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Moritz Tim Ebert: Moderne Antworten auf alte Gastro-Fragen

Hanseatic POS und restablo.de – das sind nur zwei der vielen Projekte, mit denen Moritz Tim Ebert die digitale Infrastruktur der Gastrowelt bereichert. Im Interview erzählt er von seinem Werdegang und was er sich für die Zukunft der Branche wünscht

11. März 2026

Moritz Tim Ebert ist der Gründer von Hanseatic POS und CEO von restablo.de / ©Moritz Tim Ebert
Moritz Tim Ebert ist der Gründer von Hanseatic POS und CEO von restablo.de / ©Moritz Tim Ebert

Zwei Jahre nach dem Abitur gründete Moritz Tim Ebert mit ehemaligen Schulfreunden einen Lieferservice. Was als kleines Projekt begann, entwickelte sich zur Grundlage weiterer Unternehmensgründungen. Heute führt der 32-Jährige mehrere Unternehmen, die digitale Lösungen für die Gastronomie bieten – darunter die Bestellplattform restablo.de und der Kassendienstleister Hanseatic POS. 

Moritz Tim Ebert, Sie haben nach ihrem Abitur 2012 eine Ausbildung in Logistik gemacht und parallel dazu BWL studiert. Was hat Sie persönlich dazu motiviert in die Gastronomiebranche zu gehen?

Moritz Tim Ebert: Ich habe neben dem Abi in der Systemgastronomie gearbeitet und dort meine Leidenschaft zur Prozessoptimierung in dem Bereich gefunden. Meine Chefin hat mir die Möglichkeit gegeben, die operativen Prozesse mitzugestalten und daraus resultierte mein weiterer Werdegang im Gastrotechumfeld.

Mein Großvater diente mir als unternehmerisches Vorbild: Sehr früh gewann ich in seinen Papierverarbeitungsfirmen in Eppendorf und Husum Einblicke in die administrativen Tätigkeiten eines Unternehmers. So war es von klein auf mein Traum, eines Tages auch eine Firma zu gründen.

Wie sind sie auf die verschiedenen Herausforderungen in der Branche aufmerksam geworden und warum war es Ihnen wichtig, diese anzugehen?

Zum ersten Mal 2014, als ich gemerkt habe, dass die Logistikprozesse extrem ineffizient sind. Ich habe mit Schulfreunden in einem Radius von drei Kilometern bei verschiedenen Lieferdiensten gearbeitet. Während einige von uns zu Stoßzeiten Unterstützung gebraucht hätten, langweiligten sich andere mit Leerzeiten. So bin ich tiefer ins Thema Prozesse integriert worden. 

Wann gründeten Sie Ihr erstes Unternehmen und wie kam es dazu?

2014 habe ich parallel zu meiner Ausbildung mit den Schulfreunden ein Start-up gegründet: Als neutraler Dienstleister stellten wir Fahrer auf Touren-Basis ein, um zwischen Gaststätten und Endkunden zu vermitteln. Damals kommunizierten wir noch über Walkie-Talkies. Joey’s hat uns dann in die Zentrale eingeladen und in die Lieferkette aufgenommen – auch mit Lieferheld hatten wir eine Vereinbarung.

Nun mussten wir effizienter werden: Aus Walkie-Talkies wurde eine Dispatcher-App, die wir dank eines Kredits meines Vaters finanzieren konnten. Damals waren solche Apps in Deutschland nicht verbreitet, wir waren mitunter die ersten. So expandierten wir nach und nach in andere deutsche Städte und hatten unsere ersten Schnittstellen mit Kassensystemen. Bald darauf habe ich mich nach neuen Herausforderungen umgeschaut.

Und danach haben Sie Comfi Pay gegründet?

Lieferheld wurde über Nacht von Lieferando aufgekauft und unser Deal war geplatzt. Das war der Grund, warum ich Neues gesucht und 2016 eine Ghost Kitchen gegründet habe. Die Idee war, mit einer Brand eine Plattform aufzubauen, die sich ausschließlich mit Provisionen über Wasser hält. Das ist heute sehr gängig –  damals war es noch eine Neuheit. Zwei Jahre später ist daraus die Comfi Pay entstanden, die heute als Tochterfirma Zahlungslösungen anbietet – entweder über eigen entwickelte Tools als auch als Lösungsanbieter mit vielen Kooperationspartnern in der Branche.

Sie haben nach weiteren Firmen im Jahr 2020 schließlich Hanseatic POS gegründet – in einer schwierigen Zeit für Gastronomen. Was hat Sie bewegt, diesen Schritt zu gehen?

Durch die Ghost Kitchen Brands habe ich viele Kassenhersteller kennengelernt und so bin ich in den Bereich gekommen. Mit Hanseatic POS haben wir uns als Ziel gesetzt, mit verschiedenen Kassensystemen jeden Prozess in der Gastronomie digital darzustellen und zu optimieren. Die Firmen habe ich dann vor etwa fünf Jahren unter einer Holding gebündelt. Ich wusste nämlich, dass ich auch in Zukunft weiterhin in diesem Bereich gründen werde.

Wieso haben Sie sich im Jahr 2023 dazu entschieden, auch noch die Verantwortung für restablo.de zu übernehmen?

Ich hatte eine einmalige Chance, mich aufgrund von Unstimmigkeiten im Gesellschafterkreis an der Firma zu beteiligen und meine Erfahrung aktiv einzubringen. So versuchen wir gerade mit Brandbuilding die Marke bekannter zu machen und mit einem Loyalty-System die Kunden an uns zu binden. Ich möchte mit dem fairen Ansatz von restablo.de einen Beitrag dazu leisten, Gastronomen zu unterstützen und die Existenz zu bewahren: Nicht nur spart sich der Gastronom bei uns zwei Drittel der Provision, diese Einsparung reflektiert sich im Endeffekt auch auf den Kunden. 

Viele touristisch geprägte Länder sind Deutschland in der Payment-Branche und Lieferbranche voraus. Kann man in Deutschland von deren Lösungen lernen?

Auf jeden Fall! Vor allem die Schnelligkeit, in der Transaktionen auf sämtlichen Geräten, kinderleicht durchgeführt werden können, beeindruckt mich immer wieder. Die skandinavischen Länder, in denen ich dieses Jahr wieder unterwegs bin und auch in den USA finden wir ganz andere Rahmenbedingungen vor. Leider hängen wir mit der deutschen Regulatorik immer hinterher. 

In Deutschland haben wir höhere Transaktionsgebühren und man braucht zertifizierte Kartenterminals – in anderen Ländern reicht teilweise die Bezahlung über NFC-fähige Geräte aus. In der Gastronomie zum Beispiel ändert sich das mit der jüngeren Generation und Kartenzahlungen werden bei Neueröffnungen zum Standard. Wir haben eine niedrige Hürde, sind regional gut aufgestellt und nah am Kunden. Wir versuchen mit Statistiken und auch guten Best-Practice-Beispielen, diese dazu zu motivieren. 

Welche Herausforderungen möchten Sie in Zukunft angehen und welche Erwartungen haben Sie an die Gastro-Branche

In der Gastronomie ist eine Spezialisierung auf einzelne Küchen wichtig und auch die zunehmende durchdachte Digitalisierung wichtig für den Fortbestand einzelner Gastronomen. Dabei wollen wir unterstützen. Ich erwarte eine Konsolidierung und auch eine Entwicklung zu kleinen und mittelgroßen Ketten, um überleben zu können.

AZ