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Rentenkommission

Gastronomen warnen vor Minijob-Aus

Die Pläne der Rentenkommission, das bisherige Minijob-Modell weitgehend abzuschaffen, sorgen weiter für Diskussionen. Während der Dehoga vor massiven Folgen für das Gastgewerbe warnt, melden sich nun auch Gastronomen zu Wort

27. Juni 2026 von Alina Fedorova

Gerade für kleinere Betriebe sind Minijobber eine tragende Säule. Ist die drohende Minijob-Reform ihr Ende? / ©Haberdoedas/Unsplash
Gerade für kleinere Betriebe sind Minijobber eine tragende Säule. Ist die drohende Minijob-Reform ihr Ende? / ©Haberdoedas/Unsplash

Die Vorschläge der Rentenkommission zur Zukunft der Minijobs schlagen in der Gastronomie weiter hohe Wellen. Denn künftig könnten nur noch Schülerinnen und Schüler vom steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Sonderstatus profitieren. Für die gesamte Gastronomie wäre das ein massiver Einschnitt. Nachdem bereits der Dehoga von einem „Frontalangriff“ auf die Branche gesprochen hatte, äußern sich nun auch Restaurant- und Cafébetreiber zu den möglichen Folgen. Dabei reicht das Spektrum von existenziellen Sorgen bis hin zu vorsichtiger Zustimmung für den Reformansatz.

Gegenwind und Zuspruch: Gastronomen sehen Minijob-Reformpläne unterschiedlich

Im Gastgewerbe stoßen die Vorschläge der Rentenkommission auf scharfe Kritik. Besonders kleinere Betriebe sehen ihre Flexibilität und Existenz gefährdet. Jasmin Gomes da Silva Giampietro vom Café Mirel beschäftigt ausschließlich Minijobber und hält das bisherige Modell für unverzichtbar: „Für ein kleines, familiengeführtes Café ist es wirtschaftlich oft nicht möglich, feste oder Teilzeitkräfte vorzuhalten.“ Die Betreiberin arbeitet selbst täglich im Betrieb, saisonale Schwankungen, Krankheitsausfälle und wetterabhängiges Geschäft ließen sich anders kaum auffangen. Sollte die geplante Verschärfung des Minijobs durchgesetzt werden, befürchtet die Gastronomin eingeschränkte Öffnungszeiten oder sogar vorübergehende Schließungen.

Noch deutlicher wird „Gastroflüsterer“ und Branchenexperte Kemal Üres. Er warnt vor gravierenden Folgen für die gesamte Branche: „Wer glaubt, dass wir das hochflexible Geschäft an den Wochenenden und an Feiertagen künftig nur mit Vollzeitkräften stemmen können, hat in seinem Leben noch nie selbst in einem Restaurant gestanden“, sagt Üres. Minijobber seien für viele Betriebe die Grundlage, um Personalengpässe, Stoßzeiten und kurzfristige Ausfälle abzufedern. Die Beschränkung auf Schülerinnen und Schüler hält er für realitätsfern: „Wir brauchen verlässliche Aushilfen aus allen Altersgruppen.“

Wir verlieren damit unsere wichtigsten Stützen im Service

Kemal Üres

Gleichzeitig wehrt sich Üres gegen den Vorwurf, Gastronomen würden Beschäftigte bewusst in Minijobs halten. Viele Menschen würden sich ganz bewusst für dieses Modell entscheiden – etwa Rentner, Eltern, Studierende oder Beschäftigte, die sich neben ihrem Hauptberuf etwas dazuverdienen möchten. „Erst die realitätsferne Debatte, dass die Rückkehr zur 7 Prozent Mehrwertsteuer in der Gastro nichts bringe und jetzt soll auch noch eine der wichtigsten Säulen unserer Personalplanung wegbrechen“, kritisiert Üres. Fielen die finanziellen Vorteile von Minijobs weg, drohten viele Aushilfen der Branche verloren zu gehen. „Nimmt man diesen Anreiz durch volle Sozialabgaben weg, bleiben diese Menschen zu Hause. Wir verlieren damit unsere wichtigsten Stützen im Service, und der ohnehin dramatische Personalmangel eskaliert völlig.“

Differenzierter bewertet Bendix Sander-Knauer vom Schanzenrestaurant La Sepia die Diskussion. In seinem Betrieb seien drei Minijobber bei insgesamt 20 Mitarbeitenden nur eine Randgröße und kein tragendes Element. Viele flexible Kräfte seien dort bereits als sozialversicherungspflichtige Midijobber, im sogenannten Übergangsbereich, angestellt. „Diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind voll sozialversichert und bauen ganz normal Rentenansprüche auf – anders als beim klassischen, abgabenfreien Minijob. Damit gehen wir im Grunde längst den Weg, den die Reform anstrebt“, so Sander-Knauer.

Wer über Jahre nur geringfügig beschäftigt ist, steht im Alter oft mit sehr wenig da.

Bendix Sander-Knauer, La Sepia Betreiber

Den Grundgedanken der Reform kann er deshalb nachvollziehen: „Wer über Jahre nur geringfügig beschäftigt ist und sich von der Rentenversicherung befreien lässt, baut kaum eigene Ansprüche auf und steht im Alter oft mit sehr wenig da.“ Gleichzeitig mahnt auch er Augenmaß bei einer möglichen Umsetzung an. „Für die Branche wäre es zweifellos ein Einschnitt – viele Betriebe steuern ihre Stoßzeiten über Minijobs, und für manche Beschäftigte ist der steuer- und abgabenfreie Nebenverdienst attraktiv. Das darf man nicht klein reden.“ Entscheidend seien vernünftige Übergangsfristen und ein einheitlicheres System, ohne dabei die Betriebe „in Bürokratie zu ersticken.“

Dehoga warnt vor Reformplänen

Nach Ansicht der Kommission sollen durch die Minijob-Reform mehr Menschen in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wechseln und höhere Rentenansprüche aufbauen um die Finanzierung der Sozialsysteme zu stärken. Der Dehoga warnt dagegen vor erheblichen Folgen für Hotellerie und Gastronomie und spricht sogar von einem gegenteiligen Effekt: „Wer Minijobs im Gastgewerbe erschwert, treibt flexible Arbeit nicht in bessere Beschäftigung, sondern riskiert mehr Schwarzarbeit.“ Bundesweit arbeiten nach Verbandsangaben rund 1,1 Millionen Menschen im Gastgewerbe auf Minijob-Basis. Ob und in welcher Form die Vorschläge tatsächlich umgesetzt werden, ist derzeit noch offen.

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Ob Phở Bo oder Ramen: Asiatische Nudelsuppen könnte Alina Fedorova zu jeder Jahres- und Tageszeit schlürfen. Lange Zeit in der Gastro tätig, hat sie Tablett gegen Tastatur getauscht und schreibt jetzt über Hamburgs Gastro-Szene. Oft steht sie selbst hinterm Herd und kocht Rezepte aus aller Welt.