Wenn im Frühjahr die Sonne wieder häufiger über Ottensen scheint, füllen sich die Außengastronomien mit hungrigen Gästen. Auch im Café Ribatejo an der Bahrenfelder Straße war die selbst gebaute Terrasse mit 25 Sitzplätzen eine Bereicherung für Inhaberin Carlota Santos de Carvalho und die Gäste. Doch das ist nun Geschichte. Auf Anordnung des Bezirksamts Altona musste die Terrasse abgebaut werden – um Platz für Parkplätze zu schaffen. Künftig darf nur noch direkt an der Hauswand bestuhlt werden. Für Betreiberin Carvalho inakzeptabel, die mit einer Klage reagierte: Neben dem noch offenen Gerichtsverfahren kämpft sie mit einer Petition um ihre Außenplätze.
Corona-Sonderregelung ausgelaufen
Seit 2002 bereichert das kleine Café, untergebracht in einem ehemaligen Kohlelager, das Viertel mit portugiesischen Tapas, familiärer Gastfreundschaft und einem Mittagstisch. Der Außenbereich, während der Corona-Pandemie aus Holzpaletten gebaut und in den Farben Portugals und Spaniens bemalt, war ein zusätzlicher Umsatzfaktor. Doch möglich war die Terrasse nur durch eine Sonderregelung aus der Pandemiezeit. Bis Ende 2024 hatte die Bezirksversammlung Altona ausnahmsweise erlaubt, Parkbuchten für Außengastronomie zu nutzen. Diese Regelung ist seit 2025 ausgelaufen. Auf Anfrage erklärt Pressesprecher Mike Schlink vom Bezirksamt Altona, man könne sich aufgrund eines laufenden Gerichtsverfahrens nicht im Detail zum Einzelfall äußern. Grundsätzlich gelte jedoch: „Seit 2025 gilt diese Ausnahme ausschließlich für das freiRaum-Ottensen-Gebiet, das heißt, bis zum Abschluss der Umbaumaßnahmen.“
Projekt freiRaum Ottensen: Außengastronomie nach dem Umbau deutlich eingeschränkt
Im Rahmen des Projekts „freiRaum Ottensen – Das autoarme Quartier“ sollen die Ottenser Hauptstraße und die Bahrenfelder Straße grundlegend umgestaltet werden. Ziel sind Verkehrsberuhigung, breitere Geh- und Radwege, mehr Grünflächen und höhere Aufenthaltsqualität. Das Café Ribatejo liegt nur wenige Straßenecken vom Projektgebiet entfernt. Betriebe innerhalb von freiRaum Ottensen dürfen ihre Terrassen auf Grundlage der Sondergenehmigung weiterhin nutzen, doch nach Abschluss der Umbaumaßnahmen ist auch da Schluss: Künftig sollen drei Meter breite Gehwege sowie eine Veloroute durch die Bahrenfelder Straße und die Ottenser Hauptstraße führen. Bänke und Begrünung sollen die Aufenthaltsqualität im Viertel zusätzlich steigern. Damit bleibt kaum Platz für größere Terrassenflächen. Hinzu kommt, dass laut dem Ribatejo-Team die Umgestaltung des Projektgebietes zur Folge hat, dass die angrenzenden Außenbereiche nun als Platzhalter für das „autoarme Quartier“ herhalten müssen.
Die Umgestaltung wird damit begründet, besser mit den vielen Besucher*innen umgehen zu können. Doch gerade wegen der lebendigen Gastronomie kommen sie hierher
Carlota Santos de Carvalho, Inhaberin Café Ribatejo
Für viele Gastronomien bedeutet das: Selbst Betriebe, die aktuell noch Sondergenehmigungen besitzen oder im Projektgebiet liegen, müssen langfristig damit rechnen, ihre Außenflächen stark zu verkleinern oder ganz aufzugeben. „Die Umgestaltung wird damit begründet, besser mit den vielen Besucher*innen umgehen zu können. Doch gerade wegen der lebendigen Gastronomie kommen sie hierher“, sagt die Café-Betreiberin. „Mehrere Gastronom*innen stehen aktuell vor der Situation, sich von ihren Außenflächen verabschieden zu müssen – und das in einer Zeit, in der es ohnehin immer schwieriger wird, ein Lokal wirtschaftlich aufrechtzuerhalten.“


Petition gegen Entscheidung des Bezirksamts
Mit einer Petition auf der Plattform Change.org kämpft das Ribatejo-Team nun um die Rückkehr der Außenfläche: „Jede Unterschrift gibt unserer Stimme mehr Gewicht und nährt die Hoffnung auf einen positiven Ausgang. Lassen Sie uns gemeinsam für unsere Terrasse einstehen!“ Mehr als 2300 Menschen haben sie bereits unterschrieben. Gleichzeitig gibt es auch kritische Stimmen. Unter einem vom Café Ribatejo veröffentlichten Instagram-Beitrag zur Petition weisen Kommentierende darauf hin, dass barrierefreie Mobilität im öffentlichen Raum nicht dem wirtschaftlichen Interesse einzelner Betriebe untergeordnet werden sollte. Zudem sei von Beginn an klar gewesen, dass viele Terrassen lediglich auf zeitlich begrenzten Sondergenehmigungen beruhten.
Für das Ribatejo-Team geht es dennoch um mehr als um Tische und Stühle. In der Petition formulieren sie eine grundsätzliche Frage: „Welches Altona wünschen wir uns – ein Viertel, in dem Menschen sich begegnen, draußen sitzen und das Leben im öffentlichen Raum teilen? Oder eines mit breiten, sterilen Wegen und immer mehr Parkplätzen?“
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