Tangstedt, ein Ort im Kreis Pinneberg, hat vieles zu bieten, was das nach Entschleunigung suchende Herz begehrt. Unberührte Natur, viel Ruhe – und 20 Hektar Blaubeerpflanzen. Auf diesen 20 Hektar befinden sich zwar auch ein paar Ziersträucher, Hortensien und Hibiskus, aber das Herzstück sind die Blaubeeren: in verschiedenen Sorten, mit unterschiedlich starker Süße oder Säure und zu unterschiedlichen Reifezeiten. Auf der Plantage treffen sich Familien mit kleinen Kindern, Ehepaare, die Marmelade einkochen möchten, und auch Menschen mit Rollatoren oder Rollstühlen sind auf den Feldern unterwegs. Die Blaubeerpflanzen der Plantage sind leuchtend grün und mindestens hüfthoch – daher lautet das Motto von Michael Clasen, Geschäftsführer der Heinz Clasen Blaubeerkulturen, „Pflücken ohne Bücken“.

Die Plantage öffnet Anfang Juli bis Ende August ihre Türen für pflückwilligen Besuch. Montags bis sonntags von 9 bis 18 Uhr kann der die reifen Blaubeeren pflücken bis die Eimer überlaufen – und auch ein bisschen probieren. Die 22 verschiedenen Sorten der nach Biostandard betriebenen Plantage decken alle Blaubeerwünsche ab. Manche sind besonders groß und süß, also perfekt zum Naschen, andere sind kleiner oder saurer und damit genau das Richtige für Marmeladen.
Rückblick: So kam die Blaubeerplantage nach Tangstedt
1933 gründete Heinz Clasen, der Opa von Michael Clasen seine Baumschule. Während des Zweiten Weltkriegs musste Heinz Clasen jedoch in den Krieg ziehen und verbrachte später auch einige Zeit in Gefangenschaft. „Dann war die Baumschule zwischen fünf und sechs Jahren geschlossen. Da gab es hier nichts. Opa musste nunmal in den Krieg“, erzählt Michael Clasen. Nach Kriegsende konnte Heinz Clasen zu seiner Familie und seinem Betrieb zurückkehren. „Nach seiner Heimkehr hat er Obstgehölze angebaut, weil in schlechten Zeiten der Selbsterhaltungsgedanke sehr groß war.“ So nahm der Familienbetrieb seinen Lauf: „Ende der Sechziger kam mein Vater dazu und mit ihm auch das Sträuchersortiment, also Hibiskus, Weigelie, Forsythien und so weiter.“


„Und ich bin irgendwann um das Jahr 1998 in die Firma gekommen“, erinnert sich Clasen. „Ich habe Gärtner Fachrichtung Baumschule gelernt und habe im Laufe der Zeit festgestellt, dass die Blaubeerpflanzen am besten liefen. So haben wir aufgestockt und aufgestockt und aufgestockt.“
Blaubeerüberschuss
Die Reise der meisten Blaubeerpflanzen geht weit über die heimische Plantage hinaus: „Meine Pflanzen werden in ganz Europa verkauft, hauptsächlich an Plantagenbesitzer, an Gartencenter, an Baumärkte und Online-Händler. Und in der Plantagenzeit haben wir unser Mini-Gartencenter aufgebaut und verkaufen dann auch an privat“, verrät Clasen. Ein kleiner Teil der Früchte wird vom Team selbst gepflückt und an regionale Einzelhändler verkauft. Dazu gehören einige Supermärkte und ein Bäcker, der mit den Blaubeeren Käsekuchen und Muffins backt.

Die Blaubeerbackwaren gibt es außerdem samstags und sonntags im Kuchenwagen direkt vor der Plantage, dazu einen Kaffee und Besuchende sind gestärkt für ein ertragreiches Pflückwochenende. Die Verwendungsmöglichkeiten der Blaubeeren sind vielfältig: Als die Früchte vor zwei Jahren ungewöhnlich früh reif waren, musste das Unternehmen bereits vor der Öffnung der Selbstpflückplantage große Mengen ernten. Da das Unternehmen großen Wert auf Nachhaltigkeit legt, musste eine sinnvolle Verwendung für diese Beeren gefunden werden. Diese Lösung hieß: Blaubeersaft. Es wurden über 8000 Flaschen Blaubeersaft gepresst, welche nun im Automaten vor der Plantage neben den fertigen Schalen voller Blaubeeren verkauft werden – rund um die Uhr.

Ich trinke jeden Abend ein Glas von unserem Blaubeersaft vorm Schlafengehen. Und ich bilde mir ein, dass es echt gesund ist: ich habe in den letzten acht Jahren keine Erkältung gehabt.
Michael Clasen
Der Saft ist sogar auf Partys ein Hit: Blaubeersaft mit Prosecco, Blue Curacao und etwas Limette ist das Geheimrezept von Brigitte Clasen, der Mutter von Michael Clasen. Tipp von Blaubeer-Profi: „Ganz toll ist es noch, wenn die Blaubeeren vorher leicht aufgeschnitten werden, dann können die sich richtig schön vollsaugen.“ Der Saft aus der ersten Pressung vor zwei Jahren neigt sich langsam dem Ende. Aber: Clasen plant einen Blaubeerlikör in kleinen Flaschen namens Kleiner Berti, stilecht mit Abziehbild vom Maskottchen Blauberti. Denn so schnell werden die Blaubeeren in Tangstedt wohl nicht ausgehen.
