Gut zu wissen

Diese Online-Hofläden bieten volle Transparenz

Während der Corona-Krise sind Online-Hofläden und Marktplätze gefragter denn je. Kontaktlos einkaufen und trotzdem nah am Erzeuger bleiben das ist in Hamburg unter anderem mit Frischepost, Marktschwärmer, EinStückLand oder Hofly möglich. Eine Übersicht zu den Funktionen und Möglichkeiten der jeweiligen Plattformen.

Woher unsere Lebensmittel kommen und unter welchen Bedingungen sie angebaut werden, das wird den Konsumenten immer wichtiger. Nachhaltigkeit und bewusste Ernährung spielen eine immer größere Rolle, lange Lieferwege werden kritisch hinterfragt und die Wertschätzung an der Arbeit und den Produkten kleinbäuerlicher Betriebe wächst. Die Pandemie scheint eine weitere Triebfeder dieser Entwicklung zu sein, denn das Angebot an Direktvermarktungsplattformen wächst. Diese vier digitalen Hofläden werden in Hamburg besonders gerne genutzt.

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Online-Hofladen

Frischepost

Fair produzierte Lebensmittel und bewusster Konsum stehen bei den beiden Frischepost-Gründerinnen Juliane Willing und Eva Neugebauer ganz oben auf der Agenda. Alle auf der Website angebotenen Produkte sind regional und saisonal, die Lieferwege werden so kurz wie möglich gehalten und die Verpackungen können dank eines Pfandsystems einige Male wiederverwendet werden.

Die Bedingung an die kooperierenden Erzeuger: die Vermeidung von Pestiziden und eine artgerechte Tierhaltung. Jeder Produzent wird in Texten und Bildern auf frischepost.de vorgestellt und dem Kunden so die Möglichkeit geboten, sich bei Interesse näher mit dem jeweiligen Betrieb zu beschäftigen.

Der Online-Hofladen hat während der Pandemie einen regelrechten Boom erlebt, so dass die Liefergebiete auf vier weitere Städte ausgeweitet wurden: Berlin, München, Köln und Rhein-Main. Geliefert wird übrigens in klimafreundlichen Elektroautos.

So funktiert's: Der Kunde bestellt online Lebensmittelkisten (auch als Abo), die Produktion beziehungsweise Ernte wird veranlasst und anschließend per Mehrwegbox nach Hause oder an einen anderen Ablageort (etwa ein Kiekmo-Schließfach) geliefert.

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Online-Marktplatz

Marktschwärmer

Das Konzept von Marktschwärmer setzt auf eine Direktvermarktung von Lebensmitteln aus der näheren Umgebung. Ziel ist die faire Bezahlung der Erzeuger auf der einen und der direkte Kontakt zum Produzenten auf der anderen Seite. Auf der Website beziehungsweise in der entsprechenden App findet man unter anderem Produkte, die in normalen Supermärkten nicht angeboten werden. Etwa Müsli, Nussmischungen oder eingelegtes Gemüse aus kleinen Manufakturen.

Markschwärmer verspricht: Jeder Einkauf legt durchschnittlich nur 40 Kilometer Transportweg zurück. Die Erzeuger legen zudem selbst die Preise fest. Beim Kauf von Produkten erfährt der Kunde ganz genau, wie hoch der Betrag ist, der direkt an den Erzeuger geht und welcher Restbetrag für die Gastgeber und das Marktschwärmer-Team bleibt.

So funktioniert's: Kunden werden Mitglied einer sogenannten Marktschwärmerei, bestellen online die gewünschten Produkte und holen diese an einem festgelegten Tag in der Nachbarschaft ab. Die Erzeuger werden über die angefragten Produkte informiert, planen entsprechend vor und bringen diese selbst zum Abholort. So hat man die Möglichkeit, in den Austausch zu treten und mehr über die Herstellung und Herkunft der Lebensmittel zu erfahren.

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Online-Hofladen

EinStückLand

Der Online-Hofladen EinStückLand verkauft hochwertiges Fleisch von Galloway-Rindern. Die Tiere werden erst geschlachtet, wenn sie komplett vermarktet sind. Verkauft wird primär online, daneben führen die beiden Gründer Lina Kypke und Hinrich Carstensen auch einen stationären Hofladen in Kayhude. Im selben Gebäude betreiben sie ebenfalls ein Restaurant: das Esszimmer, eine Mischung aus ländlichem Gasthof und feiner Restaurantküche.

Dass Online-Geschäft und stationärer Handel positive Synergieeffekte erzeugen können, beweist die Eröffnung eines zweiten Standorts im März 2021 in Hamburg-Uhlenhorst. Aus großen Tiefkühltruhen kann man sich an diversen Teilstücken vom Rind, Schwein, Geflügel, Salami, Leberwurst, Griebenschmalz und Rinderfond bedienen.

So funktioniert's: Das Wunschpaket kann online selbst zusammengestellt werden. Das bedeutet, dass man freie Auswahl an allen Teilstücken aus dem Hofladen hat. Bestellbedingung ist ein Gesamtgewicht von 3,5 Kilogramm pro Paket. Wer möchte, kann auch direkt bei einem Landwirt seiner Wahl bestellen. Dafür klickt man den entsprechenden Reiter auf der Website an.

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Online-Hofladen

Hofly

Lebensmittel direkt vom Hof bequem per App bestellen, das ist das Motto von Hofly, einem Start-up aus Hamburg. In der App hat man die Möglichkeit, Höfe in der Nähe zu entdecken, mit wenigen Klicks eine Auswahl an Produkten zu treffen und direkt bei den Landwirten zu zahlen. Die Idee: Hundertprozentige Transparenz und eine nachhaltige Bewirtschaftung, da auf Nachfrage produziert wird. 25 Prozent des Umsatzes vom Landwirt gehen an Hofly. Damit soll die App weiterentwickelt und die reibungslose logistische Abwicklung garantiert werden.

Auf der Website von Hofly findet man nähere Informationen zu den Höfen, Zertifizierungen und speziellen Ansprüchen der Landwirte (etwa Gartenbaumethoden, Elternzeit bei den Tieren, etc.). Darüber hinaus wird jedes Teammitglied mit Foto und einem kleinen Text vorgestellt.

So funktioniert's: Nach der Installation der App begibt man sich auf die Suche nach Höfen in der näheren Umgebung und wählt aus den angebotenen Produkten der Saison. Geliefert wird einmal wöchentlich in recycelbaren Verpackungen.

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Text: Jasmin Shamsi trägt Berlin auf der Zunge und Hamburg im Herzen. Als Food- und Kulturjournalistin spürt sie Geschichten aus der bunten Gastrowelt auf oder testet sich durch die kulinarische Vielfalt dieser Stadt.