Die Vorschläge der Rentenkommission sorgen bundesweit für heftige Kritik im Gastgewerbe. Wie am Wochenende bekannt wurde, soll der steuer- und sozialversicherungsrechtliche Sonderstatus von Minijobs künftig nur noch für Schülerinnen und Schüler gelten. Für Hotels, Restaurants, Cafés und Bars hätte das weitreichende Folgen. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) spricht von einem drohenden Aus eines zentralen Beschäftigungsmodells. Allein bundesweit arbeiten nach Angaben des Verbandes rund 1,1 Millionen Menschen im Gastgewerbe auf Minijob-Basis.
„Die Vorschläge der Rentenkommission gehen an der betrieblichen Realität vorbei und wären für das Gastgewerbe eine Katastrophe“, erklärt Dehoga-Präsident Guido Zöllick. Bereits höhere Sozialabgaben würden Minijobs verteuern, nun drohe sogar die vollständige Abschaffung eines für die Branche unverzichtbaren Instruments. Zöllick spricht von einem „Frontalangriff auf die Flexibilität am Arbeitsmarkt und auf die Beschäftigungsfähigkeit des Gastgewerbes“. Minijobs seien unverzichtbar, um Abendstunden, Wochenenden, Veranstaltungen und saisonale Spitzen abzudecken. Eine Umwandlung in Voll- oder Teilzeitstellen sei aufgrund des geringen Stundenumfangs vieler Tätigkeiten oft gar nicht möglich. Nach Ansicht des Dehoga verdrängen Minijobs darum keine regulären Arbeitsplätze.
Deutliche Kritik auch vom Hamburger Dehoga
Auch der Hamburger Landesverband kritisiert die Pläne deutlich und warnt vor den Folgen. Flexible Beschäftigungsformen seien für viele Betriebe ebenso wichtig wie für Menschen, die bewusst nur wenige Stunden arbeiten möchten – etwa Alleinerziehende, Studierende oder Beschäftigte mit Nebenverdienst. Hamburgs Dehoga-Präsident Simon Wieck sieht die Gefahr, dass neue Hürden den gegenteiligen Effekt haben: „Wer Minijobs im Gastgewerbe erschwert, treibt flexible Arbeit nicht in bessere Beschäftigung, sondern riskiert mehr Schwarzarbeit.“

Besonders kritisch sieht der Dehoga den Vorschlag, Minijobs künftig ausschließlich Schülerinnen und Schülern vorzubehalten. Viele von ihnen seien minderjährig und könnten aufgrund gesetzlicher Jugendarbeitsschutzregelungen gerade jene Abend- und Wochenendschichten nicht übernehmen, die in Gastronomie und Hotellerie besonders wichtig sind. Für die Branche steht deshalb viel auf dem Spiel. Während die Rentenkommission mit ihren Vorschlägen die Finanzierung der Sozialsysteme stärken will, befürchten die Verbände zusätzliche Belastungen für Betriebe und Beschäftigte.