Ein neuer Abschnitt
Für Nicolas Reissig beginnt mit dem Café Olé ein neues Kapitel, und zwar ein ungeplantes. Schließlich hatte er sich mit einer Marketingfirma selbstständig gemacht. Fremd ist ihm die Gastro-Szene dennoch nicht: Sein Vater Bahman Nader-Nezhad betrieb viele Jahre das Roth direkt gegenüber. Die Idee einer eigenen Bar oder eines eigenen Cafés tauchte zwar immer wieder auf, wurde aber nie konkret. Als es jedoch bekannt wurde, dass ab dem 1.10. das Café Olé zunächst ohne neuen Pächter dasteht, wurde aus dem Gedanken plötzlich eine reale Möglichkeit.
Eine Familiengeschichte
In Ottensen aufgewachsen, ist die Ecke rund um das Café Olé weit mehr als nur der Standort seines neuen Betriebs für Reissig. Sein Vater Bahman Nader-Nezhad gründete 1997 das Roth auf der gegenüberliegenden Straßenseite, bis er es vor drei Jahren verkaufte. Reissig wuchs damit zwischen Gastronomie, Gästen und dem Leben im Viertel auf. Und: Das Café Olé gehört seit 2001 seinem Onkel, der es lange selbst führte und seit fünf Jahren verpachtet. Dass nun ausgerechnet er den Betrieb übernimmt, hat deshalb etwas Nostalgisches, eine Familiengeschichte, die sich an derselben Straßenecke fortsetzt.
Dass das Café seinem Onkel gehört, ist für Reissig allerdings nicht ausschlaggebend. Zwar saß er dadurch gewissermaßen direkt an der Quelle, aber viel wichtiger ist für ihn der Ort selbst. Ein Café, in dem er schon unzählige Male mit Freunden gesessen hat, an einer Ecke, an der ihm bis heute Menschen begegnen, die er seit 20 Jahren kennt. „Es ist ein emotional aufgeladener Ort für mich“, so Reissig. Auch unabhängig von der familiären Verbindung habe ihn die Herausforderung gereizt.
Trotz aller Vorfreude ist die Entscheidung zur Übernahme auch mit Zweifeln verbunden. Durch seine Familie weiß Reissig, wie viel Arbeit hinter einem eigenen Café steckt und welche Verantwortung damit einhergeht. Am Ende überwiegt jedoch die Freude auf das, was kommt und was an einem eigenen Laden so besonders ist: „Es ist einfach das Schönste, wenn man dann Stammgäste hat und Leute, die sich freuen, immer wiederzukommen.“
Es ist ein emotional aufgeladener Ort für mich
Nicolas Reissig
Das Olé bleibt das Olé
Wer das Café Olé liebt, muss sich unter dem neuen Pächter nicht auf eine Neuerfindung einstellen. Im Gegenteil, Nicolas Reissig möchte möglichst viel vom alten Charme bewahren. „Der Laden ist schön, so wie er ist“, sagt er. Entsprechend behutsam fallen die Veränderungen aus. Die Speisekarte soll geringfügig angepasst werden, grundsätzlich aber in eine ähnliche Richtung gehen wie bisher. Auch optisch ist kein großer Umbau geplant. „Es wurden eigentlich nur zwei Wände gestrichen“, berichtet Reissig.
Eine Systemgastronomie mit einem bis ins letzte Detail durchgeplanten Konzept schwebt dem neuen Pächter ohnehin nicht vor. Vielmehr möchte er einen Ort schaffen, der mehr ist als einfach nur ein Café oder eine Bar. Wie sich ein solcher Ort entwickelt, lässt sich seiner Erfahrung nach ohnehin nur bedingt planen. Schon beim Roth habe er beobachtet, dass ein Laden mit seinen Gästen wächst: „Die Atmosphäre entsteht durch die Menschen, die kommen und gehen“, so Reissig.
Genau dieses Prinzip möchte er auch im Café Olé weiterführen. Das Viertel und seine Gäste sollen mitprägen, was aus dem Laden wird. Dazu könnten künftig auch Veranstaltungen und kulturelle Formate gehören. Erste Gespräche mit Menschen, die Events in der Umgebung organisieren, hat es nach seinen Angaben schon gegeben. Grundsätzlich sei er offen für neue Ideen – auch dafür, dass externe Veranstalter das Café Olé für passende Formate nutzen.
