Linh Nguyen kam in Oschatz in Sachsen zur Welt und hat einen Großteil seiner beruflichen Stationen ebenfalls in Sachsen durchlaufen. Er wurde im Hotel Taschenbergpalais Kempinski in Sachsen ausgebildet und war danach weiter in Dresden unterwegs: im Restaurant Kastenmeiers und im Hotel Suitess. Im Januar 2024 kam er zum Restaurant Jellfish und damit nach Hamburg.
Wie beim Menü, muss sich auch die Weinbegleitung dramaturgisch aufbauen und zum Ende schön abklingen
Linh Nguyen
Linh Nguyen, warum bist du in der Gastronomie gelandet?
Das war tatsächlich ein Unfall. Ich habe neben dem Studium noch etwas Geld dazuverdienen müssen und bei meinem späteren Ausbildungsbetrieb bereits ein Jahr als Aushilfe im Housekeeping gearbeitet. Währenddessen wurde mir schnell klar, dass ich der praktische Typ Mensch bin und auch super gern am Gast arbeite. Also habe ich angefragt, ob ein Ausbildungsplatz noch frei wäre, und mich direkt dafür beworben. Das ist jetzt gute 9 Jahre her.
Warum ist die Gastronomie für dich die passende Branche?
Essen und Trinken haben sich in den vergangenen Jahren zu meinen größten Hobbys entwickelt. Und wenn man die Möglichkeit hat, beides miteinander zu verbinden, warum dann nicht?
Was liebst du an deinem Job am meisten?
Der direkte Gästekontakt, das direkte Feedback und die Freude in den Augen, wenn man sieht, dass man einen schönen Abend bereitet. Das alles gibt mir sehr viel Kraft in der doch strengen Branche.
Gab es jemanden, der dich besonders gefördert oder inspiriert hat – ein Vorbild oder Mentor?
Mein ehemaliger F&B Manager aus dem Restaurant Kastenmeiers, Volker Küchenmeister, hat mir sehr vieles über Gäste, Wein und Teamzusammenhalt beigebracht. Dafür bin ich ihm für immer dankbar. Wir sind nach wie vor gute Freunde und im engen Kontakt.
Was treibt dich an einem langen Arbeitstag an?
Das Gefühl etwas geschafft zu haben. Und vielleicht das Feierabendbier.
Gibt es ein Gericht, ein Getränk oder einen Geschmack, der dich an deine Kindheit erinnert?
Waldmeister erinnert mich immer an den Naturkundeunterricht. Wir hatten in der Grundschule einen kleinen Garten, wo wir praktischen Unterricht hatten. Als ich es das erste Mal gerochen hatte, wurde mir sofort sehr schlecht – Details erspar ich euch. Daran muss ich jetzt immer denken. Ich mag es immer noch nicht.
Was machst du, um nach einem intensiven Arbeitstag abzuschalten?
Ich mach mir in der Regel auch spätabends zuhause noch was zu essen. Dabei bin ich gern allein mit meinem Teller und einer Serie.
Worauf bist du besonders stolz, auch wenn es nicht im Lebenslauf steht?
Ich habe meinen ersten und einzigen Halbmarathon in 1:40:29 (4:43 min/pro KM) abgeschlossen. Und ein Spagat, den ich inzwischen nicht mehr kann.
Wovon träumst du beruflich noch?
Eine eigene Vinothek.

Wie bist du zum Wein gekommen?
2013er Cuvée G vom Weingut Gsellmann aus der Doppelmagnum. Dieser Rotwein hat mich so fasziniert, dass ich mich unbedingt mehr damit auseinandersetzen musste. Und der Blick von meinem damaligen Chef, als ich mir ein schönes Glas zum Feierabend eingeschenkt hatte, war unbezahlbar. Ich wusste damals noch nicht, in welcher Preisrange ich mich da bewegt hatte.
Was macht eine herausragende Weinbegleitung aus?
Der Bezug zu den Gängen, die Story dahinter und natürlich die geschmackliche Abstimmung. Mir ist es immer sehr wichtig, dass die Küche die Weine mitprobiert und auch ihr Input dazugibt. Und wie beim Menü, muss sich auch die Weinbegleitung dramaturgisch aufbauen und zum Ende schön abklingen.
Welcher Wein oder welche Region hat dich zuletzt besonders begeistert?
2024er Fläscher Pinot Noir vom Weingut Adank in Fläsch, Schweiz. Ein sehr sehr großer Wein.
Wie erklärst du Wein so, dass Gäste sich nicht belehrt fühlen?
Ich bin am Gast generell immer etwas lockerer als die meisten anderen Kolleg:innen und versuche immer, auf Augenhöhe zu erklären. Dabei ist es wichtig, flexibel zu sein und nicht allen Gästen auch bei gleichem Wein immer das Gleiche zu erzählen. In der Regel fasse ich mich anfangs kurz, um abzuchecken, wie viel Erklärung nötig oder überhaupt gewünscht ist. Nicht alle Gäste wollen auch alles wissen.
Was macht eine gute Weinkarte aus?
Vielfalt und Fokus. Sei es eine besondere Region, Land oder Rebsorte. Und diesen Fokus dann vielfältig darstellen. Wir haben beispielsweise eine große Rieslingauswahl. Entweder jung oder gereift, still und auch als Schaumwein, ist von 45 bis 1650 € ist alles dabei.
Ohne Gastronomie wäre ich wahrscheinlich
Fluglotse geworden
Mein schönster Moment im Job war
das ehrliche Danke eines jungen Mannes (er war 7) für den wir beim Frühstück servierten Geburtstagskuchen als Überraschung. Das war mein erster Tag im Service
Ein perfekter Abend beginnt für mich mit
meinen Liebsten
Das beste Kompliment eines Gastes war
dass sie stolz auf uns ist und was nach der Ausbildung aus uns geworden ist. Sie war unsere Servicelehrerin, nach klassisch alter Schule, in der Berufsschule und wir haben uns zufällig bei einem Winzerdinner gesehen
In der Gastronomie wünsche ich mir mehr
Ehrlichkeit und Zusammenhalt