Als LAP Coffee mit Dumpingpreisen und To-go-Konzept in die Hansestadt kam, war die Diskussion groß – vor allem die Sorge, dass solche Billigketten kleine, unabhängige Cafés verdrängen könnten, stand schnell im Raum. Mit dem Markteintritt der chinesischen Kaffee-Kette Cotti Coffee in Hamburg wird diese Debatte nun neu entfacht: Nach der ersten Filiale an der Grindelallee folgte kurz darauf ein zweiter Standort in der Langen Reihe, weitere könnten schon bald hinzukommen. Während einige die günstigen Angebote und wechselnde Trendgetränke wie Mango Kokos Latte, Grapefruit Americano oder Matcha Frappé begrüßen, kritisieren andere vor allem das stark digitalisierte Konzept und die fehlende Transparenz.
Kaffee zum Schnäppchenpreis gegen Daten
Das Konzept setzt – ähnlich wie bei LAP Coffee – konsequent auf Effizienz und weniger auf Atmosphäre: Kaffee aus dem Vollautomaten, Bestellung per App, kleine, funktionale Läden mit Fokus auf To-go und Durchlauf mit wenigen Sitzmöglichkeiten. Ein Espresso kostet im Angebot teils nur 99 Cent, zusätzliche Rabatte gibt es in der App, bei Neuregistrierung mit eigener Handynummer die ersten drei Getränke für 1,99 Euro – Schnäppchenpreise im Austausch gegen persönliche Daten. Gegründet wurde Cotti Coffee 2022 in Peking – und ist seitdem rasant gewachsen. Nach eigenen Angaben betreibt das Unternehmen inzwischen mehr als 18.000 Filialen in 28 Ländern und spielt damit bereits in der Liga von Starbucks und Co. Ziel sei es „zum weltweit führenden Anbieter von Lösungen für die Kaffee-Lieferkette“ zu werden, heißt es auf der Unternehmenswebseite. Viel mehr Informationen gibt das Unternehmen jedoch nicht preis: Angaben zu Herkunft, Qualität und Produktionsbedingungen des Kaffees bleiben vage.
Hinter dem Unternehmen stehen mit den Gründern Lu Zhengyao und Qian Zhiya zwei bekannte Namen der Branche. Beide waren in Führungspositionen beim chinesischen Marktführer Luckin Coffee, ein Unternehmen, das Medienberichten zufolge nach einem Höhenflug durch einen milliardenschweren Betrugsskandal fast zu Fall ging. Laut dem Wall Street Journal wurden Umsätze und Geschäftszahlen manipuliert, sogar fiktive Mitarbeiter beschäftigt – die heutigen Cotti-Chefs sollen zu den Drahtziehern gehört haben. Nach ihrem Ausstieg starteten sie mit Cotti Coffee ein neues, ähnlich angelegtes Konzept, dass in China schnell auf Anklang fand.
Seit Januar versucht Cotti Coffee mit Standorten in Köln, Düsseldorf, Berlin und Hamburg auch den deutschen Markt zu erobern. Ob sich die Kette langfristig etablieren wird, bleibt abzuwarten. Bei unserem Besuch an der Langen Reihe ist vom Hype nichts zu spüren – ein paar wenige Gäste kommen, um schnell wieder zu gehen. Doch auch wenn das Ambiente nicht zum längeren Bleiben einlädt, schmeckt uns der gehypte Grapefruit Americano überraschend gut – auch ohne Extra-Rabatt per App.
