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Großmarkt Hamburg: 60 Jahre in Hammerbrook

Frischezentrum mitten in der Stadt

Im Jahre 1962 ist der Großmarkt Hamburg aus den Deichtorhallen nach Hammerbrook gezogen. Nicht nur die Halle wurde zukunftsweisend geplant und gebaut, auch der Standort mitten in der Stadt trägt zu einem beispiellos schnellen Warenumschlag bei

24. August 2022

Der Großmarkt versorgt mehr als zehn Millionen Verbraucher mit frischem Obst, Gemüse und Blumen / ©Johanna Zobel
Der Großmarkt versorgt mehr als zehn Millionen Verbraucher mit frischem Obst, Gemüse und Blumen / ©Johanna Zobel

Der städtische Großmarkt Hamburg ist die wichtigste Drehscheibe in Deutschland für den Handel mit Südfrüchten sowie Obst und Gemüse. In seiner Dimension ist er in Nordeuropa konkurrenzlos. Er versorgt mehr als zehn Millionen Verbraucher mit frischem Obst, Gemüse und Blumen. Täglich landen hier in Hammerbrook die unterschiedlichsten und ungewöhnlichsten Sorten: Importware aus aller Welt, aber auch viele Produkte aus der Region. Denn vor Hamburgs Toren erstreckt sich das Alte Land, Nordeuropas größtes Obstanbaugebiet, sowie die Vier- und Marschlande, und die benachbarten Bundesländer Niedersachsen und Schleswig-Holstein mit ihren großen Agrarflächen sind nicht weit. Auch deshalb ist der Standort in Hammerbrook strategisch exzellent. In der Nähe vom Hafen und mit der Autobahn gleich vor der Tür ist er dicht dran an den wichtigsten Versorgungswegen über Wasser, Luft und Straße. Die Waren kommen ab den wichtigen Flughäfen Amsterdam und Frankfurt, vom Hafen, aber auch aus benachbarten Ländern per Lkw zum Großmarkt.

Hamburg ist nach wie vor für Fruchtumschlag ein bedeutender Hafenstandort. Die Importfrüchte werden vom HHLA Frucht- und Kühlzentrum umgeschlagen, und durch die Nähe zum Hamburger Großmarkt sind es kleinste Transportwege. Die verkehrsgünstige Lage in alle Richtungen sichert den schnellen An- und Abtransport der Waren und garantiert, dass Obst, Gemüse und Blumen so frisch wie möglich angeliefert und weiter verteilt werden können. Dabei kommt der Zulieferverkehr über die nahegelegene Autobahn, sodass weder der Stadtverkehr noch Wohngebiete belastet werden. Verkehrstechnisch liegt der Großmarkt so gesehen eher am Rand, jedoch für die Einkäufer und Kunden sehr zentral. Rund 6200 Gewerbekunden beziehen auf dem Großmarkt ihre Produkte für Wochenmärkte, Fachgeschäfte, Gastronomie, Catering, Krankenhäuser, Kantinen und Supermärkte. Als Stadtversorger sichert er die Ernährung Hamburgs und der gesamten Metropolregion ab. Aber nicht nur: Auf dem Hamburger Großmarkt werden pro Jahr etwa 1,5 Millionen Tonnen Waren umgeschlagen, die bis nach Skandinavien und Osteuropa geliefert werden. Die infrastrukturelle Wichtigkeit des Standor- tes und die Bedeutung des Großmarkts als Versorger hat auch der Hamburger Senat unterstrichen. Im Januar 2021 wurde die Standort- garantie für Hammerbrook bis zum 31.12.2044 verlängert.

Hammerbook damals und heute

Bis ins 19. Jahrhundert hinein war der Stadtteil im Bezirk Hamburg-Mitte der Freien und Hansestadt Hamburg unbewohntes Marschland. Die Erschließung des Geländes begann mit dem Bau der Hamburg-Bergedorf Bahnlinie in den Jahren 1839 bis 1842. Wegen der Feuchtigkeit wurde Hammerbrook auch „Klein Mecklenburg“ genannt. Im 19. Jahrhundert setzte sich der Senatssyndikus Amsinck für die Entwässerung des Hammerbrook ein. Kernstück war eine Aufhöhung des Geländes und Bau eines Hochwasserbassins. Im Laufe der Zeit entstanden kleine Binnenschiffswerften, Lagereien und Sägewerke. Von hier aus wurde Holzhandel in ganz Europa betrieben. Schwere Sturmfluten wie im Jahre 1825 sorgten dafür, dass der Deich erhöht werden musste. Der Verlauf des Stadtdeichs ist durch den Bau des Großmarkts heute nicht mehr zu erkennen.

Im Jahr 1860 begann die großflächige Besiede­lung des Stadtteils, welcher sich schnell zum Arbeiterquartier entwickelte. Im Zweiten Welt­ krieg wurde Hammerbrook durch einen Luft­ angriff im Jahre 1943 schwer getroffen, etwa 70 Prozent der Gebäude wurden zerstört. Das ließ Raum für städtebauliches Umdenken und bot die Gelegenheit der Planung einer neuen Markthalle. Das Kernstück auf dem Gelände, die Großmarkthalle, entstand von 1958 bis 1962 und bildet das Fundament für die drei wesentli­chen Aufgaben des Großmarktes: Er dient als Versorgungsgroßmarkt, Erzeugermarkt und Anlaufstelle für Importe. 1962 öffneten sich zum ersten Mal die Tore der traditionsreichen Halle am Standort Hammerbrook. Das Wohnviertel als solches ist nicht wieder aufgebaut worden, ab den 1980er­Jahren wurde es un­ter dem Namen City Süd zum Industrie­ und Bürostandort ausgebaut, und 1983 wurde der S-­Bahnhof Hammerbrook im westlichen Teil des Viertels errichtet. Seit einigen Jahren wer­den wieder verstärkt Wohnungen gebaut. Mit Beginn der 2000er wächst im Rahmen des Stadt­ Projekts „Hafen­City“ nach und nach ein neuer Stadtteil in Hafennähe. In den zuvor wirtschaft­lich genutzten Gebieten soll bis 2050 ein moder­ner und lebenswerter Stadtteil entstehen, der sich durch viel Wohnraum auszeichnet.

Das grüne Herz der Stadt

Der Hamburger Großmarkt ist heute nach 60 Jahren am Standort Hammerbrook mehr als Markt und Versorger mit einer ausgezeichneten Infrastruktur. Die Halle ist denkmalgeschützt und ein kulturelles Wahrzeichen der Stadt. Die Großmarkthalle, so scheint es, wirkt wie ein großes Zelt, „das einen Teil der Stadt schützt“, so beschreibt es etwa der Architekt und Wissen­schaftler Giacomo Calandra di Roccolino. Schon lange ist das Zusatzstoffmuseum auf dem Ge­lände des Hamburger Großmarkts beheimatet und seit 2015 das Mehr!Theater. Und auch Open­ Air­Events finden auf der großzügigen Freiflä­che statt. So wird das grüne Herz der Stadt für alle zugänglich.

Mara Veigel und Hedda Bültmann

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