Alexandra Kleber

Vom Fliegerleben in die Küche

Den Speiseplan für eine ganze Woche zu erstellen ist praktisch und zeitsparend. Noch praktischer, wenn man das anderen überlassen kann – zum Beispiel Alexandra Kleber vom Start-up one lunch.

Es gibt für Alexandra Kleber nichts Langweiligeres, als mehrere Tage hintereinander das Gleiche zu essen. In Homeoffice-Zeiten ist das aber häufig Realität. Die ehemalige Flugbegleiterin hat daher den Lieferdienst one lunch gegründet. Ihr Vesprechen: Die Vorbestellung ist unkompliziert und der Wochenplan abwechslungsreich. Ein Gespräch über ihre Liebe zum Essen und ihren neuen Arbeitsalltag.

 

Was ist der Clou hinter one lunch?
Man kann innerhalb von fünf Minuten sein Mittagessen für die nächsten vier Wochen von der To-do-Liste streichen. Ich erkläre wöchentlich die Karte der kommenden Woche in einem Instagram Livestream und beschreibe jedes Gericht inklusive Herkunft und Inspirationsquelle im Online-Shop. Ich glaube, dass man diese sehr persönliche Herangehensweise herausschmeckt. Als hätten gute Freunde für einen gekocht! Das bedeutet auch, authentisch zu sein. Die Bilder auf der Website und auf Instagram sind echt – inklusive kleiner Makel.

Wie bist du zum Kochen gekommen?
Ich habe die ersten 13 Jahre meines Lebens in den USA gelebt und bin mit den verschiedensten Kulturen und Küchen in Berührung gekommen. Ich liebte es, auf der Küchenzeile zu sitzen, meiner Mutter zuzuschauen, zu naschen und Fragen zu stellen. Nach meinem Studium arbeitete ich zwei Jahre als Flugbegleiterin und besuchte während der Zwischenstopps – wann immer es die Zeit erlaubte – Kochkurse in den jeweiligen Ländern: China, Thailand, Argentinien … Danach war Kochen endgültig mein Zufluchtsort.

 

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Kein gewöhnlicher Lieferservice: Bei one lunch ist für Abwechslung gesorgt / ©Julia Schwendner

 

Wann kam der Gedanke, dich selbstständig zu machen?
Nach zwei Jahren „Fliegerleben“ hatte ich Lust auf einen Wechsel und war in Agenturen und Hamburger Unternehmen im Bereich der Markenkommunikation tätig. Ich habe viel gelernt in dieser Zeit und mich unter anderem mit hervorragenden Köchen ausgetauscht. Spätestens, als meine Vorschläge zum Teil eins zu eins auf der Karte standen, wusste ich, dass ich als Köchin doch mehr kann, als ich gedacht hätte.

Wie sieht ein Tag in deiner Produktionsküche aus?
Mein Tag startet um acht Uhr in der Küche. Meine „Mise en Place“ bereite ich so gut es geht schon am Vortag vor. Ich koche das Tagesgericht fertig und fülle es inklusive Kräuter und Toppings portionsweise ab. Gegen 10 Uhr belade ich zusammen mit meinem Kollegen Jonas die Liefer-Bikes. Aktuell haben wir zwei davon und ich liefere mit aus. Das ändert sich aber gerade, weil wir an unsere Grenzen kommen. Auf dem Rückweg meiner Tour erledige ich Einkäufe und mache eine kurze Pause. Dann heißt es: abwaschen und von neuem beginnen! Gemüsereste inklusive Schalen, Anschnitten und essbarem Blattwerk verarbeite ich regelmäßig zu einem Fond. Zwischen 16 und 18 Uhr bin ich in der Küche fertig. Dann setzte ich mich zu Hause nochmal an den Rechner, um mich um Themen wie Instagram, Buchhaltung oder Marketing zu kümmern.

Worauf legst du Wert?
Mir ist Abwechslung wichtig. Ich esse nicht gerne mehrere Tage am Stück das Gleiche – daher ist auch Meal Prep nichts für mich. Die Mittagskarte von one lunch ist recht ausgewogen: Mal ein Cheat Day mit Lasagne oder Spätzle mit Pilzrahmsoße, dann wieder etwas Leichtes wie eine Falafel Bowl oder ein Kräutersalat mit selbst gebackener Focaccia. Außerdem achte ich auf Saisonalität. Meine Zutaten kommen idealerweise aus der Region – das wird jetzt in den warmen Monaten natürlich deutlich einfacher.

Spielt das Thema Verpackung eine Rolle?
Absolut! Das ist für mich eine große Baustelle. Unterschiedliche Gerichte und Komponenten verlangen unterschiedliche Lösungen. So können stark säurehaltige Komponenten wie ein Salatdressing oder Sojasoße die Struktur von Bagasse angreifen und aufweichen. Außerdem müssen unsere Gerichte auch einen Transport über kopfsteingepflasterte Straßen überstehen. Langfristig würde ich gerne mit einem Mehrwegsystem arbeiten.

Wo ist der Hunger besonders groß?
Aktuell liefere ich sehr viel nach Eimsbüttel aus – und hier viel an Familien mit Kindern. Für sie ist die aktuelle Lage eine enorme Belastung und ich bin so froh, dass ich sie mit one lunch wenigstens ein bisschen unterstützen kann.

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Interview: Jasmin Shamsi trägt Berlin auf der Zunge und Hamburg im Herzen. Als Food- und Kulturjournalistin spürt sie Geschichten aus der bunten Gastrowelt auf oder testet sich durch die kulinarische Vielfalt dieser Stadt.