Erst im August 2024 übernimmt Jakob Louis Hielscher als neuer Betreiber das alteingesessene Restaurant an der Elbchaussee. Nun findet sein Projekt ein abruptes Ende. Grund sind Streitigkeiten mit den Gebäudeeigentümern. Es ist nicht das erste Mal, dass das Le Canard schließen muss.
Spitzengastronomie mit turbulenter Historie
Die Geschichte des Le Canard ist ein stetiges Auf und Ab. Gegründet wird das Fine-Dining-Restaurant 1978 vom österreichischen Koch Josef Viehhauser. Nicht einmal ein Jahr nach der Gründung erhält es als eines der ersten Restaurants in Hamburg einen der begehrten Sterne des Guide Michelin. 1989 folgt dann der Umzug an die Elbchaussee, den Standort, an dem sich das Le Canard bis heute befindet. 2004 dann ein Eklat: Nach einer Räumungsklage verlässt Viehhäuser das Restaurant. Mietstreitigkeiten mit dem Eigentümer des Gebäudes, dem Architekten Meinhard von Gerkan, sind der Grund. Nach Viehhauser übernimmt Ali Güngörmüş die Führung. Unter ihm heißt das Restaurant Le Canard Nouveau und holt sich den Stern zurück. Güngörmüş fungiert als Mitgesellschafter, von Gerkan bleibt Inhaber des Restaurants. Nach einem Brand im Juni 2018 schließt das Le Canard für fast ein Jahr. Eine Neueröffnung folgt mit Norman Etzold als Küchenchef. 2020 bekommt das Restaurant seinen Stern zurück, wechselt dann allerdings erneut den Küchenchef und Felix Becker übernimmt das kulinarische Ruder. Nach Verlust des Sterns schließt das Restaurant 2021. 2024 schließlich übernimmt Jakob Hielscher. Der Architekt Meinhard von Gerkan ist inzwischen verstorben. Sein Architekturbüro gmp ist allerdings weiterhin in dem Gebäude ansässig und fungierte als Vermieter für Hielscher, allerdings im Gegensatz zu den vorherigen Jahren ohne direkte Beteiligung am Geschäft.
Neuanfang mit neuen Konflikten
Zunächst freut sich Jakob Hielscher auf seine neue Zukunft mit dem Le Canard. Es ist das erste Projekt, das der Küchenmeister selbstständig betreibt. „Am Anfang hat es sehr viel Spaß gemacht“, bestätigt Hielscher im Gespräch mit dem Genuss-Guide. Er fungiert als Betreiber, prägt die kulinarische Handschrift des Hauses, aber unterstützt auch tatkräftig in der Küche und im Service. Die anfängliche Freude währt allerdings nicht lange. Bereits am 26. Dezember 2025 werden in dem Restaurant das letzte Mal Gäste verköstigt. „Wir mussten Ende Dezember aus verschiedensten Gründen Insolvenz anmelden“, erklärt der Gastronom. „Hauptgrund waren massive Differenzen mit den Eigentümern, die sich sehr stark in das laufende Geschäft eingemischt haben.“
Ich würde ehrlich gesagt jedem Gastronomen abraten, sich dort selbstständig zu machen
Gastronom Jakob Louis Hielscher über den Standort des Le Canard an der Elbchaussee
Hielscher berichtet, wie die Konflikte im Laufe der Zeit mehr werden. Unstimmigkeiten häufen sich, bereits angekündigte Events mit verkauften Tickets – zuletzt die Silvesterfeier des Restaurants – werden abgesagt. „Wenn mir als Gast ein paar Tage vor Silvester die Feier, für die ich ein Ticket gekauft habe, abgesagt wird, würde ich nicht mehr in diese Location fahren“, meint Hielscher. „Das war die zweite Veranstaltung, die abgesagt wurde. Dadurch ist es dann auch irgendwann für einen Gastgeber wie mich nicht mehr so schön, den Gästen vor die Augen zu treten.“

Durch den Mangel an Laufkundschaft seien große Veranstaltungen für das Le Canard ein wichtiger Umsatzgenerator. Ohne diese „rechnet sich das vorne und hinten nicht“, erklärt der gelernte Koch. Nach einer Klage seitens der Vermieter muss das Restaurant schließen. Hielschers Betreibergesellschaft Green Culinary Culture GmbH befindet sich im Insolvenzeröffnungsverfahren. Ob sich für das traditionsreiche Fine-Dining-Restaurant ein neuer Betreiber findet, ist derzeit noch unklar. Hielscher findet für eventuelle Nachfolger klare Worte: „Ich würde ehrlich gesagt jedem Gastronom abraten, sich dort selbstständig zu machen.“
Trotz der ernüchternden Erfahrung mit dem Le Canard zeigt sich Jakob Hielscher zuversichtlich. Für die Zukunft könne er sich vorstellen, sich neuen gastronomischen Projekten zu widmen und sich wieder selbstständig zu machen. „Am Ende geht man da mit einem blauen Auge raus, weil der Stress um diese Immobilie endlich aufhört.“