Kein Ostern 2.0.

Feiertage im Lockdown

Zum zweiten Mal in Folge fällt Ostern aufgrund von Corona aus. Keine Familienfeiern, keine großen Buffets, kein Besuch im Lieblingsrestaurant. Wie meistern Hamburgs Gastronomen diesen erneuten Ausnahmezustand an den Feiertagen?

“Täglich grüßt das Murmeltier” – wieder einmal Osterfeiertage im Lockdown, in diesem Jahr sogar mit einer verhängten Ausgangssperre. Das öffentliche Leben ist weitestgehend lahmgelegt, Restaurants, Bars und Cafés geschlossen. Das so wichtige Feiertagsgeschäft mit großen Familienzusammenkünften, aber auch die gesamte Konfirmations-Saison fällt aus.

“Wer hätte das für möglich gehalten, dass sich der Albtraum wiederholt und wir Ostern nun erneut im Lockdown verbringen”, berichtet Johannes Schröder, Inhaber und Geschäftsführer der Küchenfreunde und von Was wir wirklich lieben, “Dieser Zustand wird einem erst jetzt richtig klar. Und das nach ohnehin schon fünf Monaten Gastroschließung ohne Perspektive.”

 

Hannes Schröder

Johannes Schröder, Inhaber der Küchenfreunde und von Was wir wirklich lieben, erlebt dieses Ostern ein trauriges Déjà-vu / ©Motion_Ina_Hamburg

 

Die mangelnde Aussicht auf eine Verbesserung der Lage für die Gastronomie macht auch Norá Horváth vom Bistro Spajz mürbe. “Die Festtagseinnahmen fehlen, wir versuchen mit Boxen, Kochkursen und Spezialprogrammen wenigstens etwas wirtschaftliches Oberwasser zu behalten und in aller Munde zu bleiben”, erzählt die Köchin. Was am meisten fehle, ist das Zwischenmenschliche, findet der Inhaber vom Restaurant Lenz in Duvenstedt, Leslie Himmelheber, der Händedruck der Gäste und die geschäftige Geräuschkulisse seines Restaurants. “Sei es das Gläserklirren, ein heruntergefallenes Messer, lautes Lachen oder die Gespräche”, erinnert sich Leslie, “Normalerweise begleiten wir Gastronomen solche feierlichen Anlässe wie Ostern, Familienfeiern und andere besondere Tage, auch das ist in diesem Jahr nicht möglich.”

Die fehlenden Einnahmen versucht das Lenz-Team rund um Küchenchef Dennis Kerber ebenfalls durch Osterboxen auszugleichen. Und die Ostermenüs to go haben sich tatsächlich sehr gut verkauft. Ebenso die Valentinstagboxen im Februar. “An besonderen Tagen wollen sich die Menschen etwas Tolles leisten und das beschert uns einen guten Umsatz”, berichtet Leslie. Doch die Zeit läuft weiter, das Geschäft eventuell nicht. “Was machen wir nach Ostern? Was haben wir dann noch für Highlight-Anlässe, um uns über das Jahr zu retten?”

 

Leslie Himmelheber vom Lenz fehlt ohne den trubelige Restaurant-Alltag etwas / ©Philipp Schmidt

 

Johannes Schröder, der in seinen Restaurants ebenfalls Osterboxen für Zuhause anbietet, bemerkt langsam eine Sättigung seiner Gäste für ein solches Angebot. Und fragt sich ebenfalls, was wohl danach kommen mag: “Wir verlieren gerade das Sommergeschäft, Hochzeiten werden erneut abgesagt. Es besteht keinerlei Planbarkeit und unsere Mitarbeiter sind demoralisiert.” Die Rücklagen aus 2020, die er mit seinen Restaurants und dank der November- und Dezember-Hilfen bilden konnte, muss er nach der Steuererklärung in Form von Einkommens- und Gewerbesteuern wieder an den Staat abgeben. Die Corona-Hilfe III schließt den Unternehmer in diesem Jahr nach eigenen Angaben vollständig aus. Und Johannes Schröder hat keine Einnahmen. Dem normalerweise optimistischen Gastronom geht langsam die Luft aus: “Ehrlich gesagt bin ich mit meinem Latein am Ende.”

Auch Leslie und seinem Team fällt die immer wieder neu benötigte Motivation mittlerweile schwer, dennoch will der Gastronom sich nicht unterkriegen lassen: “Ich bin es aber auch leid, mich immer wieder aufzuregen und stressen zu lassen. Wir nutzen die nächste Zeit so gut es geht und planen größere Umbaumaßnahmen in unserer Küche.” Norá hat nach einem Jahr Lockdown eine gewisse Resilienz entwickelt: “Ich fühle mich zwar einerseits ernüchtert und müde, aber kann in meinem Unternehmen kreativ und flexibel auf die jeweilige Situation reagieren.”

 

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Norá vom Bistro Spajz kocht trotz Lockdown fleißig weiter / ©Wim Jansen

 

Die Köchin kocht jeden Mittwoch live auf Instagram, bietet weitere Kochkurse auf ihrer Webseite und hat ihr Außer-Haus-Geschäft professionalisiert. “Man merkt allen die lange Zeit des Lockdowns an. Die Luft ist raus bei den meisten Gästen”, berichtet Nora, die trotzdem auch positive Stimmungen ausmachen kann. “Unser sporadischer Mittagstisch ist bei vielen ein Highlight des Tages und eine Abwechslung in der alltäglichen Monotonie. Es verbindet, dass es uns allen ähnlich geht.”

 

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Text: Beke Detlefsen verbringt ihre Freizeit als waschechter Foodie nicht selten in schnuckeligen Cafés und Restaurants. Gern bei Pizza, Sushi oder Pho – am liebsten aber bei einem ausgedehnten Schlemmer-Frühstück.