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Schließung

Aus für Silo 16 trotz Nachfolger

Das Silo 16 am Harburger Binnenhafen ist für gehobene italienische Küche in einem einzigartigen Ambiente bekannt. Nach einem Insolvenzverfahren sollte ein Investor das Lokal vor der Schließung bewahren. Doch im letzten Moment scheiterte die Übernahme

30. Januar 2026 von Alina Fedorova

13 Jahre lang bewirteten Violetta und Renzo Ferrario ihre Gäste mit gehobenen italienischen Speisen in Harburg /©Alina Fedorova
13 Jahre lang bewirteten Violetta und Renzo Ferrario ihre Gäste mit gehobenen italienischen Speisen in Harburg /©Alina Fedorova

Seit über einem Jahrzehnt gilt das Silo 16 als Gastro-Institution in Harburg – neben der gehobenen italienischen Küche beeindruckte auch die besondere Location aus Beton, Glas und Stahl in einem ehemaligen Silo. Wo früher Ölsaaten und Getreide lagerten, empfingen die Gastgeber Violetta und Renzo Ferrario ihre Gäste in einem weitläufigen und lichtdurchfluteten Raum mit bodentiefer Fensterfront und Blick auf den Harburger Binnenhafen. Schon beim Eintreten begeistert die Kuppel mit aufwendiger Deckenbemalung nach Vorbild der Gemälde Michelangelos. Nun steht das Lokal unerwartet kurz vor dem Aus. Dennoch begrüßt uns das Betreiber-Ehepaar mit gewohnter Gastfreundschaft zu einem Gespräch vor Ort.

Schon im Herbst 2025 fingen schwierige Zeiten an. Das Restaurant musste Insolvenz anmelden, ein Investor sollte das Lokal retten. Ein Nachfolger für das Restaurant war bereits gefunden. Allerdings zerschlugen sich die Hoffnungen auf eine nahtlose Übernahme vor einer Woche: der Vermieter, ein großer Immobilienkonzern, stimmte dem neuen Mietvertrag nicht zu – ohne Angabe von Gründen. Am 31. Januar lädt das Betreiber-Ehepaar ein letztes Mal Stammgäste und Freunde zum Abschied.

Silo 16 in Harburg schließt: Vermieter lehnte Nachmieter ab

Bis zuletzt war die Hoffnung groß, dass das Silo 16 unter neuer Regie bestehen bleibt. Zwar hatten der gelernte Koch und die ausgebildete Sommelière die Möglichkeit, die Räumlichkeiten weiterhin anzumieten. Doch der neue Mietvertrag hätte die Ferrarios fünf weitere Jahre an die Location gebunden. Das war zu viel. Die langjährigen Gastronomen wollten ohnehin kürzer treten. „Mein Mann ist bereits seit 2,5 Jahren in Rente. Wir wollen unser Leben genießen“, erzählt Violetta Ferrario. „Wir haben alle gehofft – mein Mann und ich, Freunde, Familie, Stammgäste, auch der Insolvenzverwalter –, dass der Mietvertrag mit dem Nachfolger weitergeführt wird.“ Das Konzept wäre geblieben, alle Mitarbeitenden wären übernommen worden. Doch der Vermieter führte die bereits weit fortgeschrittenen Pläne zu einem abrupten Ende.

„Dieser Ort war unser Zuhause“

Die Schließung des Restaurants trifft die Betreiber sehr. „Dieser Ort war unser Zuhause, unser Leben. Wir haben sehr viel Herz und Leidenschaft hier reingesteckt. Und das haben wir immer gerne gemacht“, sagt Violetta Ferrario. Trotz allem blicken beide positiv auf die vergangenen Jahre zurück. „Wir sind sehr traurig darüber, dass es so endet. Trotzdem sind wir sehr dankbar für diese wunderschöne Zeit – auch wenn es nicht immer leicht war.“

Ende Januar nimmt Silo 16 Abschied von Stammgästen

Wie es mit den Räumlichkeiten am Harburger Binnenhafen weitergeht, ist derzeit offen. Ob an den Schellerdamm künftig wieder Gastronomie einzieht oder das Gebäude anders genutzt wird, bleibt unklar. Ein neues Restaurant an einem anderen Ort zu eröffnen, ist für Violetta und Renzo Ferrario vorerst kein Thema. „Es ist momentan eine wirtschaftlich schwierige Zeit. Ein neues Restaurant ist nicht geplant. Aber man weiß nie, was die Zukunft bringt“, so die Betreiberin.

Die letzten beiden Abende am 30. und 31. Januar sind bereits komplett ausgebucht. Viele langjährige Stammgäste kommen vorbei, um sich persönlich zu verabschieden – vom Restaurant, aber vor allem von seinen Gastgebern. „Wenn ich unsere Gäste ein letztes Mal sehe, werde ich sicher ein paar Tränen vergießen“, verrät Violetta Ferrario. „Die letzten Stunden werden bestimmt emotional. Aber wir werden diesen letzten Abend lange in Erinnerung behalten.“

Um aus dem ehemaligen Silo ein Restaurant zu machen, wurden aufwendige Arbeiten vorgenommen. Unter anderem die Deckenmalereien über der Bar / ©Marc Sill
Um aus dem ehemaligen Silo ein Restaurant zu machen, wurden aufwendige Arbeiten vorgenommen. Unter anderem die Deckenmalereien über der Bar / ©Marc Sill
Gelernter Hotelfachmann, Koch und Betreiber Renzo Ferrario verwöhnte seine Gäste mit feiner italienischer Küche / © Marc Sill
Gelernter Hotelfachmann, Koch und Betreiber Renzo Ferrario verwöhnte seine Gäste mit feiner italienischer Küche / © Marc Sill
Das Silo 16 beeindruckte mit besonderem Ambiente in einem ehemaligen Getreidesilo  / ©Marc Sill
Das Silo 16 beeindruckte mit besonderem Ambiente in einem ehemaligen Getreidesilo  / ©Marc Sill
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Ob Phở Bo oder Ramen: Asiatische Nudelsuppen könnte Alina Fedorova zu jeder Jahres- und Tageszeit schlürfen. Lange Zeit in der Gastro tätig, hat sie Tablett gegen Tastatur getauscht und schreibt jetzt über Hamburgs Gastro-Szene. Oft steht sie selbst hinterm Herd und kocht Rezepte aus aller Welt.