Das „hässliche Entlein“, so die deutsche Übersetzung, ist gar nicht hässlich: Die meerblaue Zellig-Fliesenwand, wechselnde Kunst gegenüber und schlichte Holztische mit Bistro-Stühlen zeigen, dass man im Ugly Duckling die Schönheit des Einfachen schätzt. Ein Bord mit bunten Weinflaschen ist Hinweis darauf, worum es hier auch geht: Naturals, überwiegend aus Frankreich, sogenannte Low-Intervention-Wines also, die möglichst natürlich hergestellt und spontan vergoren sind, Weine, bei denen so wenig wie möglich in den Entstehungsprozess eingegriffen wird. Wein in seiner ursprünglichsten Form. Und dieser Genuss ist längst ein Privileg jenes jungen, aufgeschlossenen Publikums, das auch an diesem Abend für volles Haus sorgt. Nur Monate nach der Eröffnung ist das Ugly Duckling mit seiner Mischung aus französischem Bistro und der regionalen, grenzenlos gedachten Küche von Chefin Lenja Bahlburg und Gastgeber Clément Noel kaum mehr ein Geheimtipp, und ich mach’s an dieser Stelle kurz: Die produktorientierte Küche hat eine pointierte Wucht, geprägt von einem süffigen Minimalismus, der einfach Freude macht! Der Auftakt mit luftigem Flatbread – warm, weich und knusprig – mit Parmesan, Estragon und konfiertem Ei (17 Euro), dazu ein Teller Entenschinken (16 Euro) – wir sind direkt angekommen und begeistert. Die fleischigen Miesmuscheln mit gepickeltem Radicchio baden in einem samtigen Sud mit Kräuteröl. Der empfohlene Mamastan Petnat Extra Brut (0,15 l 12,50 Euro) ist ein perlender Schlotzer von hohem Trinkfluss! Im Sharing-Konzept wählen wir lustvoll querbeet aus den Rubriken Kalt, Warm, Veggie und Dessert. Die Musik dazu spielt vom Plattenspieler, auf dem Tresen ist ein Vinyl-Album des brillanten HipHop-Jazz-Trios Ugly Duckling aus Long Beach (Kalifornien) ausgestellt – jenseits des Plattentellers kommen die hier servierten Freilandenten von Odefey & Töchter aus der Lüneburger Heide (Niedersachsen)! Eine Qualität für sich. Eine Nose-to-Tail-Götterspeise ist dazu die knusprig frittierte Tostada mit Entenklein-Ragout, kühler Gurke, Limette und Jalapeño (18 Euro). Und noch mal (Peking-)Ente, mal anders: Die Brust perfekt gegart, die zarte Keule badet in einer dichten Jus; genial dazu die Bitterkeit des Puntarelle-Gemüses und die süßsaure Pflaumensoße (44 Euro) – mit einem Glas vom kühlen Achillée Hespéridé Gewürztraminer (0,15 l 12 Euro) aus dem Elsass: ein Gedicht! Man spürt die gemeinsame Gastro-Vergangenheit des Betreiberpaars, das schon im Bistro Carmagnole zusammenarbeitete. Und wer die Nullkommaeins Bar vermisst, wird hier ebenfalls glücklich. Die Ente Ugly Duckling ist aber vor allem: eigen – und eigentlich ein echter Schwan!
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