Am 2. Mai 1905 ging die erste Portion Pasta über den Tresen des Restaurants Cuneo. Heute, über 120 Jahre später, gehört das Lokal noch immer fest zu Hamburgs Genusslandschaft. Nach dem feierlichen Jubiläum im Mai dieses Jahres hat Familie Cuneo erneut Grund zu feiern, denn das Restaurant wurde jüngst mit der Walter-Scheel-Medaille ausgezeichnet.
Die Walter-Scheel-Medaille wird seit 2014 vergeben und ehrt die europäische Genusskultur. Am 17. Dezember wurde die Medaille zum 22. Mal vergeben – erstmals nach Hamburg! Die Trattoria der Familie Cuneo wurde nicht nur als „außergewöhnlich traditionsreiche gastronomische Institution im 120. Jahr ihres Bestehens“ ausgezeichnet, sondern auch als Ort des kulturellen Austauschs. Die Vergabe der Medaille wurde daher auf ein bestimmtes Datum gelegt: Am 20. Dezember jährt sich das deutsch-italienische Anwerbeabkommen zum 70. Mal. Das Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Italien galt zunächst als arbeitsmarktpolitisches Instrument, doch durch die Migrationsbewegungen wurde Deutschland nachhaltig geprägt. „Mit den ersten Pizzerien und Eisdielen begann in den 1950er-Jahren die kulinarische Öffnung Deutschlands zur Welt“, heißt es.
Alltägliche, unprätentiöse Form europäischer Verständigung
Das Cuneo ist noch älter. Seit 120 Jahren gehört das Lokal fest zu St. Pauli und wird inzwischen von Franco und Franca Cuneo in dritter und vierter Generation geführt. Dr. Christoph Wirtz, Vorsitzender des Trägerkreises der Walter-Scheel-Medaille: „Über 120 Jahre hinweg ist es der Familie Cuneo gelungen, eine kulturelle Identität zu wahren, die von der Kraft des Einfachen, der Authentizität und der Offenheit lebt – italienische Gastronomie ohne Folklore und Verfremdung. Das Cuneo steht für die lebendige Kontinuität einer alltäglichen, unprätentiösen Form europäischer Verständigung.“
Namensgeber und ehemaliger Bundespräsident Walter Scheel war „Zeit seines Lebens von der kulturellen Bedeutung des Kulinarischen überzeugt, als Staatsmann und Politiker nutzte er dessen verbindende Kraft“, heißt es auf der Webseite. Bekannte Preisträger sind unter anderem die Spitzenköche Eckart Witzigmann, Ferran Adrià und Alain Ducasse, die Austernzüchter-Familie Gillardeau und der Gründer der Slow-Food-Bewegung Carlo Petrini.
