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Jubiläum

25 Jahre CaFée mit Herz auf St. Pauli

Seit einem Vierteljahrhundert steht die Organisation für gelebte Solidarität, Begegnungen auf Augenhöhe und eine klare Haltung. Die ehrenamtliche Einrichtung im ehemaligen Hafenkrankenhaus auf St. Pauli ist eine wichtige Anlaufstelle für Menschen, die von Armut, Wohnungs- oder Obdachlosigkeit betroffen sind

20. August 2026 von Paula Rieck

Im CaFée mit Herz auf St. Pauli ist jeder willkommen, der Unterstützung benötigt / ©Christoph Niemann
Im CaFée mit Herz auf St. Pauli ist jeder willkommen, der Unterstützung benötigt / ©Christoph Niemann

Seit 25 Jahren steht das CaFée mit Herz für Mitmenschlichkeit, Verlässlichkeit und unermüdlichen Einsatz für Menschen, die Unterstützung brauchen. Es ist ein Ort, an dem Menschen nicht nur Hilfe, sondern auch ein offenes Ohr, Wärme und Sicherheit finden. Am 4. September feiert der gemeinnützige Verein sein 25-jähriges Bestehen unter dem Motto „Auch ein sozialer Hafen braucht mal einen Fischmarkt“. Die Jubiläumsfeier ist dabei mehr als ein Rückblick auf das bisher Erreichte: Sie ist vor allem ein Dankeschön an die Gäste und all jene, die diese Arbeit möglich machen und den Verein über die Jahre getragen haben – haupt- und ehrenamtlich Engagierte, Spendende und Unterstützende.

Begleitend entsteht eine Ausstellung, die die Geschichte anhand bislang unveröffentlichter Dokumente, historischer Fotografien und persönlicher Geschichten erzählt. Sie zeigt, was in einem Vierteljahrhundert entstanden ist und wie viele Menschen dazu beigetragen haben, diesen besonderen Ort zu dem zu machen, was er heute ist. Anschließend soll die Ausstellung als Wanderausstellung durch die Hansestadt ziehen.

Armut: Ein strukturelles Problem

Das Projekt entstand aus dem Protest gegen die Schließung des Hafenkrankenhauses. Ende der 1990er-Jahre gründete Holger Hanisch das Info-Café als Anlaufstelle für arme, einsame und obdachlose Menschen. 2001 wurde daraus dann das CaFée mit Herz. Dadurch, dass sich die Lebensrealitäten vieler Menschen zunehmend verändern, ist der Verein heute mehr denn je eine feste Anlaufstelle für Menschen ohne Obdach oder in schwierigen Lebenssituationen. Die ausschließlich durch Spenden finanzierte Tagesaufenthaltsstätte wird täglich von mehr als 300 Menschen besucht, pro Jahr werden über 100.000 Mahlzeiten ausgegeben. Doch die Hilfe geht weit über die tägliche Essensversorgung hinaus: In der Kleiderkammer gibt es frische Kleidung, die Gäste können duschen, einen Haarschnitt bekommen und ihre Post über die Einrichtung beziehen. Sozialarbeiterische Unterstützung, vertrauliche Beratung und ärztliche Versorgung für nicht krankenversicherte Gäste gehören ebenso zum Angebot wie die Begleitung bei Behördenangelegenheiten und in persönlichen Krisensituationen. Auch der Kältebus Hamburg und verschiedene Wohnprojekte sind Teil der Arbeit.

Obdachlosigkeit ist kein individuelles Versagen der Menschen, sondern ein Versagen unserer Gesellschaft

Maike Oberschelp, Leitung CaFée mit Herz

Im Mittelpunkt steht dabei stets die Hilfe zur Selbsthilfe. Die Menschen sollen nicht nur kurzfristig Unterstützung erhalten, sondern wieder Vertrauen in das eigene Leben und den eigenen Wert entwickeln. Leiterin Maike Oberschelp bringt es auf den Punkt: „Die wichtigste Aufgabe von uns ist, den Menschen ihre Würde zurückzugeben, die sie auf der Straße oder in ihrem Leben verloren haben.“ Denn vieles von dem, was für die meisten selbstverständlich ist – ein sicherer Ort zum Schlafen, eine Adresse, medizinische Versorgung oder Unterstützung bei Behördengängen – fehlt Menschen, die auf der Straße leben. Um ihnen langfristig einen Weg aus der Obdachlosigkeit zu ermöglichen, mietet der Verein Wohnungen an und vermietet sie für einen begrenzten Zeitraum an seine Besucherinnen und Besucher. Eine Sozialarbeiterin begleitet die Wohngäste während dieser Zeit engmaschig. „Bereits nach zwei Tagen, ausgeschlafen, rasiert, gewaschen und mit vollem Magen, kommen uns da ganz andere Menschen entgegen“, erzählt Oberschelp. Am Ende des Weges stehen idealerweise eine eigene Wohnung und der Schritt in ein neues Leben.

Getragen wird diese Arbeit von einem kleinen hauptamtlichen Team aus sechs Mitarbeitenden und mehr als 60 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Gemeinsam setzen sie sich dafür ein, dass Menschen nicht nur versorgt, sondern gesehen werden. Denn das CaFée mit Herz wird dringend gebraucht: Bezahlbarer Wohnraum ist knapp, die Zahl der obdachlosen Menschen nimmt nach Angaben des Vereins insbesondere unter jungen und älteren Menschen sowie Frauen zu. Psychische Erkrankungen können durch Suchtmittelkonsum zusätzlich verschärft werden. Obdachlosigkeit ist dabei nicht nur ein Leben unter schwierigen Bedingungen, sondern kann lebensgefährlich sein. Wer lange auf der Straße lebt, wird häufig nicht älter als 50 oder 60 Jahre. „Sie sterben da, wo sie gelebt haben, vor unser aller Augen auf der Straße“, sagt Oberschelp. Um den Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen, bringt das CaFée mit Herz an den Orten, an denen sie ihre „Platte“ hatten – einen meist vor Witterung geschützten Schlaf- und Aufenthaltsort –, schwarze Schlösser mit ihren Namen und dem Todesdatum an.

Oberschelp wünscht sich angesichts dieser Realität mehr Hilfsangebote und einen anderen Umgang mit Menschen, die auf der Straße leben. „Es fängt bei Missachtung an – ich gucke nicht hin, wenn mich jemand anspricht, und es endet vielleicht damit, dass jemand einen Menschen im Schlafsack anzündet. Und dazwischen gibt es ganz viele Grautöne.“ Ihr Appell richtet sich deshalb an alle: hinzusehen, Hilfe anzubieten, auf Augenhöhe miteinander zu sprechen oder einem Menschen, der es schwer hat, einfach ein Lächeln zu schenken. „Das macht das Leben von Menschen, die in der Gesellschaft immer Ablehnung erfahren, schon mal ein Stückchen einfacher. Und da bricht sich niemand einen Zacken aus der Krone, das zu tun.“

Auch über die eigenen Angebote hinaus ist das CaFée mit Herz vernetzt: Seit der Entstehung des Gesundheitszentrums St. Pauli ist der Verein Mitglied des Trägervereins und arbeitet mit anderen Einrichtungen zusammen. So versteht sich die Arbeit nicht als einzelnes Hilfsangebot, sondern als Teil eines Netzwerks, das Menschen in schwierigen Lebenslagen auffängt und ihnen neue Perspektiven eröffnen möchte. 

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Immer auf der Suche nach dem nächsten kulinarischen Highlight entdeckt Paula Rieck gerne neue Cafés, Restaurants und Bäckereien. Ihre größte Leidenschaft gilt jedoch dem Selbermachen – besonders Sauerteigbrot – und allem, was Zeit, Handwerk und gute Zutaten verlangt.