Dustin Le ist 36 Jahre alt und stammt gebürtig aus Bremen. Dort absolvierte er im Best Western Hotel zur Post seine Ausbildung zum Hotelfachmann. Danach führten ihn seine beruflichen Stationen unter anderem auf die MS Europa 2, ins Al Salam nach Köln und ins The Gibson nach London. 2017 war er Mitgründer des Nakama in Hamburg. Seit der Eröffnung im Jahr 2022 ist er Inhaber der Ba Nomu in Hamburg.
Eine Bar entsteht nicht durch eine Person allein. Zu sehen, wie Menschen gemeinsam wachsen, Verantwortung übernehmen und stolz auf das sind, was wir erschaffen, bedeutet mir wahrscheinlich am meisten
Dustin Le
Dustin Le, warum bist du in der Gastronomie gelandet?
Weil ich Menschen schon immer gern glücklich gemacht habe. In der Gastronomie kann man mit etwas so Alltäglichem wie Essen und Trinken Erinnerungen schaffen. Mich hat fasziniert, wie viel Emotion in einem einzigen Abend stecken kann – und genau das wollte ich irgendwann selbst gestalten.
Warum ist die Gastronomie für dich die passende Branche?
Weil kein Tag dem anderen gleicht. Man arbeitet mit Menschen, Kreativität, Handwerk und Emotionen gleichzeitig. Genau diese Mischung macht den Beruf für mich so besonders. Es ist manchmal anstrengend, aber wenn am Ende des Abends Gäste mit einem Lächeln nach Hause gehen, weiß man, warum man das alles macht.
Was liebst du an deinem Job am meisten?
Menschen zusammenzubringen. Natürlich liebe ich es, neue Drinks zu entwickeln, aber am Ende geht es nie nur um den Cocktail. Es geht um die Atmosphäre, die Gespräche, die Geschichten und darum, dass Gäste für ein paar Stunden ihren Alltag vergessen können.
Gab es jemanden, der dich besonders gefördert oder inspiriert hat – ein Vorbild oder Mentor?
Ja, sogar drei Menschen. Harald Heincken, mein Ausbilder im Best Western Hotel zur Post, hat mir die Grundlagen der Hotellerie und den Anspruch an sauberes Handwerk vermittelt. Mohammad Nazzal aus Köln hat mir gezeigt, was echte Gastfreundschaft bedeutet und wie wichtig es ist, Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Und Marian Beke aus dem The Gibson in London hat meine kreative Sicht auf Cocktails komplett verändert. Dort habe ich gelernt, dass ein Drink viel mehr sein kann als nur ein Rezept.
Was treibt dich an einem langen Arbeitstag an?
Mein Team. Zu sehen, wie wir gemeinsam etwas aufbauen und Gäste begeistern, gibt unglaublich viel Energie. Und natürlich die Neugier. Es gibt immer neue Produkte, neue Techniken und neue Ideen zu entdecken.
Gibt es ein Gericht, ein Getränk oder einen Geschmack, der dich an deine Kindheit erinnert?
Ganz klar: Brombeeren und Stachelbeeren. Hinter dem Haus meiner Oma standen große Brombeer- und Stachelbeersträucher, und im Sommer haben wir dort ständig gepflückt und genascht. Dieser Geschmack erinnert mich bis heute sofort an unbeschwerte Kindheitstage.
Was machst du, um nach einem intensiven Arbeitstag abzuschalten?
Am liebsten verbringe ich Zeit mit meiner Familie. Mein Sohn schafft es eigentlich immer, mich sofort auf andere Gedanken zu bringen. Das ist für mich der beste Ausgleich nach einem langen Tag in der Bar.
Worauf bist du besonders stolz, auch wenn es nicht im Lebenslauf steht?
Auf meine Familie und darauf, was wir gemeinsam mit unserem Team aufgebaut haben. Eine Bar entsteht nicht durch eine Person allein. Zu sehen, wie Menschen gemeinsam wachsen, Verantwortung übernehmen und stolz auf das sind, was wir erschaffen, bedeutet mir wahrscheinlich am meisten.
Wovon träumst du beruflich noch?
Ich glaube, jeder hat Ziele und Träume, die ihn antreiben. Bei mir ist das nicht anders. Ich möchte mich kreativ immer weiterentwickeln, neue Ideen umsetzen und mich persönlich wie beruflich nie auf dem Erreichten ausruhen. Was genau die Zukunft bringt? Da gibt es schon ein paar spannende Gedanken – aber wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, erfahrt ihr sie natürlich zuerst.

Wie würdest du den Stil deiner Bar beschreiben?
Ba Nomu ist keine klassische Cocktailbar. Wir verbinden die Aromen und die Lebendigkeit Asiens mit europäischen Techniken und präzisem Handwerk. Viele unserer Drinks entstehen aus der Idee, Gerichte oder Zutaten in flüssige Form zu übersetzen. Wir denken Cocktails wie Köche ihre Gerichte: mit Tiefe, Struktur, Balance und Neugier. Unser Ziel ist es, Gäste zu überraschen, ohne sie zu überfordern – und ihnen zu zeigen, wie spannend ein Cocktail sein kann.
Was macht einen sehr guten Drink aus?
Ein guter Drink besteht nicht nur aus den Zutaten. Es ist das Gesamtpaket. Natürlich sollte er ausgewogen sein, aber ich trinke lieber einen Drink, der vielleicht nicht zu hundert Prozent perfekt ist, dafür aber mit Leidenschaft und Herz gemacht wurde. Genau das schmeckt man am Ende.
Welche Zutat, Spirituose oder Technik fasziniert dich aktuell besonders?
Sake begleitet mich schon seit vielen Jahren und begeistert mich immer wieder aufs Neue. Die Vielfalt, die unterschiedlichen Braustile und die Möglichkeiten, ihn in Cocktails einzusetzen, machen ihn für mich unglaublich spannend. Man lernt ständig etwas Neues dazu.
Was macht einen guten Barabend aus?
Ein motiviertes Team, ehrliche Gastfreundschaft, gute Drinks und vor allem die Menschen, mit denen man diesen Moment teilt. Die schönsten Abende entstehen selten nur wegen der Cocktails – sondern wegen der Atmosphäre.
Welche Rolle spielen alkoholfreie Drinks?
Eine sehr große. Es ist völlig normal geworden, keinen Alkohol zu trinken – aus den unterschiedlichsten Gründen. Deshalb sollte ein alkoholfreier Drink niemals nur eine Alternative sein, sondern genauso viel Aufmerksamkeit und Kreativität bekommen wie jeder andere Cocktail.
Ohne Gastronomie wäre ich wahrscheinlich
Mediengestalter geworden. Für die Polizei hätten meine Augen leider nicht mitgespielt
Meine schönsten Momente im Job waren
das Bestehen meiner Ausbildung, die Eröffnung unserer eigenen Bar und ich habe meine Frau in einem der Hotels, in denen ich gearbeitet habe, vor 15 Jahren kennen gelernt. Alles waren Meilensteine, die ich nie vergessen werde
Ein perfekter Abend beginnt für mich mit
keiner Hiobsbotschaft kurz vor der Eröffnung, dass etwas kaputt ist, fehlt oder nicht geliefert wurde
Das beste Kompliment eines Gastes war
„Du hast ein unglaublich sympathisches Team. . . Ich fühle mich hier sehr wohl.“ Mehr muss man eigentlich nicht hören
In der Gastronomie wünsche ich mir mehr
Miteinander. Weniger Konkurrenzdenken und mehr Austausch. Am Ende profitieren wir alle davon, wenn wir Wissen teilen, uns gegenseitig unterstützen und gemeinsam dafür sorgen, dass unsere Branche noch besser wird
