Öffnung der Außengastronomie

"Das ignorante Festhalten an den Schließungen ist unerträglich"

Ab heute, 12. April 2021, darf in Schleswig-Holstein die Außengastronomie wieder öffnen, zumindest in den Kreisen und kreisfreien Städten, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz stabil unter 100 liegt. In Niedersachsen wurde der Start der Modellprojekte für Lockerungen zwar noch einmal verschoben, dennoch bereiten sich auch dort die Restaurants auf eine baldige Öffnung vor. Und was tut sich in Hamburg?

“Wir bauen zur Zeit unsere Küche um und erweitern unsere Außengastronomie, sodass wir frühestens im Mai an dem Modellprojekt teilnehmen können”, so Jörg Laser, Geschäftsführer vom Hotel und Restaurant einzigartig in Lüneburg. Die Stadt wurde vom Land Niedersachsen als eine von 14 Modellregionen ausgewählt. In diesen sollen Lockerungen der Corona-Maßnahmen sowohl für die Gastronomie, als auch den Einzelhandel und Kultureinrichtungen möglich werden. Jörg Laser, der auch den Verein für Lüneburger Gastronomen e.V. ins Leben gerufen hat, will dann die Luca-App zur Kontaktnachverfolgung einsetzen. Diese ist neben strengen Hygiene-Auflagen ein wesentlicher Teil der Lockerungs-Strategie der niedersächsischen Stadt.

 

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Jörg Laser vom Verein für Lüneburger Gastronomen / ©H-J. Wege

 

Und in Hamburg? Hier bleiben die Restaurants weiterhin geschlossen. Und auch die nächtliche Ausgangssperre wird bis mindestens 18. April bestehen bleiben. Für viele Betriebe ist es zunehmend schwierig, sich zu halten – finanziell und emotional.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Hamburg fordert seit Monaten eine Öffnung der Gastronomie unter Einhaltung von Hygiene-Konzepten sowie Abstands- und Dokumentationsregeln. Der Landesverband betont, dass das Gastgewerbe nicht der Auslöser von Infektionen sei. Viel eher führe die Verlagerung von Treffen in den privaten Bereich zu steigenden Infektionszahlen. “Unsere Hygiene-Konzepte sind das Stück Freiheit, das die Bevölkerung jetzt braucht und das ignorante Festhalten an den Schließungen ist unerträglich”, so Niklaus Kaiser von Rosenburg, der kommissarische Präsident des Landesverbandes des Dehoga Hamburg, “Die kleinen Öffnungsschritte in den norddeutschen Ländern um uns herum können dabei Signale auch für die Hansestadt setzen, werden aber erst einmal die Hamburger Betriebe weiter schädigen.”

Dehoga Hamburg: Gastronomie-Tourismus durch Lockerungen

Laut hiesiger Dehoga seien besonders die Hamburger Betriebe von den Lockerungen in den Nachbarländern betroffen, die sich aktuell durch das Außer-Haus-Geschäft über Wasser halten. Der Dehoga Hamburg befürchtet durch die Lockerungen einen Gastronomie-Tourismus über die Landesgrenzen. “Eine Metropole wie Hamburg braucht innovative Öffnungs-Konzepte für die Innen- und Außengastronomie, die unabhängig von Inzidenzen die Infektionsgefahr im privaten Bereich mindert und unserer Branche und den Hamburgern eine positive Perspektive vermittelt”, so der Präsident weiter. Die Vorschläge des Verbandes dazu lägen der Politik bereits seit Monaten vor.

Dass erste Öffnungsschritte eine solche positive Perspekte bieten können, bestätigt Thomas Ross. Er ist Geschäftsführer bei der Elbgastro Holding, die mehrere Filialen der Restaurant-Kette L’Osteria sowohl in Schleswig-Holstein, Niedersachsen als auch Hamburg betreibt. “Wir freuen uns natürlich sehr, dass wir ab dieser Woche die Außenflächen unserer L’Osteria Kiel und Lübeck öffnen können”, erklärt er auf Anfrage des Genuss-Guide Hamburg, “Dieser erste Öffnungsschritt gibt uns Mut und Zuversicht, dass wir unsere Gäste hoffentlich bald auch wieder im Gastraum empfangen und bewirten dürfen.”

Vorbereitungen für die Öffnung der Außengastronomie auf Hochtouren

In den Hamburger Filialen stehe das Team bereits in den Startlöchern und sei bereit, sobald Lockerungen auch in der Hansestadt möglich werden sollten. “Die Vorbereitungen für die Öffnung der Außengastronomie laufen bei uns auf Hochtouren”, berichtet Thomas Ross, “wir haben unsere Flächen und Terrassenmöbel sommerfest aufbereitet, die Sonnenschirme sind quasi gespannt.” Die vier L’Osterien in Hamburg haben ihre Hygiene- und Sicherheitskonzepte optimiert und wichtige Mitarbeiter-Schulungen aufgefrischt. In Lüneburg soll, sobald möglich, ebenfalls die Luca-App zur Kontaktnachverfolgung in den Einsatz kommen.

 

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Thomas Ross, Geschäftsführer der Elbgastro Holding, die die L’Osterien in Norddeutschland betreibt / ©Elbgastro Holding

 

Die ausschließliche Bewirtung der Gäste auf den Außenflächen stellt auf wirtschaftlicher Ebene ein sehr großes Risiko dar, da schlechtes Wetter schnell zu wichtigen Umsatzeinbußen führen könnte. Dennoch will das Unternehmen diese Öffnungsperspektive nutzen. “Wir (die Gastronomie, A.d.R.) verstehen uns als Teil der Lösung und möchten dies nach nun sechs Monaten Lockdown endlich unter Beweise stellen”, so der Geschäftsführer . Und er ergänzt: “Unser Take-Away- und Delivery-Geschäft mit eigener Lieferflotte wird grundsätzlich gut angenommen. Nichtsdestotrotz ist und bleibt unser Kerngeschäft die Bewirtung unserer Gäste vor Ort.”

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Text: Beke Detlefsen verbringt ihre Freizeit als waschechter Foodie nicht selten in schnuckeligen Cafés und Restaurants. Gern bei Pizza, Sushi oder Pho – am liebsten aber bei einem ausgedehnten Schlemmer-Frühstück.