Hendrik Thoma von Wein am Limit

„Homeoffice macht einsam"

Master Sommelier Hendrik Thoma verkauft in seinem Online-Shop ausgesuchte Tropfen von Weingütern aus aller Welt. Wie ihn Wein am Limit vor coronabedingten Verlusten rettete und was ihn an Weinen so begeistert, berichtet er im Schnack

Hendrik Thoma ist einer von nur sechs Master Sommeliers in Deutschland. Sein Know-how gibt er auf Anfrage per Online-Chat-Beratung an seine Kunden von Wein am Limit weiter.

Herr Thoma, wie finden Sie neue Weine?
Durch das Monitoring der sozialen Netzwerke, Lesen von Fachliteratur und Büchern, Empfehlungen von anderen Produzenten und Gespräche mit Sommeliers. Wenn man so wie wir ein paar Jahrzehnte im Job ist, hat man ein umfangreiches Netzwerk aufgebaut. Was wirklich interessante Weine betrifft, ist die Lage überschaubar.

Haben Sie einen absoluten Lieblingswein?
Ich habe einen, aber das ist mein Berufsgeheimnis.

Warum der Fokus auf Wein?
Es ist das sozialste und geschmacklich facettenreichste Getränk der Welt und liefert absolute Lebensqualität. Wein macht aus einem einfachen Essen ein Festmahl.

Hat sich Ihr Alltag durch den Lockdown und Corona verändert? Wenn ja, wie?
Die Minimierung der sozialen Kontakte ist natürlich belastend, die ständige Achtsamkeit und Vorsicht genauso – und die beschlagenen Brillengäser nerven auch. Trotzdem war und ist es eine gute Erfahrung, auf andere kleine Dinge im Alltag zu achten und zu bemerken, wie wertvoll sie sind. Homeoffice macht einsam.

Hat die Pandemie das Geschäft mit dem Wein verändert?
Als Lieferant für die Gastronomie hat sich das natürlich durch einen kompletten Umsatzausfall bemerkbar gemacht. Da wir in unserem Geschäftsmodell schon immer auch einen Onlineshop hatten, konnten wir die Verluste durch diesen aber ausgleichen. Auf alle Fälle haben wir durch die Pandemie eine Menge Wertschätzung und Loyalität durch unsere Stammkunden erfahren. Da bekommt man Pipi in die Augen. Wir stehen vor großen Veränderungen in der Branche und Covid hat sich dafür als Brennglas erwiesen.

Ihr Rezept gegen den Corona-Blues?
Das lautet: Ideenreich bleiben, Ruhe bewahren, sich nicht von der allgemeinen toxischen Energie und Nörgelei runterziehen lassen. Und ab und zu mal den Altglascontainer „great again“ machen, sprich mit Edelaltglas füttern. Das war eine Aktion, die wir auf Facebook mit vielen anderen Weinfans in Deutschland gefeiert haben. Die hat sehr viel Spaß gemacht.

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Interview: Beke Detlefsen verbringt ihre Freizeit als waschechter Foodie nicht selten in schnuckeligen Cafés und Restaurants. Gern bei Pizza, Sushi oder Pho – am liebsten aber bei einem ausgedehnten Schlemmer-Frühstück.