Es ging schnell: Im Sommer 2024 startete Bolle zunächst als Pop-up in einem umgebauten Schiffscontainer im Schatten des Hamburger Fernsehturm. Die Idee: Pizza mal anders – als gefülltes Pizza-Sandwich, Panuozzo genannt. Aus dem zunächst kleinen Konzept entwickelte sich innerhalb von rund zwei Jahren eine Gastro-Kette mit mehreren Standorten in Hamburg und einer Filiale in Berlin. Jetzt steht das Unternehmen vor einer ungleich größeren Herausforderung: Bolle ist insolvent. Bereits Anfang Juli wurde Arno Doebert zum Insolvenzverwalter bestellt. Das Verfahren wurde zum 1. September eröffnet.
Es ist bedauerlich, dass das Konzept sich in der schwierigen Phase, in der sich die Gastronomie insgesamt aktuell befindet, nicht halten konnte
Dr. Arno Doebert, Fachanwalt für Insolvenzrecht
Der Insolvenzverwalter führt weiter aus, dass die Filiale in Eppendorf bereits vor Verfahrensbeginn geschlossen werden musste aufgrund zu geringer Umsätze und Personalengpässen. Zum 1. September hätten dann auch die Standorte in Ottensen sowie der Sternschanze den Betrieb eingestellt.
Mehrere Filialen geschlossen
Das Restaurant am Mühlenkamp ist, im Gegensatz zu den drei anderen Hamburger Filialen, weiterhin geöffnet. Grund dafür: ein Franchise-Nehmer, welchen das Insolvenzverfahren nicht betrifft. Damit ist ausgerechnet ein Konzept, das zuletzt stark auf Expansion gesetzt hatte, plötzlich mit der Frage konfrontiert, wie es überhaupt weitergehen kann. Denn Bolle hatte sich in vergleichsweise kurzer Zeit entwickelt. „Es ist bedauerlich, dass das Konzept sich in der schwierigen Phase, in der sich die Gastronomie insgesamt aktuell befindet, nicht halten konnte“, so Insolvenzverwalter Doebert. Er habe den Gründer John Drewes als engagierten Inhaber und Geschäftsführer kennengelernt. Seiner Einschätzung nach liege der Grund für die Insolvenz darin, dass durch die hochwertige In-House-Produktion hohe Kosten entstanden seien, die nicht an die Kunden weitergegeben werden konnten. Zudem habe das Unternehmen unter dem aktuell stark rückläufigen Konsumverhalten gelitten.
Drewes, der zuvor als Kreativer in einer Werbeagentur gearbeitet hatte, machte aus seinem Pizza-Hobby ein Unternehmen. Für das Konzept arbeitete unter anderem ein deutscher Meister im Pizzabacken. Neben den Panuozzi kamen später auch klassische neapolitanische Pizzen auf die Karte.