Es war ein kurzes Vergnügen: Nach dem überraschenden Weggang von Sternekoch und Patron Matteo Ferrantino übernahm Marvin Böhm, der zuvor als Souschef im Restaurant Aqua in Wolfsburg (drei Michelin-Sterne) tätig war, im doppelt besternten Bianc das Ruder. Es folgten ein neues kulinarisches Konzept und ein neuer Name: Buoy. Unter Böhms Führung wurde im Buoy norddeutsches Fine Dining serviert. Am 16. Juli dann die Nachricht: Das Buoy schließt, dem Team wurde gekündigt. Küchenchef Marvin Böhm zeigt sich bestürzt, aber zuversichtlich.
Neues Konzept – schnelles Ende
Anfang des Jahres gab es noch große Ambitionen für das Restaurant, das unter Matteo Ferrantino mit seiner mediterranen Küche zur absoluten Spitze gehörte. Mit Marvin Böhms Sternerfahrung, einem frisch renovierten Innenraum und einem völlig neuen Konzept sollte das Restaurant die Fine-Dining-Szene der Hansestadt aufmischen. Statt italienischer Einflüsse fanden sich auf der Karte neu interpretierte norddeutsche Klassiker. Trotz der weggefallenen Sterne wurde der Menüpreis im Buoy auf 195 Euro angehoben. In der kurzen Öffnungszeit konnte Böhm die Sterne mit seinem Team nicht zurückkochen. Das habe er auch nicht erwartet, erklärt Böhm im Gespräch mit dem Genuss-Guide. „Das mit den Sternen war eh eine 50:50-Chance. Wir waren sehr spät dran. Es wäre cool gewesen, aber es war zu kurzfristig.“
Das mit den Sternen war eh eine 50:50-Chance.
Marvin Böhm
Für die Betriebsgesellschaft unter Führung des Kieferorthopäden Dr. Endre Vári scheint sich das neue Konzept nicht ausgezahlt zu haben. Das Schwesterrestaurant Pan con Tomate ist von der Schließung nicht betroffen. In einem Statement heißt es, das Buoy hätte man unter den aktuellen Marktbedingungen nicht wirtschaftlich nachhaltig betreiben können. „Ich respektiere die Entscheidung der Betreiber und verstehe, dass wirtschaftliche Rahmenbedingungen in der Gastronomie enorme Herausforderungen mit sich bringen. Dennoch ist es für alle Beteiligten enttäuschend, dass ein Konzept, in das viel Leidenschaft, Zeit und Engagement investiert wurde, nach so kurzer Zeit kein Fortbestehen finden konnte“, erklärt der Küchenmeister in einer Stellungnahme. „Besonders schwer wiegt für mich, dass letztlich alle Mitarbeitenden ihre Arbeitsplätze verloren haben.“
Auch einige Aqua-Mitarbeiter waren Böhm gefolgt, um das neue Konzept zu verwirklichen. Zu seinen zukünftigen Projekten könne er noch nichts Konkretes sagen, teilt Böhm mit. Er sehne sich allerdings nach einem neuen Projekt. „Das Buoy ist Geschichte. Aber das nordische Konzept war passend und ich würde es gern weiterführen“, resümiert er.