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Großmarkt Hamburg: 60 Jahre in Hammerbrook

„Ich habe meinen Beruf geliebt“

Harry Erhorn arbeitete schon auf dem alten Deichtormarkt. Heute, mit über 90 Jahren, ist er noch immer auf dem jetzigen Großmarkt anzutreffen

7. September 2022

Harry Erhorn arbeitet seit Jahrzehnten auf dem Hamburger Großmarkt / ©Jakob Börner
Harry Erhorn arbeitet seit Jahrzehnten auf dem Hamburger Großmarkt / ©Jakob Börner

Herr Erhorn, seit wann arbeiten Sie mit Obst?

1953 habe ich meine Ausbildung als Frucht- Kaufmann bei einer alten hanseatischen Fruchtfirma abgeschlossen. Danach bin ich ins Ausland. Denn früher hieß es bei den alten Hamburger Fruchtfirmen: „Wenn die Jungs was werden wollen, dann müssen sie ins Ausland“. Ich musste alles kennenlernen, also bin ich nach Spanien, Kolumbien und Costa Rica. Als ich zurückkam, wurde ich alleiniger Geschäftsführer einer Tochterfirma von Lütten und Sohn, die für den Großmarkt zuständig war. Ich war schon auf dem Deichtormarkt tätig und habe den Umzug nach Hammerbrook mitgemacht. Etwa 1970 hat sich das Unternehmen Lütten und Sohn aufgelöst, und ich habe es unter meinem Namen übernommen. Ich war zwar der Inhaber, aber habe genauso mit angepackt – und viel Obst gegessen, das hält jung.

Hat die Arbeit Ihnen immer Spaß gemacht?

Ich habe meinen Beruf geliebt. Ich hatte so viel Freude daran, auch wenn wir täglich zwölf Stunden gearbeitet haben. Zwischendurch haben wir uns aber auch eine Auszeit gegönnt und Karten gespielt. Ich habe immer so gearbeitet, dass meine Lieferanten und meine Kunden zufrieden waren – aber auch ich.

Was hat sich auf dem Großmarkt verändert?

Auf dem alten Markt war noch alles per Du. Jeder war mit jedem vertraut. Am neuen Großmarkt war anfangs viel los, es gab überhaupt keine freien Standflächen mehr. Das ist mit heute nicht zu vergleichen.

Gehen Sie immer noch gerne auf den Großmarkt?

Heute unterstütze ich meinen Sohn, der mein Unternehmen unter dem Namen „Boboly“ übernommen hat. Zwei- bis dreimal die Woche führe ich dort Qualitätskontrollen durch. Ich bin 50 Jahre nachts aufgestanden. Es ist die Routine: Morgens zwischen 2 und 3 Uhr bin ich wach. Gegen halb vier bin ich auf dem Großmarkt und fahre gegen zehn nach Hause. Ich bin kein Mensch, der sich in den Sessel setzt und Däumchen dreht. Ich komme hierher, weil ich es brauche, sonst würde ich verrückt werden.

Portrait von Johanna Zobel

Johanna Zobel ist immer für ein ausgiebiges Abendessen mit Freunden in gemütlichen Restaurants zu haben. Ein perfekter Abend endet für sie mit einem Absacker in einer typischen Hamburger Eckkneipe.

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