Julian Widlitzki ist seit Mai 2026 Küchenchef im Blue Mare. Der 27-Jährige stammt aus Papenburg und hat in Leer im Restaurant zur Waage und im Perior seine Ausbildung absolviert. Anschließend ging es für ihn in das Schloss Schauenstein in der Schweiz, das mit drei Sternen des Guide Michelin ausgezeichnet ist. Später zog es ihn nach Berlin, wo er im Zwei-Sterne-Restaurant Tim Raue, der Gärtnerei und dem mit zwei Sternen ausgezeichneten Hotel Adlon wertvolle Erfahrungen sammelte. Für seine heutige Arbeit im Blue Mare wurde er für den Genuss-Creator Award in der Kategorie Koch des Jahres nominiert.
Am meisten liebe ich den Moment, in dem es am Pass still wird und alles ineinandergreift
Julian Widlitzki
Julian Widlitzki, warum bist du in der Gastronomie gelandet?
Als Kind stand ich in der Küche meiner Großmutter und begriff, dass Essen mehr ist als Essen – es holt Menschen an einen Tisch. Diesen Moment will ich bis heute für andere wiederherstellen.
Warum ist die Gastronomie für dich die passende Branche?
Weil ich nirgendwo sonst am Morgen eine Idee habe und sie am Abend auf einem Teller liegt – kreativ sein und sofort sehen, was daraus geworden ist. Und weil mein Handwerk am Ende immer bei einem Menschen ankommt, der glücklich vom Tisch aufsteht.
Was liebst du an deinem Job am meisten?
Am meisten liebe ich den Moment, in dem es am Pass still wird und alles ineinandergreift – dieses Gefühl, wenn ein Team zusammen unter Druck funktioniert, gibt es sonst nirgendwo. Und danach der Blick in en Gastraum: Menschen, die lachen, essen, zusammensitzen – und ich weiß, dass ein Teil davon von uns kommt.
Gab es jemanden, der dich besonders gefördert oder inspiriert hat – ein Vorbild oder Mentor?
Die größte Förderung kam von meinem Vater. Eine Ausbildung auf diesem Niveau macht etwas mit einem, und nach harten Tagen, langen Wochen oder in den Momenten, in denen man zweifelt, ob es das Richtige ist, braucht man jemanden, der einen wieder aufbaut und motiviert. Meine Mentoren waren alle meine Küchenchefs – jeder von ihnen hat mir etwas mitgegeben, das ich bis heute weitertrage.
Was treibt dich an einem langen Arbeitstag an?
Es sind die kleinen Dinge: gute Musik in der Küche, ein Personalessen, auf das sich alle freuen, und eine Stimmung, in der man auch nach zwölf Stunden noch zusammen lachen kann. Das trägt dich durch jeden Service – denn wenn das Team gut drauf ist, fühlt sich kein Tag zu lang an.
Gibt es ein Gericht, ein Getränk oder einen Geschmack, der dich an deine Kindheit erinnert?
Gurkensalat mit Sahne, Zucker, Branntweinessig und Dill – nichts Kompliziertes, aber wenn ich das rieche, bin ich sofort wieder ein Kind in der Küche meiner Großmutter. Genau solche Gerichte zeigen mir bis heute, dass Geschmack keine Technik braucht, sondern Erinnerung.
Was machst du, um nach einem intensiven Arbeitstag abzuschalten?
Ganz einfach: Couch, kaltes Bier und Instagram-Kochvideos.
Worauf bist du besonders stolz, auch wenn es nicht im Lebenslauf steht?
Ich bin stolz darauf, dass ich für sehr große Namen kochen durfte – Künstler, Artists, Fußballer – und dass ich mir in dieser Szene einen eigenen Namen gemacht habe, ganz ohne Titel oder Zeugnis. Dass ich bis heute für private Sessions angefragt werde, bedeutet mir mehr als jede Zeile im Lebenslauf, weil es auf Vertrauen beruht und nicht auf Papier.
Wovon träumst du beruflich noch?
Von meinem eigenen Stern des Guide Michelin.

Wie würdest du deine Küche in einem Satz beschreiben?
In meiner Küche lege ich Wert auf Emotionen, Erinnerungen und Modernität – ich interpretiere Klassiker neu und koche dabei immer ehrlich und direkt.
Welches Gericht steht sinnbildlich für deine Handschrift?
Kabeljau Chili Cheese Style.
Was macht für dich ein besonderes Gericht aus?
Ein besonderes Gericht macht für mich aus, dass es eine Erinnerung weckt, sauber und mit klasse Technik gearbeitet ist und am Ende in Balance steht. Fehlt eines davon, ist es vielleicht gutes Essen – aber es bleibt nicht hängen.
Gibt es eine Küchentradition, die du bewahren möchtest?
Deutsche Küche.
Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in der Küche heute?
Nachhaltigkeit ist für mich kein Trend, sondern Respekt – vor dem Produkt, vor den Menschen, die es erzeugen und vor dem, was am Ende auf dem Teller landt. Wer einmal gesehen hat, wie viel Arbeit in einem einzigen Produkt steht, wirft nichts mehr achtlos weg.
Ohne Gastronomie wäre ich wahrscheinlich
sehr ausgeschlafen – aber unglücklich
Mein schönster Moment im Job war
nicht ein einzelner großer Abend, sondern das Gefühl danach: ausverkauftes Haus, alle am Limit und trotzdem steht am Ende das ganze Team zusammen und lacht. In diesem Moment weiß man, dass man etwas geschafft hat, das keiner allein hinbekommen hätte
Ein perfekter Abend beginnt für mich mit
dem Moment kurz vor dem Service: alles steht, die Musik läuft, das Team ist da. Und er endet mit einem Blick, den keiner erklären muss
Das beste Kompliment eines Gastes war:
„Du hast mich mit deinem Essen an den Esstisch meiner Oma gebracht“
In der Gastronomie wünsche ich mir mehr
Wertschätzung – für die Menschen, die abends in der Gastronomie stehen, während alle anderen frei haben. Weihnachten, Silvester, jeder Geburtstag, jede Hochzeit im Freundeskreis stehen wir da, damit andere feiern können. Und mehr Ehrlichkeit: weniger Show, dafür gutes Handwerk