2 Minuten Lesedauer / News

Trauerfall

Sylter Kochlegende Jörg Müller ist tot

Der Spitzenkoch und Gastronom Jörg Müller ist am Montag im Alter von 79 Jahren verstorben. Mit seinem Restaurant in Westerland prägte der ehemalige Sternekoch über Jahrzehnte die kulinarische Landschaft Sylts und darüber hinaus

11. August 2026 von Alina Fedorova

Jörg Müller ist am Montag im Alter von 79 verstorben. 40 Jahre lang prägte er die deutsche Gastronomie, hier mit Gründungsmitglied Heta Behmer des Schleswig-Holstein Gourmet Festivals/ ©Waldschlösschen/ SHGF
Jörg Müller ist am Montag im Alter von 79 verstorben. 40 Jahre lang prägte er die deutsche Gastronomie, hier mit Gründungsmitglied Heta Behmer des Schleswig-Holstein Gourmet Festivals/ ©Waldschlösschen/ SHGF

Mit seiner klassischen Küche erhob er Sylt Anfang der 1980er zur Gourmetinsel, sein gastronomisches Schaffen reichte aber auch weit über die Insel hinaus. Am Montag erschütterte eine traurige Nachricht über den Ausnahmekoch, der als Mitbegründer der „Neuen Deutschen Küche“ gilt, die gesamte Gastronomielandschaft: Jörg Müller ist im Alter von 79 Jahren verstorben. Wie der Feinschmecker zuerst berichtete, „verliert die deutsche Gastronomie einen ihrer großen Köche, einen Gastgeber mit Herz und eine prägende Persönlichkeit der klassischen Kochkunst.“ Auch Gastronomiekritiker und -journalist Jürgen Dollase würdigte in einem selbst veröffentlichten Nachruf den verstorbenen Gourmetkoch: „Ich bedauere es ganz außerordentlich, diesen markanten Freund, großen Meister der klassischen und klassisch-fundierten Küche nie mehr treffen zu können und von seiner gradlinigen Weisheit zu lernen.“ Wie es für sein seit 1988 bestehendes Hotel samt Fine-Dining-Restaurant Jörg Müller weiter geht, bleibt zunächst offen.

Bis zuletzt Gastgeber, Kochikone und Freund

Der gebürtige Freiburger stammte aus einer Gastronomenfamilie und machte bereits als Küchenchef der Schweizer Stuben in Wertheim mit zwei Michelin-Sternen auf sich aufmerksam. Später verteidigte er die Auszeichnungen im Restaurant Nösse in Morsum. 1988 eröffnete er schließlich in Westerland sein eigenes nach ihm genannten Hotel und Restaurant, das ebenfalls mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde. Mehr als 25 Jahre hielt er die Auszeichnung, bevor er sich bewusst vom Michelin-Guide und somit weiterer Bewertungen distanzierte. Seiner Küche tat dies keinen Abbruch: Klassiker wie der getrüffelte Gänseleber-Gugelhupf, Pot-au-feu vom Hummer oder gratinierte Seezungenfilets standen weiterhin für eine klassische Spitzenküche, die französische Tradition mit regionalen und saisonalen Produkten verband.

Bis zuletzt sei Müller ein leidenschaftlicher Gastgeber und Gastronom gewesen, der auch weiterhin außerhalb seines Lokals Spuren hinterließ. Wie Dollase in seinem persönlichen Nachruf schildert, habe der langjährige Koch bereits seit Längerem mit schwerer Krankheit zu kämpfen, im vergangenen Jahr aber noch an einer Dokumentation des Deutschen Archivs der Kulinarik in Dresden teilgenommen. Bei einem Pressetermin samt Gala im Bülow-Palais gab er ein Interview, das mit Standing Ovations endete, und kochte am Abend für die Gala eigenhändig seine Wachtelcrepinette. „Er war eben Vollblutgastgeber, der auch – von seiner Krankheit schon schwer gezeichnet – so lange wie eben möglich immer noch am Abend seine Runde im Restaurant machte: respektiert, bewundert, eine Ikone der deutschen Gastronomie und Kochkunst“, schreibt er und beendet sein persönliches Schreiben mit einem letzten Gruß: „Lieber Jörg Müller, Du wirst uns sehr fehlen und als großartiger Kochkünstler und Gastronom immer ein Vorbild sein. Bring den Engeln bei, wie man mit dem Saft von eingelegten Trüffeln umgeht.“

Avatar-Foto

Ob Phở Bo oder Ramen: Asiatische Nudelsuppen könnte Alina Fedorova zu jeder Jahres- und Tageszeit schlürfen. Lange Zeit in der Gastro tätig, hat sie Tablett gegen Tastatur getauscht und schreibt jetzt über Hamburgs Gastro-Szene. Oft steht sie selbst hinterm Herd und kocht Rezepte aus aller Welt.