Strubbel-Haare und jungenhaftes Lächeln sind sein äußeres Markenzeichen. Dazu kommen Freundlichkeit, Empathie und absolut professionell-herzlicher Umgang mit dem Gegenüber: Jamie Oliver weiß, wie man die Mitmenschen für sich einnimmt. In Hamburg hat der britische Star-Koch gerade sein 31. Buch vorgestellt: „Fast Food. Gut kochen in 20 Minuten“.
Kochen hat mich gerettet
Jamie Oliver
Fischauflauf mit Kartoffelpüree, Gnocchi Peperonata, Käse-Schinken-Quiche oder Lamm-Auberginen-Eintopf – alle Rezepte sind machbar, frisch gekocht und sinnvoll. Schnelles, schmackhaftes Essen ohne viel Aufwand. „Kochen hat mich gerettet“, sagt Jamie Oliver im Gespräch mit dem GenussGuide im KochKontor in der Karolinenstraße. „Ich war schlecht in der Schule, hatte dort wegen meiner Lese-Rechtschreib-Schwäche große Schwierigkeiten.“ Aber im Dorf Clavering im Pub-Restaurant The Cricketers seiner Eltern Trevor und Sally, da begann er schon mit acht Jahren Gemüse zu putzen, Zwiebeln zu schneiden, Salat anzurichten. „Ich war gut mit dem Messer. Die Küche war meine Welt, da gab es Lob und Erfolgserlebnisse.“ Jamies Eltern servierten schon damals Wild und Rebhuhn, räucherten Lachs, bereiteten selbst Pasteten zu, verarbeiteten das ganze Tier, bevor „from nose to tail“ modern wurde. „Ich kannte nur frisch zubereitetes, gesundes und selbst gekochtes Essen.“
Mehr als 50 Millionen verkaufte Bücher
Nach dem Schulabschluss absolvierte Oliver eine Kochausbildung am Westminster Kingsway College in London. Anschließend arbeitete er im Neal Street Restaurant, wo ihn der italienische Spitzenkoch Gennaro Contaldo prägte. Ein Kollege war der Hamburger TV-Koch Tim Mälzer. „Wir sind immer noch eng befreundet und treffen uns am Abend“, so der Brite. „Aber nicht in seinem Lokal.“

Im renommierten River Café wurde Oliver während der Dreharbeiten zu einer Dokumentation entdeckt. Was dann 1999 mit der BBC-Sendung „The Naked Chef“ begann, hat sich zu einem globalen Imperium entwickelt. Der mittlerweile 51-Jährige hat Millionen von Menschen dazu inspiriert, selbst zu kochen. Mit mehr als 50 Millionen verkauften Büchern und zahlreichen internationalen TV-Produktionen zählt er zu den erfolgreichsten Kochbuchautoren weltweit.
Fünf Menschen gehören zu Jamies engstem Team. „Ich entwickle die Rezepte, wir testen zusammen, machen den Feinschliff und die Fotos.“ Beim neuesten Kochbuch musste das Gericht aus höchstens zehn Komponenten in 20 Minuten fertig sein. „Wenn das nicht funktioniert hat, kam das Rezept nicht rein. Die Menschen wollen unkompliziert kochen, keine ellenlangen Zutatenlisten und nichts verwenden, was sie dann zehn Jahre lang nicht brauchen.“
Ich will hinterher nicht lange abwaschen und die Küche aufräumen müssen
Jamie Oliver
Für seine rund 30 Bücher, die allesamt erfolgreich sind, hat der Brite einige Regeln: „Die Zutaten müssen möglichst nachhaltig produziert und im Supermarkt erhältlich sein, es darf nicht zu teuer sein. Ich will hinterher nicht lange abwaschen und die Küche aufräumen müssen. Ungefähr die Hälfte der Rezepte sind vegetarisch. Die Gerichte müssen gesund sein, und ich möchte sie auch essen. Ich will mit meiner Arbeit einfach nützlich sein.“ Und Jamie Oliver ist überzeugt: „Wenn Sie nach meinem neuen Buch kochen, ist es schneller, gesünder und vor allem preiswerter, als wenn Sie Essen bestellen oder etwas abholen. Das dauert in der Regel länger als 20 Minuten.“
Testessen mit der Familie
Auch zu Hause bereitet Oliver in der Regel für seine Frau Juliette „Jools“ und die fünf Kinder die Mahlzeiten zu. „Sie müssen manchmal meine Ideen testen, aber meistens gibt es keine Proteste.“ Der Brite hat rund 150 Essig-Sorten zu Hause, aber selbst kein Lieblingsgericht. „Ich esse alles, oder zumindest probiere ich.“
Mit seinem Einsatz für Ernährungsbildung, nachhaltige Lebensmittelproduktion und gesunde Schulverpflegung hat Oliver die öffentliche Diskussion über Ernährung weit über die Gastronomie hinaus geprägt. Das Königshaus hat ihm dafür den Orden Member of the Order of the British Empire (MBE) verliehen. Er hat für Queen Mum und den jetzigen König Charles gekocht. „Und ich war einmal zu einem sehr privaten Lunch im Buckingham Palast bei Queen Elizabeth und ihren Mann Prinz Philipp eingeladen. Das war sehr sehr unterhaltsam und überhaupt nicht steif. Die Speisekarte war auf Französisch, und es gab gebratenen Fisch mit Erbsen und Kartoffeln zum Hauptgang.“
Das nächste Buch hat er schon im Kopf. „Vielleicht wird es ein Überblick über Lebensmittel, Ernährung und Essverhalten im Wandel der Zeiten. Und dann sehen wir uns wieder in Hamburg.“
