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Genuss-Creator Award powered by Chefs Culinar: Nominierung

Frederik Schefferski

Bar-Chef | Jing Jing

21. August 2026 von Laura Neumayer

Frederik Schefferski ist Barchef im Jing Jing / ©Marc Sill
Frederik Schefferski ist Barchef im Jing Jing / ©Marc Sill

Frederik Schefferski ist 42 Jahre alt und stammt aus Bergisch Gladbach. Seine Bar-Karriere begann im Pepe in Köln. Es folgten Stationen in Köln, Frankfurt und München, darunter die Spirits Bar, die Roomers Bar, die Bristol Bar, die Grid Bar und die Monkey Bar. Seit April 2022 arbeitet er im Jing Jing in Hamburg.

Vorbilder gibt es viele und die Liste an Menschen, die mich inspiriert haben, ist lang. Ich glaube, es ist wichtig, die Werke Anderer nicht als Konkurrenz zu bewerten, sondern anzuerkennen. Denn am Ende tritt man sowieso immer nur gegen sich selbst an

Frederik Schefferski

Frederik Schefferski, warum bist du in der Gastronomie gelandet?

Ich habe eine Ausbildung zum Grafik- und Objektdesigner angefangen, weil alle in meinem Umfeld mir gesagt haben, dass ich durch meine Kreativität bestimmt gut darin wäre. War ich auch, allerdings hat mich die ständige Arbeit am Bildschirm total zermürbt. Gleichzeitig brauchte ich Geld und habe angefangen, in einem Club als Runner zu arbeiten und Gläser einzusammeln. Die Energie am Arbeitsplatz und die physische Arbeit hat mir sofort gefallen, und obwohl ich bis dahin keine Ahnung von Cocktails hatte, beschloss ich, alles auf eine Karte zu setzen, die Ausbildung abzubrechen und mein Glück als Bartender zu versuchen. Eine Entscheidung, die ich nicht eine Sekunde bereuet habe.

Warum ist die Gastronomie für dich die passende Branche?

Am Anfang meiner Karriere ging es vor allem um Kreativität, Drinks entwickeln, Zutaten entdecken, neue Ideen und Cocktails. Im Laufe der Zeit hat sich die Gewichtung verschoben. Ich entwickle immer noch gerne Drinks, was mich aber mittlerweile mehr antreibt, ist die fast diebische Freude, Menschen einen guten Abend
zu machen und ihnen eine schöne Zeit zu bereiten.

Was liebst du an deinem Job am meisten?

Es gibt diese Abende, wo es richtig voll ist, fast am Limit, aber irgendwie läuft trotzdem alles ineinander. Der Vibe der Gäste schwappt rüber in die Bar und in die Küche und andersrum auch. Die Musik wummert, und man hört dieses aufgeregte, angeregte Unterhalten im ganzen Raum, so dass die Luft fast flimmert. Diese Momente bereiten mir Gänsehaut und helfen dann auch durch die Abende, an denen es mal nicht so rund läuft.

Gab es jemanden, der dich besonders gefördert oder inspiriert hat – ein Vorbild oder Mentor?

Vorbilder gibt es viele und die Liste an Menschen, die mich inspiriert haben, ist lang. Ich glaube, es ist wichtig, die Werke Anderer nicht als Konkurrenz zu bewerten, sondern sie anzuerkennen. Denn am Ende tritt man ohnehin immer nur gegen sich selbst an. Dominik Simon hat mir während meiner Zeit im Spirits beigebracht, was es heißt, Bartender zu sein. Nicht nur Drinks und Fachwissen, sondern vor allem Etikette und Haltung. Viele von seinen Aussagen klingen heute noch nach und wurden zu welchen, die ich selbst weitergebe.

Was treibt dich an einem langen Arbeitstag an? 

In Hamburg gehen tausende Menschen abends aus. Die haben alle eine eigene Geschichte: eine Beziehung beendet, eine Liebe gestanden, wurden befördert, gekündigt, geküsst, geliebt, geärgert, whatever. Und von all den tausenden Menschen mit den unzähligen Geschichten und abertausenden Restaurants und Bars einer
riesengroßen Stadt zur Auswahl entscheiden sich ein paar dafür, dass der beste Ort, um ein bisschen loszulassen, bei uns ist. Und das ist die Aufgabe. Dieser Vertrauensvorschuss treibt mich an. Ob das jetzt ein Cocktail-, Wein-, Bier- oder ein alkoholfreier Abend wird, spielt dabei keine Rolle.

Gibt es ein Gericht, ein Getränk oder einen Geschmack, der dich an deine Kindheit erinnert?

Milchreis mit Zimt.

Was machst du, um nach einem intensiven Arbeitstag abzuschalten?

Ich gehe mit meinem Hund raus. Den muss man nicht lange überreden, vor die Tür zu gehen, egal, wie spät ich nach Hause komme. Das ist ein richtig guter Puffer zwischen Arbeit und Privatleben.

Worauf bist du besonders stolz, auch wenn es nicht im Lebenslauf steht?

Was für immer meine größte Errungenschaft sein wird, ist, dass meine Frau Adelina ihr Leben mit mir teilt. Das ist nicht zu schlagen.

Wovon träumst du beruflich noch?

Irgendwann in der eigenen Bar zu stehen, das hätte schon was.

Wie würdest du den Stil deiner Bar beschreiben?

Das Jing Jing ist ein Ort, an dem man Sehnsucht und Fernweh stillen kann, wenn es der Kalender oder der Geldbeutel gerade nicht zu lässt. Eine kurze Flucht aus dem Alltag.

Was macht einen sehr guten Drink aus?

Die Qualität der Zutaten und die Balance jener, gekühlte Gläser und gutes Eis.

Welche Zutat, Spirituose oder Technik fasziniert dich aktuell besonders?

Wir probieren gerade viel mit alternativen Filtermethoden, wie zum Beispiel durch Sellerie oder Chia Samen.

Was macht einen guten Barabend aus?

Einen guten Abend machen für mich ganz klar die Menschen, mit denen man zusammen ist. Licht, Akustik, Drinks und Atmosphäre sind natürlich auch wichtig und spielen mit hinein, aber am Ende entsteht die Stimmung vor allem durch das, was man miteinander teilt, die Energie, die man einander entgegenbringt. Und das schließt natürlich auch den Gastgeber mit ein. Zwischen einer Bar mit exzellenten Drinks und einem Bartender, der eigentlich keine Lust auf Gäste hat, und einer Bar, in der vielleicht das Eis etwas zu nass ist oder der Gin Fizz minimal zu viel Soda hat, ich aber mit einem echten Lächeln und offenen Armen empfangen werde, wähle ich sicher immer letzteres.

Welche Rolle spielen alkoholfreie Drinks?

Alkoholfreie Drinks spielen heute eine immer größere Rolle und sind eigentlich schon lange wichtig. Genuss hat nichts mit Alkohol zu tun. Ein Cocktail muss nicht zwingend Alkohol enthalten und um einen schönen Abend im Restaurant zu verbringen, müssen Menschen nicht zwingend trinken. Das geht genauso gut alkoholfrei.

Ohne Gastronomie wäre ich wahrscheinlich

wahrscheinlich immer noch auf der Suche

Mein schönster Moment im Job war

meine erste Schicht hinter der Bar im Restaurant & Bar Pepe in Köln. Das war auch mein erster richtiger Barjob und mir war rückblickend damals überhaupt nicht klar, auf was ich mich da einlassen würde. Ich bin an dem Abend mit Pauken und Trompeten untergegangen, aber ich weiß noch genau, wie ich durchgeschwitzt und total fertig nach der Schicht mit Gänsehaut und einem riesengroßen Grinsen nach Hause gelaufen bin: weil ich genau wusste, dass ich das so lange machen will, bis ich den Rührlöffel nicht mehr in der Hand halten kann

Ein perfekter Abend beginnt für mich mit

einem ehrlichen Lächeln und offenen Armen

Das beste Kompliment eines Gastes war

Ich kann nicht besonders gut mit Komplimenten umgehen, deswegen fällt es mir schwer, sie mir zu merken. Trotzdem freuen wir uns natürlich, wenn Gäste zu schätzen wissen, was wir uns für sie ausgedacht haben

In der Gastronomie wünsche ich mir mehr

 Sichtbarkeit für die Position von Frauen in der Gastronomie. Denn trotz des großen Versprechens von Gleichberechtigung begegnen Frauen im Arbeitsalltag weiterhin strukturelle Nachteile und misogynem Verhalten: von sexuellen Übergriffen, die bagatellisiert oder übergangen werden, bis hin zu veralteten Regeln und Strukturen, die von Männern gemacht wurden und nicht auf Frauen zugeschnitten sind. Mehr Fokus und Öffentlichkeit für dieses Ungleichgewicht wären ein wichtiger Schritt

Avatar-Foto

Stets mit offenen Augen durch die Stadt laufend, auf der Suche nach neuen, cozy Cafés, hat Laura Christina Neumayer schon längst viele süße Patisserien, Pop-ups und Boulangerien der Szene besucht. Die Inspiration, die sie dabei sammelt, würde sie am liebsten selbst umsetzen – nur das Talent fürs Backen muss noch entdeckt werden. Macht nichts: Erst einmal kann sie ihr Know-how aus der Gastro-Szene hier mit kreativen Texten ausleben.

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Der Genuss-Creator richtet den Blick genau dorthin, wo Gastronomie im Alltag wirklich entsteht: auf die Menschen vor und hinter den Kulissen – in der Küche, im Service, an der Bar oder in der Spülküche.

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