Aurelia Faber ist Gastgeberin aus Leidenschaft und seit fünf Jahren Teil des Teams der Hygge Brasserie & Bar. Die gelernte Hotelfachfrau hat ihren Weg über Stationen in der Schweiz, auf einem Kreuzfahrtschiff und in renommierten Restaurants gefunden. Geprägt von ihrer Liebe zu Kulinarik, Wein und echter Teamarbeit steht für sie vor allem eines im Mittelpunkt: Menschen zusammenzubringen und ihnen einen besonderen Abend zu bereiten. Gastfreundschaft bedeutet für Aurelia Faber, aufmerksam zu sein, Wertschätzung zu zeigen und eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich Gäste wie zu Hause fühlen.
Die schönsten Momente entstehen, wenn ein Gast sich nicht nur gut bewirtet fühlt, sondern das Gefühl hat, einfach angekommen zu sein
Aurelia Faber
Aurelia Faber, warum bist du in der Gastronomie gelandet?
Da meine Eltern beide in der Gastronomie arbeiten und mein Cousin einen eigenen Landgasthof mit Hotel betreibt, bin ich mit der Gastronomie groß geworden. Sie gehörte für mich schon immer zum Leben dazu. Ich durfte völlig frei entscheiden, was ich lernen möchte, aber die Leidenschaft für die Gastronomie war von Anfang an da. Nach dem Abitur wollte ich arbeiten, ein Studium war für mich einfach nicht der richtige Weg.
Warum ist die Gastronomie für dich die passende Branche?
Zum einen steht für mich die Teamarbeit an oberster Stelle. In der Gastronomie ist diese Zusammenarbeit einfach etwas Besonderes. Da ich nie in einer anderen Branche gearbeitet habe, fehlt mir natürlich der direkte Vergleich, aber ich glaube, dass man in wenigen Berufen Menschen so intensiv kennenlernt, vor allem auch sich selbst. Ich bin über mich hinausgewachsen, habe meine eigenen Grenzen kennengelernt und mich gleichzeitig immer weiterentwickelt. Ich bin in einer großen Familie aufgewachsen und kenne dieses Miteinander nicht anders. Deshalb fühle ich mich in dieser Branche einfach wohl. Zum anderen spielt Kulinarik schon immer eine große Rolle für mich. Die schönsten Momente verbringt man doch mit Familie und Freunden, und was gehört dazu? Gutes Essen und Trinken. Es macht jeden Abend ein bisschen schöner und verbindet Menschen auf der ganzen Welt. Ein schöner Nebeneffekt der Branche ist, dass ich durch meine Arbeit viele langjährige Freundschaften gefunden habe, auch mit Menschen, die heute nicht mehr in meinem direkten Umfeld leben. Dadurch habe ich immer ein gutes Urlaubsziel mit tollen Restaurants.
Was liebst du an deinem Job am meisten?
Wenn richtig viel los ist, alle rennen, kaum jemand hinterherkommt und es drunter und drüber geht, aber man am Ende des Tages trotzdem gemeinsam alles geschafft hat. Die Gäste sind glücklich, die Mitarbeiter haben den Tag „überlebt“ und am nächsten Tag geht es wieder von vorne los. Genau diese intensiven Momente, die Vorbereitung, das Koordinieren zwischen Gästewünschen, die Unterstützung des Teams und die Abstimmung mit der Küche machen für mich den Reiz aus. Wenn ich am Ende des Tages sehe, was wir gemeinsam geschafft haben, ist das ein sehr gutes Gefühl. Außerdem bin ich jemand, der gerne abends arbeitet. Frühaufsteher war ich noch nie.
Gab es jemanden, der dich besonders gefördert oder inspiriert hat – ein Vorbild oder Mentor?
Mein Ausbilder während meiner Ausbildung war mein erstes Vorbild. Er war streng, aber im Nachhinein habe ich gemerkt, dass es genau das Richtige für mich war. Durch Stefan Iseli, Sommelier und mein damaliger Chef in Zürich, habe ich meine Liebe zum Wein entdeckt. Mit seiner bodenständigen, ehrlichen und sympathischen Gastgeberpersönlichkeit hat er mich sehr geprägt und motiviert, mich in der Branche weiterzuentwickeln und immer Neues zu lernen. Viel Unterstützung, diesen Weg auch wirklich zu verfolgen, habe ich von meinem damaligen Chef Bernd Bachofer in Waiblingen bekommen. Neben meiner Tätigkeit als Restaurantleitung hatte ich dort die Möglichkeit, meine Ausbildung zum Sommelier zu machen. Heute bin ich seit fünf Jahren in Hamburg und genauso lange im Hygge. Das Konzept des gesamten Unternehmens verkörpert für mich vieles von dem, was Gastronomie ausmacht. Hier arbeite ich mit vielen erfahrenen Kollegen, die mich geprägt haben und ein wichtiger Grund dafür sind, dass ich mir kaum vorstellen kann, was ich machen würde, wenn es die Gastronomie nicht gäbe.
Was treibt dich an einem langen Arbeitstag an?
An einem langen Tag, eigentlich aber an jedem Tag, steht mein Team genauso wie ich im Restaurant und jeder Einzelne gibt sein Bestes. Mein Team zu unterstützen, zu motivieren, ein Vorbild zu sein und gemeinsam den Tag zu schaffen, treibt mich am meisten an. Dabei möchte ich kein Vorbild sein, das nicht nahbar oder nicht ansprechbar ist, sondern einen respektvollen Umgang auf Augenhöhe fördern. Das funktioniert nur, wenn man es selbst vorlebt.
Gibt es ein Gericht, ein Getränk oder einen Geschmack, der dich an deine Kindheit erinnert?
Da ich in Süddeutschland eher ländlich aufgewachsen bin, sind es vor allem einfache, vertraute Dinge: frische Erdbeeren vom Feld, Apfelsaft aus dem eigenen Obst, Honig vom Nachbarn auf einem Holzofen-Bauernbrot und natürlich, neben den schwäbischen Spätzle, die Maultaschen.
Was machst du, um nach einem intensiven Arbeitstag abzuschalten?
Ich sitze gerne nach der Schicht noch mit meinen Kollegen zusammen, wir sprechen über den Tag, analysieren den Stress der vergangenen Stunden, verarbeiten ihn und können am Ende auch darüber lachen.
Worauf bist du besonders stolz, auch wenn es nicht im Lebenslauf steht?
Auf meine Familie und meine Freunde. Ohne sie hätte ich vieles von dem, was heute in meinem Lebenslauf steht, nicht erreicht.
Wovon träumst du beruflich noch?
Ich kann mir aktuell keine andere Branche vorstellen, in der ich arbeiten möchte. Wenn, dann möchte ich innerhalb der Gastronomie noch viel mehr über Kulinarik erfahren, neue Produkte und Konzepte kennenlernen und verstehen, was die Zukunft bringt. Was kann man verbessern, wo kann man sich Inspiration holen und wie kann man noch mehr Menschen von dem tollen Beruf überzeugen,
damit die Branche nicht ausstirbt.

Was bedeutet Gastgeben für dich persönlich?
Gastgeben bedeutet für mich, die Gäste vom Betreten des Restaurants bis zum Ende des Abends immer im Blick zu haben, ohne aufdringlich zu sein. Eine angenehme Atmosphäre entsteht durch viele Details, wie Musik, Lichtkonzept, Interieur und Komfort. Wichtig ist, aufmerksam zu sein und mögliche Probleme frühzeitig zu erkennen, damit der Gast sich gar nicht erst beschweren muss. Der Gast soll sich respektiert und wertgeschätzt fühlen und gerne wiederkommen.
Wie schaffst du eine Atmosphäre, in der sich Gäste wohlfühlen?
Wir versuchen als Team, unsere Gäste in unserem „Wohnzimmer“ willkommen zu heißen. Sie werden persönlich begrüßt, es entsteht direkt eine entspannte Stimmung und sie können einfach ankommen, abschalten und genießen. Dabei ist wichtig, dass das Team als Team funktioniert und nicht nur seinen Job macht. Außerdem ist ein gutes Mise en Place die halbe Miete, besonders bei vielen Stammgästen. Wenn alles vorbereitet ist und jeder weiß, was zu tun ist, entsteht ein runder Ablauf und die Gäste können glücklich nach Hause gehen.
Wie gehst du mit schwierigen Situationen im Service um?
Viele Situationen sind eine Mischung aus Erfahrung und Intuition. Manche erlebt man schon einmal und weiß dann, wie man reagieren kann. Andere sind neu und erfordern, genau hinzuschauen. Wichtig ist zu verstehen, welche Faktoren eine Rolle spielen: Ist der Gast vielleicht schon schlecht gelaunt angekommen? Sind mehrere Dinge von unserer Seite nicht optimal gelaufen? Und wie können wir die Stimmung wieder verbessern, damit der Gast am Ende doch mit einem guten Gefühl nach Hause geht?
Welchen Moment mit Gästen wirst du nie vergessen
Da gibt es einige schöne und auch skurrile Momente. Ich hatte in den vergangenen Jahren viele Gäste, bei denen man einfach spürt, wie dankbar sie für das sind, was man für sie tut. Genau das motiviert mich, weiterzumachen. Ein skurriles Beispiel war ein Gast mit einer Sonnenallergie. Als Heilmittel dagegen sollte Knoblauch helfen. Deshalb hat der Gast jeden Abend zunächst einige gedünstete Knoblauchzehen gegessen. Die Tische drum herum konnten wir danach allerdings nicht mehr besetzen.
Was sollen Gäste fühlen, wenn sie nach Hause gehen
Sie sollen rundum zufrieden sein, satt und entspannt nach Hause gehen und einfach gerne wiederkommen.
Ohne Gastronomie wäre ich wahrscheinlich
immer noch am überlegen, was ich mal machen könnte
Mein schönster Moment im Job ist
nicht zu beschreiben. Es ist die Summe aller schöner, kleiner Momente, die ich bisher erleben durfte
Ein perfekter Abend beginnt für mich mit
guter Musik
Das beste Kompliment eines Gastes war
eigentlich nichts bestimmtes. Es freut mich einfach, wenn Gäste sagen, dass sie sich wohl gefühlt haben und gerne wiederkommen werden
In der Gastronomie wünsche ich mir mehr
Verständnis Wertschätzung und Dankbarkeit für unsere Mühen, jeden Tag aufs Neue die Motivation zu haben, anderen einen schönen Abend zu bescheren. Mehr Austausch untereinander und mehr Respekt vor dem Handwerk, der Dienstleistung und der Qualität, was oft unterschätzt wird
