ihr Bruder hat vor zwei Jahren die Ausbildung zum Fischwirt absolviert, sie selbst hat einen Masterclass zum Thema Aquakultur absolviert. Die 34-Jährige arbeitet Hand in Hand mit ihren Eltern und ihrem Bruder für den Familienbetrieb. Sie räuchert die Fische, beizt, brät und legt sie ein, steht regelmäßig auf dem Isemarkt und ist auf den Teichanlagen unterwegs, um Siebe zu säubern oder zu füttern. Und sie hat ein Auge auf die Zahlen und den Verkauf. Eine 40-Stunden-Woche ist das keineswegs, aber Katharina Benecke fühlt sich offensichtlich mit der vielseitigen Arbeit auf dem Betrieb wohl. 

Ich verstehe, dass Fischzucht streitbar ist

Katharina Benecke

Saiblinge, Lachsforellen und Bachforellen schwimmen in den Teichen in Klein Hesebeck. „Wir haben hier ein eingetragenes Staurecht“, so Katharina Benecke, „das gehört zu dieser Teichanlage und ist eine wichtige Grundlage für die Fischzucht.“ Das Wasser des Röbbelbachs wird dafür umgeleitet und speist die Teiche der Beneckes. Ganz vorne leben die Jungfische, wo das Wasser tendenziell am saubersten ist. Weiter hinten leben die älteren Fische, bis sie gekeschert werden und auf den Hof in Bruchtorf umziehen. Dort landen sie in Hälterbecken: klares Wasser, kein Futter, bis sie ein paar Tage später nüchtern geschlachtet werden. Die Tiere leben bei den Beneckes unter guten Bedingungen: viel Platz, Bio- oder Naturland-Futter und ein verhältnismäßig langes Leben. Zwei bis drei tote Fische am Tag pro Teich seien ganz normal. Dennoch: „Ich verstehe, dass Fischzucht streitbar ist. Für konventionelles Fischfutter wird schließlich oft an Orten gefischt und der Fisch zu Fischmehl verarbeitet, wo stattdessen viel lieber der Fisch für die Ernährung vor Ort verwendet werden sollte.“ Daher ist den Beneckes die Bio-Qualifizierung sowie die eigene Zucht vom Jungtier bis zur Verarbeitung sehr wichtig. Zudem produzieren sie „nur so viel, wie wir selbst verkaufen können, damit wir nicht darauf angewiesen sind, unseren Fisch an den Großhandel zu verkaufen“, erklärt die Junior-Chefin.

Sinkende Zahlen, steigende Preise

Inflation und Preissteigerungen durch die Auswirkungen des Krieges auf Lieferketten sorgen auch bei Beneckes für Umsatzeinbußen. Erhöhte Kosten für Futter, Personal und Strom sowie gestiegene Lieferpreise sind die Hauptursache. Die Familie musste darum auch die Preise für ihre Fische anheben. Einige Kunden sind dadurch abgesprungen, andere nehmen wesentlich kleinere Mengen ab. Dennoch sieht Katharina Benecke die Zukunft des Betriebs positiv: „Unsere Kunden kennen unsere Arbeitsweise und wissen unsere Qualität zu schätzen.“ Ihr Tipp: Einmal, höchstens zweimal die Woche Fisch essen, dann kann man auch ein paar Euro mehr ausgeben. 

Idylle pur: Am Angelteich in Bruchtorf können Hobbyanglerinnen und -angler selbst die Rute ins Wasser werfen / ©Benecke
Idylle pur: Am Angelteich in Bruchtorf können Hobbyanglerinnen und -angler selbst die Rute ins Wasser werfen / ©Benecke
Familie Benecke arbeitet generationsübergreifend im Betrieb / ©Benecke
Familie Benecke arbeitet generationsübergreifend im Betrieb / ©Benecke
Forellen und Co werden im hauseigenen Räucherofen weiterverarbeitet / ©Benecke
Forellen und Co werden im hauseigenen Räucherofen weiterverarbeitet / ©Benecke
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Von einfacher Currywurst bis detailverliebtes Sushi, Alice von der Laden liebt die kulinarische Auswahl Hamburgs. Wenn sie sich nicht gerade durch die Gastro-Perlen der Stadt schlemmt, trinkt sie Astra in ihrer Stammkneipe.