Wendy Chen wollte eigentlich nie in die Gastronomie: Von klein auf half sie im elterlichen Restaurant aus und erlebte so die langen, harten Abende aus unmittelbarer Nähe. Später arbeitete sie lange im Import und Export und scheute vor der Gastro zurück – ihr Hunger nach authentischer chinesischer Küche wurde in Hamburg jedoch nie richtig gestillt.
Heute reisen viele Deutsche nach China und schätzen die lokale Küche deshalb mehr
Wendy Chen
„In den 80ern und 90ern erlebten chinesische Restaurants in Deutschland einen Boom, sie mussten sich jedoch am damaligen Markt anpassen: das Essen war ziemlich eingedeutscht“, erklärt Wendy, „doch heute reisen viele Deutsche nach China und schätzen die lokale Küche deshalb mehr – mit dem alten Stil kann man heute nicht mehr groß werden.“ Viele Bekannte teilten Wendys Sehnsucht nach authentischer chinesischer Küche und drängten sie, ihr kulinarisches Potenzial auszuschöpfen. Ende 2025 überwand sie schließlich ihre Bedenken und entschied sich dazu, echten Sichuan-Genuss im ehemaligen Moto59 zu reproduzieren.
Alter Standort, neues Konzept
Acht Jahre lang hatte sich Dirk Block, Sohn des Gastro-Riesen Eugen Block, an diesem Standort mit SoHo Chicken behauptet – bis das Lokal im Dezember 2023 seine Türen schloss. Kurze Zeit später versuchte die Fastfood-Kette Moto59 mit Hamburger, Pizza und Motorrad-Garagen-Ästhetik ihre siebte Filiale Deutschlands hier zu etablieren, nur um 14 Monate später schließen zu müssen. Das Unternehmen gab unter anderem dem Standort die Schuld – von sieben Filialen sind heute noch vier geblieben. Heute präsentiert sich das Lokal neu: Traditionelle Laternen hängen von der Decke und setzen das schwarz-rote Interieur gezielt in Szene.



Gong Bao Chicken statt SoHo Chicken
„China ist sehr groß – deshalb gibt es da acht regionale Küchen. Eine davon ist die Sichuan-Küche in Zentralchina. Da das Wetter dort sehr feucht ist, essen die Leute scharf, um die Feuchtigkeit im Körper auszugleichen.“ Diese Wirkung entfalte sich unter anderem im Zusammenspiel von Sichuan-Pfeffer, Chili und fermentierter Bohnenpaste. Originalität sei ihr wichtig: Um den authentischen Geschmack unverfälscht beizubehalten, habe sie die Küche direkt aus China importiert. Auf der Speisekarte steht von gebratenem Oktopus bis Mapo Tofu alles, was den gewünschten Mala-Effekt (betäubende Schärfe) hervorbringt. Die Inhaberin zeigt sich optimistisch: „Wir haben großen Zuspruch von vielen Menschen, die jeden Tag vorbeischauen und großes Interesse am neuen Umbau zeigen – das macht uns natürlich auch ein wenig nervös, da wir den Erwartungen entsprechen möchten.“ Die Eröffnung des Lokals ist für Anfang Februar geplant.


