Kochen mit Geflüchteten – der Verein "Über den Tellerrand Hamburg"

Der Verein „Über den Tellerrand“ kocht gemeinsam mit Geflüchteten und schafft dadurch Begegnungen, aus denen Freundschaften entstehen können. Über das Glück kollektiver Kulinarik.

Gemeinsames Kochen ist ungezwungen, schärft die Sinne und kommt im Zweifel ohne Worte aus. Kochen ist Wissen, ist Kultur. Durch die Küche und durch das Essen kann man Menschen auf Augenhöhe begegnen, die ihre Heimat verlassen mussten und sich in Deutschland ein Zuhause aufbauen. Der Verein “Über den Tellerrand Hamburg“ hat sich genau das zum Ziel gesetzt. Was mit einem von Berliner Studierenden initiierten Kochbuch begann, entwickelte sich zu einem bundesweiten Netzwerk. Mit den gemeinsamen Kochabenden als Zugpferd. Bei „Über den Tellerrand“ werden Räume geschaffen, in denen sich Menschen verschiedener Kulturen begegnen. Mittlerweile gibt es das Projekt in über 35 Städten und natürlich auch in Hamburg.

In normalen Zeiten trifft sich der Verein regelmäßig zum gemeinsamen Kochen an ständig wechselnden Orten. So gab es bereits gemeinsame Abende in den Wilhelmsburger Zinnwerken, einem Co-Working-Space, in Unterkünften für Geflüchtete, Schulküchen oder dem Goldbekhaus. Durch die Corona-Pandemie pausieren diese Abende derzeit. Doch „Über den Tellerrand Hamburg“ blickt trotzdem in die Zukunft. Derzeit planen sie Online-Kochkurse sowie Aktivitäten unter freiem Himmel mit ihrer kürzlich fertiggestellten mobilen Küche „Bolle“.

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Die Vielfalt der Gerichte ist groß. ©Mandy Müller

Kulinarischer Austausch

Ein Kochabend von „Über den Tellerrand Hamburg“ wird im Voraus geplant. Via E-Mail, Homepage und Social Media wird auf kommende Abende aufmerksam gemacht. In der Regel kommen 20 bis 30 Menschen zum Kochen zusammen, jeder ist eingeladen. Vorab werden die Gerichte von den ehrenamtlich Tätigen ausgewählt und die Einkäufe erledigt. Natürlich nehmen sie dabei Rücksicht auf bestimmte Ernährungsweisen. „Es hat sich ergeben, dass meistens Menschen mit Fluchterfahrung Gerichte aus ihren Heimatländern kochen“, erzählt Lena, die in Teilzeit als Ehrenamtskoordinatorin für den Verein arbeitet. Dadurch finden Begegnungen auf Augenhöhe statt und der kulturelle Austausch bekommt eine präsente Rolle. „Wir gehen häufig am Steindamm einkaufen. Dort gibt es hin und wieder Lebensmittel und Gewürze, die ich bis dahin nicht kannte“, schwärmt Lena. Und sie fügt lachend hinzu: „Ich glaube es gibt kein Event, an dem das Essen nicht lecker war.“

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Über den Tellerrand schafft Begegnungen. ©Mandy Müller

Begegnungsmomente schaffen

Die Idee hinter „Über den Tellerrand“ verfolgt den Aufbau eines Netzwerkes, das den Austausch zwischen Menschen fördert und durch das Freundschaften geschlossen werden können. „Es soll nicht zwangsläufig bei einmaligen Begegnungen bleiben“, so Lena. Gemeinsames Kochen fördere den Austausch, sagt sie. Dabei ließen sich auch Sprachbarrieren unkompliziert überwinden. Darüber hinaus bietet der Verein weitere Unternehmungen an: Sie organisieren Picknicke, Tanzkurse für Bauchtanz und den arabischen Volkstanz Dabke oder Spaziergänge.

„Über den Tellerrand Hamburg“ zeigt, wie einfach es sein kann, neue Geschmäcker auszuprobieren, Menschen kennenzulernen, die einem ansonsten nicht begegnet wären – einfach mal über den Tellerrand zu gucken. Das schätzt auch Lena an ihrer Arbeit am meisten. Besonders seien die Momente, so Lena, in denen sie merkt, dass Menschen ankommen und sich nicht mehr als Gast fühlen. In diesem Sinne freut sie sich über weitere Interessierte, die Lust darauf haben, neue Perspektiven zu gewinnen.

Lust auf Begegnungsmomente? Die nächsten Termine zu allen Veranstaltungen in Hamburg findet ihr hier.

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Text: Karoline Gebhardt genießt die Vielfalt der Hamburger Gastroszene und die kulturellen Gefilde der Hansestadt. Wenn das alles nichts nützt spielt sie Bass und fängt mit ihrer Analogkamera die Facetten Hamburgs ein.