Aus. Vorbei. Hamburgs Gastro verliert einen Leuchtturm. Fabio Haebel schließt sein Sternerestaurant Haebel. Am 31. Dezember gehen an der Paul-Roosen-Straße auf St. Pauli die Lichter aus. Das hat der Sternekoch am Sonntag völlig überraschend angekündigt. Gerüchte um die bevorstehende Schließung hatte es zuvor keine gegeben.
Die Gründe? Laut Haebel ist es nicht eine mangelnde Wirtschaftlichkeit. Das Restaurant sei „schlichtweg an infrastrukturelle Grenzen gekommen“, so Haebel. Zu wenig Plätze, begrenzte Möglichkeiten in der Küche und eine altersbedingte Substanz der Location hätten den Betrieb zunehmend erschwert. Gerade bei Strom und Abwasser sei es immer wieder abenteuerlich geworden. „Stammgäste kennen den ein oder anderen Stromausfall und die zugegeben romantischen Kerzenlichtabende“, so Haebel.

Wir wollen uns allen Raum geben. Wieder die alte Spielwiese haben, das Korsett lösen, das wir uns selbst geschneidert haben
Fabio Haebel
Damit endet eine fast 16-jährige Geschichte, die mit wenig Geld und viel Improvisation begann. Rückblick: 2011 übernimmt Haebel zusammen mit dem heutigen Gastgeber Lutz Lonchant die damalige Tarterie St. Pauli. Aus dem Café und Deli entwickelt sich ein Restaurant, das ab 2017 unter dem Namen Haebel weit über St. Pauli hinaus bekannt wird. Die Anfänge? „An die ersten Umsätze kann ich mich nicht mehr erinnern, nur an das Gefühl, wenn dir jemand Geld in die Hand drückt, weil du für ihn gekocht hast”, so der Gastronom und Unternehmer.
2023 folgt der Michelin-Stern. Inzwischen wurde die Auszeichnung viermal in Folge bestätigt. Haebel betont, der Stern sei eine Leistung des gesamten Teams gewesen. Besonders gern erinnert er sich an den Moment, als Küchenchef Kevin Bürmann 2023 bei der ersten Auszeichnung auf die Bühne gerufen wurde: „In meinem beruflichen Schaffen war das eine der größten Auszeichnungen überhaupt.“ Nach dem Weggang Bürmanns 2025 trat Sous-Chef Malte Heinrich in dessen Fußstapfen und konnte den Stern als neuer Küchenchef auch 2026 holen.


Ich bin dankbar, stolz, glücklich und voller Vorfreude auf das, was kommt
Fabio Haebel
Zum Haebel gehört auch die 2018 eröffnete Naturweinbar La Cave. Die winzige Bar mit gerade einmal 4,8 Quadratmetern Gastraum wurde zum Ausgangspunkt für die Au Naturel, eine Naturweinmesse, die Sommeliers, Winzer und Händler aus mehreren europäischen Ländern nach Hamburg lockte.
Jetzt soll Schluss sein – allerdings nicht mit Haebels gastronomischer Arbeit. Die Räume in der Paul-Roosen-Straße bleiben ihm erhalten und sollen künftig punktuell für Dinner und Events genutzt werden. Außerdem kündigt der Koch Pop-ups an anderen Orten, und Catering an: „Wir wollen uns allen Raum geben. Wieder die alte Spielwiese haben, das Korsett lösen, das wir uns selbst geschneidert haben.“ Eine Rückkehr mit einem neuen Restaurant ist für den Star der Hamburger Gastro ausdrücklich möglich. „Wenn uns der richtige Ort vor die Flinte kommt, können wir nicht garantieren, nicht vom Fleck weg wieder neu zu eröffnen“, so Haebel.
Am Silvesterabend soll das Haebel mit einem letzten Knall verabschiedet werden. Um Mitternacht will das Team gemeinsam mit den Gästen anstoßen. Nach Haebels Angaben haben in den vergangenen 16 Jahren mehr als 100.000 Menschen sein Restaurant besucht. „Ich bin dankbar, stolz, glücklich und voller Vorfreude auf das, was kommt.“ Die „kleine Träne“, die er weint, wird manch Stammgast ebenfalls verdrücken müssen. Bei Instagram explodierte am Sonntag die Kommentarspalte.
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