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Der Blick über die abendliche Außenalster ist atemberaubend an diesem Abend. Der weite, wolkenzerfetzte Himmel will sich noch nicht entscheiden zwischen Königsblau und Sturmgrau, Segelschiffe und Jollen liegen hart im Wind und flitzen durchs Wasser, die Villen und Gebäude rings um die grünen Ufer leuchten gülden in der Abendsonne. Eine Weitsicht von so großer Schönheit, dass selbst wir gestandenen Hamburger Jungs ungewohnt schweigsam aus den Panoramafenstern des Restaurant Heritage im Le Méridien Hotel blicken und ein erstes Glas vom gut gekühlten Grünen Veltliner Federspiel vom Weingut Jamek-Joching (0,75 l 59 Euro) genießen. Das Restaurant findet sich, wo einst die Bar des Hotels zu finden war, und selbst aus der zweiten Reihe auf der Empore gibt es gute Sicht auf Hamburg. Zudem gibt es dort mit Vorhängen abgetrennte Separees. Auch der Küchenchef ist neu: Seit vergangenem Sommer leitet der erfahrene Koch Patrick Weber die Geschicke. Zum Auftakt des Fünf-Gänge-Menüs (109 Euro) gibt es einen handwerklich tadellosen Thunfisch-Tatar mit Avocado und Algen – gut, das hat man so schon mal gegessen. Die Spur in Webers Küche führt dann aber deutlich über Asien – mit der Jakobsmuschel im Ceviche-Style-Sud, mit Zitronenverbene und Limette serviert. Knackiger Tobikko-Kaviar und Tapioka-Perlen sorgen für Konsistenz. Mir einen Hauch zu süß, dafür begeistert mich der Zwischengang: eine vegane Foie Gras! Köstlich cremig und umami auf frischen Shiso-Blättern serviert, mit Babymais, Schalotten und gerösteten Cashews zum Aufwickeln und Dippen in den begleitenden Yuzu-Sud. Toll! Das Steinpilz-Risotto erdet dann wieder und entwickelt seinen Reiz vor allem über die knapp geschmorten Kirschen, die eine spannende Süße und Säure in das ansonsten eher klassische Risotto bringen. Das Zweierlei vom Rind ist eine sehr „männliche“ Angelegenheit mit einer Scheibe gebratenem Tatar im kräftigen Dashi-Sud, getoppt mit einer knusprig ausgebackenen Praline aus Schmorfleisch. Ein mehrheitsfähiger Crowd-Pleaser dagegen das Sauerkirsch-Parfait mit zart mürbem Florentiner-Segel. Ich freue mich sehr über den Käsewagen – der ist selten geworden und hier macht er richtig Spaß, weil die gereiften und veredelten Käse von Maître Affineur Waltmann echte Geschmacksentdeckungen bieten. Das Menü überzeugt mit einem angemessenen Preis-Leistungs-Verhältnis – und der freundliche Service weist uns dann noch den Weg in die umgezogene Rooftop-Bar, in der uns das versierte Bar-Team auf Zuruf noch zwei frische Drink-Klassiker mixt. Und draußen: die Lichter von Hamburg bei Nacht, hach!



