Seit 2012 ist Ellis Küche weit mehr als nur ein Kochstudio. Längst hatte sie sich in den vergangenen 14 Jahren zu einem Treffpunkt für Kreative und Genussmenschen entwickelt. Hier wurden Fotos für Kochbücher und Magazine geshootet, Produkte präsentiert, Filme gedreht und Küchenpartys gefeiert. Gleichzeitig entstanden hier die Inhalte für ihren erfolgreichen Instagram-Kanal „elliKOCHT“. Nun macht Gründerin Elli Neubert Schluss mit ihrem Herzensprojekt. Auf Instagram verkündete die 46-Jährige die Entscheidung emotional. Während sie auf die vergangenen Jahre zurückblickt, kämpft sie sichtbar mit den Tränen. Schließlich steckt in den 120 Quadratmetern Loftküche nicht nur viel Arbeit, sondern auch ein großer Teil ihres beruflichen Lebens.
Die Idee für das Studio entstand kurz nach ihrem Ausstieg aus der Werbebranche. „Ich bin vor 16 Jahren in die Selbstständigkeit gegangen und habe dann direkt gemerkt: Die Studios sind ständig ausgebucht. Also dachte ich: Ich mache einfach mein eigenes“, erinnert sich Neubert. In den folgenden Jahren entwickelte sich ellisKÜCHE – zunächst in einem Eimsbütteler Hinterhof, später am Osterbekkanal in Barmbek – zu einer festen Größe für Foodproduktionen, Workshops und Events. „Das lief viele Jahre auf vielen verschiedenen Ebenen super, hat Spaß gemacht und mich ausgefüllt.“
Mit dem Umzug von Winterhude nach Barmbek vor einigen Jahren habe sie noch einmal alles auf eine Karte gesetzt. Rückblickend sagt sie: „Das war noch mal so ein Aufbäumen.“ Heute betrachtet sie die Entscheidung nüchterner. „Hätte ich es damals mehr mit dem Kopf und weniger mit dem Bauch bewertet, hätte ich vielleicht schon gesagt: Komm, wir lassen das.“ Denn die Branche verändert sich schnell. „Viele Fotograf:innen haben inzwischen ihre eigenen Studios, Werbung macht KI, die großen Produktionen werden weniger und auch Content Creator produzieren vieles zu Hause“, sagt Neubert. Das Geschäftsmodell habe sich dadurch spürbar verändert.

Mit dem Abschied verbindet die Hamburgerin vor allem Dankbarkeit. „Ich sage Danke für all die Menschen, die ich kennenlernen durfte, und auch dafür, dass ich mich selbst dadurch besser kennenlernen konnte“, sagt sie. Gleichzeitig sei der Wunsch gewachsen, nur noch ein Ding zu machen: „Ich dachte, ich brauche jetzt 28 Standbeine. Doch eigentlich ist es genau das Gegenteil. Ich will mich fokussieren.“
Ich möchte einfach wieder ohne so schweres Gepäck unterwegs sein
Elli Neubert
Die Entscheidung kommt in einer ohnehin bewegten Zeit. Ende Mai hatte Neubert einen schweren Scooter-Unfall. Dabei zog sie sich einen doppelten Kieferbruch zu. Trotz der gesundheitlichen Belastung blickt sie nach vorn. Denn ganz aus der Genusswelt verabschiedet sich die Hamburgerin keineswegs. Im Gegenteil: Künftig möchte sie sich stärker auf Content-Produktion und Moderationen konzentrieren. Als Moderatorin steht sie regelmäßig auf Bühnen, führt durch kulinarische Veranstaltungen und moderierte zuletzt unter anderem die Genuss-Guide-Masterclass. Zudem ist sie seit vielen Jahren Jurorin für den Genuss-Guide und Mitglied der Jury des Deutschen Kochbuchpreises. Auch aus dem Fernsehen ist sie bekannt: Acht Jahre lang stand sie in der NDR-Sendung „Mein Nachmittag“ live am Herd.
„Ich möchte einfach wieder ohne so schweres Gepäck unterwegs sein“, sagt Neubert. Dahinter steckt auch der Wunsch nach mehr Flexibilität. „Ich habe Lust, zu arbeiten und den Input direkt zu spüren. Nicht immer erst alles für die Küche organisieren zu müssen, bevor irgendwann etwas bei mir ankommt.“ Künftig wolle sie freier entscheiden können, wann sie arbeite und wann Zeit für die Familie sei. Für die Zukunft von ellisKÜCHE sucht sie nun einen Nachmieter. Die 120 Quadratmeter große Loftküche am Osterbekkanal steht spätestens ab Ende September zur Verfügung, gern auch früher. „Ich möchte jetzt weiterziehen, flexibler sein, und darum braucht ellisKÜCHE einen neuen Boss“, sagt Neubert. Ihre Hoffnung: Dass die besondere Location am Osterbekkanal auch künftig ein Ort für kreative Ideen, kulinarische Projekte und neue Geschichten bleibt.