Rindchen schlemmt

Rainer Schneider

Kolumnist Gerd Rindchen testet sich durch die bunte Speisekarte des Rainer Schneider in Eimsbüttel

Eimsbüttel ist seit Jahren im Wandel begriffen. Früher vornehmlich Arbeiterquartier zählt der Stadtteil heute neben Ottensen zu den beliebtesten Stadtteilen bei jungen, gebildeten und relativ wohlhabenden Familien. Das wirkt sich natürlich auch auf die gastronomische Szene aus. Am meisten hat sich im früher ziemlich verschnarchten Stellinger Weg verändert: Ein Café reiht sich neben das nächste und im Herzen der Straße, wo früher ein traditioneller Inder residierte, sitzt nun mit dem „Rainer Schneider – Speis & Trank“ ein ansprechend und modern gestylter Laden, der sich auf die neuen Zielgruppen eingestellt hat. An Erfahrung mit hochgradig gentrifizierten Umfeldern gebricht es den Betreibern nicht – ist doch das Rainer Schneider eine kulinarische Symbiose aus den Schwesterlokalen Rain Cafeatery in Ottensen und dem Berta Emil Richard Schneider in der Schanze.

Abwechslungsreiche Speisekarte

Auf der Karte sind unter der Rubrik „Rainers Lieblinge“ diverse Cocktails vertreten, darunter Innovationen wie „Helbing Basil“ mit Helbing, Zitrone, Zucker und Basilikum (9,50 Euro) oder „Rainers Margaritha“ mit Tequila, Limette, Agave und Napoleon Mandarine (11 Euro). Aber auch das Nahrungsangebot ist umfänglich: In der Früh ab neune locken üppige Frühstücke wie „Eggs Berta“, zwei pochierte Eier mit Kartoffelrösti, Rosmarinschinken und Sauce Hollandaise (12 Euro), ein Franzbrötchenauflauf mit Beeren-Kompott und Tonkabohnencreme (9 Euro) oder Emils Vegane Stulle mit Hummus, Erbsen-Minz-Mash und Beete-Chutney (9 Euro). Zur Mittagsstund’ gibt’s scharfe Campingkartoffeln in Tahinisoße und Chili-Öl (7 Euro), Pikanten frittierten Rosenkohl mit Harissa (6,50 Euro) oder Fried Chicken mit Süßkartoffelpüree, Chili Pickels und Bacon Jam (9,50 Euro). Abends kommen dann durchweg gelungene, anständig portionierte Hauptgerichte, auch hier mit starker vegetarischer Komponente, auf den Tisch: So das aromatische Beet Bourguignon mit bunten Beten, geschmorten Rüben, Linsen und  – Clou des Ganzen – geräucherten Portobello-Pilzen (19 Euro). Fischfreunde bekommen Zarten Wolfsbarsch auf Grünkohl in grüner Pfeffersoße (20 Euro) und auch Freunde fleischlicher Genüsse müssen nicht verzweifeln: Auf sie wartet eine geschmorte Lammkeule mit Kartoffelpüree, Bratensoße und Röstzwiebeln (23 Euro). Dazu ein paar nette Weinchen ebenfalls deutscher Provenienz: Und schon lässt es sich trefflich aushalten im Eimsbütteler Gentrifizien.

Die-Jury-2020-_0010_gerdrindchen_02_17_023(c) Bertold Fabricius

Der Wein- und Genuss-Experte Gerd Rindchen ist seit Jahrzehnten in der Gastro-Szene unterwegs. Wer seine Lieblinge sind und warum, verrät er hier in diesem Blog.