2 Minuten Lesedauer / News

Neueröffnung

Französisches Flair im ehemaligen Kult-Café

Das frühere Funk-Eck am Rothenbaum stand lange leer. Doch seit Neuestem wird wieder renoviert: Die Gründer des Par ici planen einen neuen Standort

21. Juli 2026 von Paula Rieck

Das ehemalige Funk-Eck soll bald wieder Gäste beherbergen / ©Alina Fedovora
Das ehemalige Funk-Eck soll bald wieder Gäste beherbergen / ©Alina Fedovora

Über eine Treppe unter einem begrünten Bogen hindurch gelangt man auf die geräumige Terrasse der neuen Immobilie des Ehepaars Agnès und Martin Brinker – dem ehemaligen Funk-Eck. Hier soll nicht nur ein Café mit gläserner Pâtisserie entstehen, sondern vor allem ein würdiger Ersatz für das aktuelle Atelier du par ici in der Rothenbaumchaussee 189. Dort läuft der Mietvertrag zum 31. Dezember aus, das Gebäude wird abgerissen. Seit dem 1. Juli wird renoviert. 

Wir müssen raus, also müssen wir einen Schritt nach vorne oder nach hinten machen – und ich gehe immer nach vorne

Agnès Brinker

Die Wahl, in die ehemalige Kult-Institution zu ziehen, war eine wahre Herzensentscheidung. „Das Funk-Eck hatte ich schon vor zwei Jahren im Auge, damals bestand von der anderen Seite jedoch kein Interesse“, erzählt Martin Brinker. Nach der endgültigen Insolvenz habe er angeboten, den Rückbau selbst zu übernehmen, und so ein gutes Angebot erhalten. „Wir wollen auf zwei Dingen aufbauen: auf dem, was wir bisher gemacht haben, und auf dem, was wir hier als Tradition vorfinden.“ Unter anderem überlegen die neuen Betreiber, die alten Fassadenschilder hängen zu lassen und lediglich eines mit ihrem Namen zu ergänzen. Ein weiterer Faktor ist, dass zwei ihrer Söhne mit in das Geschäft einsteigen werden – „sonst wären wir in unserem Alter ein solch großes Projekt nicht mehr angegangen“, gibt Agnès Brinker zu. Anfangs werden sie und ihr Sohn gemeinsam in der  Pâtisserie stehen, auf lange Sicht soll er diese gänzlich übernehmen.

Vorzüge des Viertels

Auch die Unterstützung, die die Brinkers am Rothenbaum erhalten, möchten sie nicht missen. Die beiden begrüßen jeden Tag zahlreiche Stammgäste. Martin Brinker erzählt, dass genau dieser Rückhalt für sie ausschlaggebend sei. Die Anonymität und Schnelllebigkeit stünden im kompletten Gegensatz zu dem, was par ici sein wolle. „Wir könnten uns nicht vorstellen, in die Innenstadt zu gehen. Wir wollen keinen Hype erzeugen, sondern mit guter, beständiger Qualität überzeugen“, betont er. Auch an weiteren Expansionen zeigen die beiden wenig Interesse: Sie möchten keinesfalls zu einer Kette oder einem Franchiseunternehmen werden. „Niemals Kette, niemals fremd betreut“, so Martin Brinker. Jeder Standort wird von den beiden selbst betreut, dies wissen die Kunden auch zu schätzen.

Die Gründerin: eine wahre Französin

Agnès Brinker kam Ende der 1980er-Jahre aus Südfrankreich nach Deutschland. Neben klassischer Musik war ihre Leidenschaft schon immer das Zubereiten traditioneller Pâtisserie, weshalb sie den Entschluss fasste, ihr eigenes französisches Café mit hauseigener Bäckerei zu betreiben. Wegen der Liebe fiel die Wahl auf Hamburg – ihr Ehemann Martin Brinker hatte ein gutes Jobangebot in der Hansestadt erhalten. Hierfür absolvierte sie mehrere Fortbildungen und Kurse in Frankreich, unter anderem an der renommierten Fachschule Ferrandi in Paris. 2014 eröffnete der erste Standort des Cafés an der Marie-Louisen-Straße, 2016 folgte das Atelier an der Rothenbaumchaussee. 2021 öffnete trotz Corona die Boutique du par ici in Eimsbüttel.

Inhaberin und Pâtissière bei Par ici: Agnès Brinker / ©Johanna Zobel
Inhaberin und Pâtissière bei Par ici: Agnès Brinker / ©Johanna Zobel

Avatar-Foto

Immer auf der Suche nach dem nächsten kulinarischen Highlight entdeckt Paula Rieck gerne neue Cafés, Restaurants und Bäckereien. Ihre größte Leidenschaft gilt jedoch dem Selbermachen – besonders Sauerteigbrot – und allem, was Zeit, Handwerk und gute Zutaten verlangt.