Das Kräuterhaus in St. Georg: Vielfalt ohne Ende

Über 600 Kräuter, besondere Teemischungen und Gewürze sind nahe der Außenalster in St. Georg im Kräuterhaus Hamburg zu finden. Tina Voermann vom Kräuterhaus über wärmende Tees, Kosmetik zum Selbermachen und die Herausforderungen der Pandemie

Der Duft von Lavendel, Thymian und Kräutertee liegt in der Luft. Unweit der Langen Reihe in St. Georg befindet sich das Kräuterhaus Hamburg. Es liegt ein bisschen versteckt im hinteren Bereich eines Hauses in der Koppel 34. Doch bereits von Weitem breitet sich eine Vielfalt an Aromen aus, die sich beim Betreten des Ladens vollständig entfalten und die Sinne anregen. Das Kräuterhaus zieht Natur an: Im Eingangsbereich bahnt sich eine Buche ihren Weg durch das Dachfenster.

Kulturelle Vielfalt im Geschmack vereint

An einer Wand reihen sich runde, antike Holztonnen, in denen ein Potpourri an Kräutern aufbewahrt wird. „Die Holztonnen sind aus Weißbuche und so alt wie der Laden, also beinah 120 Jahre“, erzählt Tina Voermann vom Kräuterhaus Hamburg. 1907 wurde es gegründet. „Wahrscheinlich ist schon seit 100 Jahren immer das Gleiche in den Tonnen. Hamburgs ältester Unverpacktladen“, fügt sie hinzu. Über 600 Kräuter werden hier aufbewahrt. Darunter Lavendel, Königskerzenblüten und Gingkoblätter. Das Sortiment wird ergänzt durch verschiedene Teesorten, unter denen sich auch Hausmischungen befinden, deren Rezepte von Kräuter Meyer, dem Gründer des Kräuterhauses, überliefert worden sind. Komplettiert wird das Spektrum durch Naturkosmetik, Bücher und die Gewürzabteilung, die neben den gängigen Gewürzen auch einige Besonderheiten bereithält: Die Levante-Küche erfreut sich zunehmender Beliebtheit. So auch typische Gewürzmischungen wie Zatar, Baharat und Tuareg, das mit Schafskäse vermengt als Dip zu Brot gereicht wird.

Die Spuren der Pandemie

Doch auch die Corona-Pandemie zog nicht spurlos am Kräuterhaus vorbei. Das Weihnachtsgeschäft im vergangenen Jahr sei eingebrochen, so Tina. „Wie ein Genickbruch. Und so richtig erholt hat es sich seitdem nicht“, erläutert sie. Trotz der konstanten Öffnung sei die Kundschaft verunsichert. Die Schwierigkeit sei die 2G-Regelung, von der das Kräuterhaus zwar nicht betroffen ist, da es ein Lebensmittelgeschäft ist. Doch das war selbst der Polizei zu Beginn der Pandemie nicht klar. „Die Polizei schloss das Geschäft im zweiten Lockdown, um zu prüfen, ob wir geöffnet haben dürfen“, sagt Tina. In ihrer Stimme schwingt Ironie mit, denn nach einer Stunde durfte das Kräuterhaus wieder öffnen.

Um Unsicherheiten bezüglich der 2G-Regelung zu schmälern, hat das Kräuterhaus ein Schild mit der Aufschrift „Es dürfen alle rein“ aufgestellt. Manche Kunden würden dies allerdings als Akt der Rebellion gegen die Politik verstehen. Tina ist es wichtig zu betonen, dass das Kräuterhaus keine politische Stellung bezieht. „Wir möchten keinen falschen Anschein erwecken, sondern nur mitteilen, dass jeder bei uns einkaufen kann wie in einem normalen Supermarkt.“

Das heilende Potential der Kräuter

Das Team des Kräuterhauses ist bezüglich kompetenter Beratung breit aufgestellt. Tina hat eine Ausbildung zur Ayurveda-Therapeutin absolviert, und auch eine Drogeristin ist Teil des Personals. Dadurch kommen Kundinnen und Kunden in den Genuss fachkundigen Wissens über das heilende Potential von Kräutern. Efeublätter können bei Husten helfen, Beerentraubenblätter hingegen wirken lindernd bei Beschwerden mit den Nieren. Oftmals komme Kundschaft auch mit Rezepten, um eigene Mischungen herzustellen.

 

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Vier-Jahreszeiten-Tee aus dem Kräuterhaus St. Georg / ©Kräuterhaus St.Georg

 

Die Kräuter und Gewürze bezieht das Kräuterhaus seit 50 Jahren von Großhändlern aus der Umgebung, die die Waren sorgfältig überprüfen. Daraus entwickelte sich eine vertrauensvolle Basis. Ab und an, so Tina, kämen auch Gewürze hinzu, die selbst ihr unbekannt waren. Im Kräuterhaus finden sich daher auch Spezialitäten wie Chimchurri. Die aus Südamerika stammende Gewürzmischung wird auf Basis von Petersilie und Knoblauch als Dip zu Fleischgerichten oder zum Verfeinern von Pasta-Soßen verwendet.

Ein Schritt in Richtung Moderne

Derzeit wird die Homepage des Kräuterhauses modernisiert. „Wir wagen den Schritt in die Moderne“, erzählt Tina. Für sie sei es wichtig, das Wissen, das sie über Kräuter hat, weiterzugeben – auch an das jüngere Publikum. Denn auch das lege immer mehr Wert auf bewusste Ernährung. Für die Zukunft wünscht Tina sich, „dass wieder mehr Leben und Freude einkehrt.“ Trotz allem bleiben Tina und ihre Mitarbeiterinnen hoffnungsvoll. Auch in Pandemiezeiten heißt das Kräuterhaus seine Kundschaft willkommen.

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Karoline Gebhardt genießt die Vielfalt der Hamburger Gastroszene und die kulturellen Gefilde der Hansestadt. Wenn das alles nichts nützt spielt sie Bass und fängt mit ihrer Analogkamera die Facetten Hamburgs ein.