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Wir schlendern durch die ruhige, mittelalterliche Altstadt Lübecks. Dort habe ich einen Tisch im Meilenstein reserviert. Wir betreten einen großen Raum mit hohen Decken, wuchtigen Tischen und Stühlen aus Buddenbrooks Zeiten. Eine ruhige Atmosphäre und eine gewisse Betulichkeit werden uns den ganzen Abend begleiten. Wir werden sehr freundlich empfangen. Ich entscheide mich für das Vier-Gänge-Menü (75,50 Euro) sowie ein alkoholfreies Benediktiner. Leider kann dieser Wunsch nicht erfüllt werden kann, da das alkoholfreie Weizen nicht vorhanden ist. Ich nehme also eine Flasche Wasser (0,75 l für 7,90 Euro) und meine Begleitung wählt ein Glas Chardonnay (0,2 l 9,90 Euro). Sie wählt als Vorspeise Rindertatar (17 Euro) und als Hauptgang die ausgelöste Lammhaxe (33 Euro). Das Tatar kommt mit Wachtelei und Schnittlauch sowie Eigelb in Reiskissen. Geschmacklich ist das eine erfreuliche Überraschung. Die gelöste Lammhaxe, mit Fenchel serviert, ist schön zart und wird von der feinen Konsistenz der Pastinaken-Creme und vom kräftige Bratenjus abgerundet. Für mich kommt mit der schmackhaften Sellerie-Consommé, aufgegossen auf Teeschaum und Teepuder, der erste Gang auf den Tisch. Das hätte als Komposition gut funktionieren können, so es denn mit der dafür notwendigen Temperatur serviert worden wäre. Gefolgt wird dies von Gyoza mit Garnelenfüllung auf Pekingkohl und einer leider belanglosen Soße aus Krustentier, die eine erstaunliche Geschmackslosigkeit an den Tag legt. Auch hier sind die Komponenten nicht ausreichend erwärmt. Nun bin ich gespannt, ob wenigstens der Hauptgang mit Hähnchenbrust gut durchgegart und warm den Weg zu mir auf den Teller findet. Zum Glück klappt es: Das Fleisch hat hinreichende Temperatur, wird mit ausgebackenen Austernpilzen und Hefeflocken gereicht. Dazu eine wirklich gelungene Polenta, deren sämige und feine Textur überzeugend ist. Das Ganze, begleitet von sehr guter Hähnchenjus, versöhnt mich. Weiße, erwärmte Schokoladen-Creme, darunter Stücke der Grapefruit und Eis mit Ingwer und Rosmarin, schließt das Menü ab. Insgesamt solide Hauptgänge. Allerdings sollte die Küche unter anderen an der Temperierung ihrer Speisen arbeiten.