Wer bei Cake2go vorbeischaut, bekommt Kuchen nicht auf dem Teller serviert, sondern in einer durchsichtigen Dose mit Lasche auf die Hand. Was in Japan längst als „Canned Cake“ bekannt ist, brachte Reyyan Emir Kallab im vergangenen Winter nach Eimsbüttel. Mit seinem Pop-up in der Lutterothstraße wollte der damals 19-Jährige ausprobieren, ob der Kuchen zum Mitnehmen und Löffeln auch in Hamburg ankommt. Mit Erfolg: Videos in den sozialen Netzwerken gingen viral, zeitweise war der geschichtete Kuchen schon am Nachmittag ausverkauft. Seit dem 5. September betreibt der junge Gastronom nun ein Café in der Osterstraße. Hier setzt er nicht nur auf das praktische Dessert zum Mitnehmen, sondern vor allem auf Açai-Kreationen und künftig auch auf Bagels und Bowls.
Pop-up als Sprungbrett zum festen Standort
Eigentlich hatte Kallab eine Ausbildung im Bereich Marketing und Vertrieb begonnen, doch zog es ihn mehr zur Selbstständigkeit als an den Schreibtisch. „Ich habe gemerkt, dass nur im Büro zu sitzen nicht mein Ding ist“, sagt der inzwischen 20‑Jährige. Also brach er ab, um zunächst mit einem Pop-up zu starten. „Man hat damit nicht so ein Risiko wie mit einem langfristigen Mietvertrag.“ Drei Monate lang verkaufte er in der Winterpause der Eisbüttel-Eisdiele ausschließlich Dosenkuchen zum Mitnehmen. „Mir war klar: Nach diesen drei Monaten muss ich mich entscheiden – mache ich doch eine Ausbildung oder mache ich einen festen Laden auf?“ Kallab blieb bei der Gastronomie. Erste Erfahrungen hatte er schon früh gesammelt: Sein Onkel betrieb 25 Jahre lang eine Bar am Ernst-Deutsch-Theater, in der Kallab und seine Brüder von klein auf mithalfen. „Ich war bei meinem Onkel eher Teamleiter als Aushilfe. Diese Verantwortung zu tragen, hat mir schon damals Spaß gemacht“, erinnert er sich.
Acai Bowls sind neuer Publikumsliebling
In der Vitrine in der neuen Location eine Ecke weiter reihen sich die Dosenkuchen in verschiedenen Sorten wie Chocolate Chunk, Japanese Strawberry und Lotus aneinander, darunter auch saisonale Varianten mit Lebkuchen oder Spekulatius. Den Biskuitboden lässt er sich dafür von einer Konditorei liefern, die Cremes und Füllungen aus frischen Früchten kreiert er selbst. Inzwischen hat sich der Schwerpunkt allerdings verschoben. Die neuen Açai Bowls haben sich zum neuen Publikumsliebling entwickelt. Im Durchschnitt würden hier 300 Stück am Tag über den Tresen gehen, sagt er. Davon stehen auch mehrere Sorten zur Auswahl, etwa der Biscoff Baddie mit Biscoff-Creme. „Wir bedienen damit eher die Dessert-Schiene“, so Kallab. „Man kann hier zwar gesund essen, muss es aber nicht, wenn man Lust auf etwas Süßes hat.“

Vom Dosenkuchen zum Nachbarschaftscafé
Langfristig kann sich Kallab vorstellen, weitere Filialen zu eröffnen. Doch zunächst soll sich das Konzept an der Osterstraße weiterentwickeln: Ein neuer Name ist bereits geplant, denn Kallab möchte, dass sein Laden künftig stärker als Nachbarschaftscafé und weniger als reine Kuchenstation wahrgenommen wird. Rund 30 Sitzplätze sollen hinzukommen, in den warmen Monaten auch Plätze im Außenbereich. Für die Zukunft kann er sich zudem nachhaltigere Verpackungslösungen vorstellen, etwa aus Glas oder mit einem Pfandsystem. Und auch die nächsten Ideen stehen bereits in den Startlöchern: Anfang November bringt Kallab gemeinsam mit „Mr. Franzbrötchen“ Aaron, der in den sozialen Netzwerken für seine kilometerweiten Joggingrunden zu den besten Franzbrötchenspots bekannt ist, eine warme Franzbrötchen-Bowl auf Grießpuddingbasis heraus.
