Für Harald Zachert ist die Terrasse weit mehr als eine Ansammlung von Tischen und Stühlen vor seinem Café. Nach seiner Beschreibung kommen dort täglich ganz unterschiedliche Menschen zusammen: Kinder, Teenager, ältere Stammgäste, Nachbarn, Eltern sowie Touristen. Manche Gäste kämen laut Zachert sogar mehrmals am Tag. Nun ist genau dieser Ort bedroht – zum 31. September soll die Terrasse geschlossen werden.
Hier sind viele Freundschaften und Ehen entstanden. Ich hänge sehr an dem Laden – das ist ein Stück Heimat
Inhaber Harald Zachert
Die wohl bedeutendste Begegnung ist für ihn dabei wohl die mit seiner eigenen Frau – vor 22 Jahren kam er während der Arbeit im Harry’s im Kaufrausch mit ihr ins Gespräch. Die Beziehung der beiden ist sinnbildlich für die wichtigen Verbindungen, die das Nachbarschaftscafé in der belebten Gegend schafft. Menschen kommen zusammen, sitzen gemeinsam an großen Tischen und tauschen sich aus. Doch die Lage wird für den Inhaber aktuell zum Problem: Rechtlich befindet sich die Fläche vor dem Café im Gemeinschaftseigentum. Sie gehört damit nicht allein seinem Vermieter, sondern den Eigentümern des Hauses. Bereits Anfang der 2000er-Jahre wurde die Fläche neu gestaltet. Der Boden wurde gepflastert, eine Vitrine installiert und Sonnenschirme aufgestellt. Dafür habe es eine schriftliche Genehmigung der Eigentümer gegeben – auch für die gastronomische Nutzung. Diese Erlaubnis soll nun wieder entzogen werden.
Eine folgenschwere Entscheidung
Vor rund zwei Wochen sei der entsprechende Beschluss auf einer Eigentümerversammlung gefallen, berichtet Zachert. Mit einer Stimme Mehrheit sei entschieden worden, dass das Café die Fläche künftig nicht mehr nutzen dürfe. Das Schreiben dazu habe er am 22. August erhalten. Zachert betont, dass es sich nicht um eine Entscheidung der Stadt handele. Die zuständigen Behörden hätten die Nutzung bislang genehmigt. Es gehe deshalb letztlich um die Haltung einiger weniger Eigentümer. Besonders frustriert den Inhaber, dass er bislang keinen Weg zu einem Kompromiss sieht. Er habe verschiedene Vorschläge gemacht, um auf die Beschwerden einzugehen. Doch eine Kommunikation mit denjenigen, die gegen die Terrasse sind, finde nach seiner Darstellung nicht statt. Die Schreiben laufen zudem ausschließlich über die Hausverwaltung. Ein direkter Kontakt zu den Mietern bestehe nicht und auf seine Vorschläge werde nicht eingegangen. Dabei verweist Zachert auf die aus seiner Sicht vergleichsweise eingeschränkte Nutzung. Das Café öffnet montags bis freitags um 9 Uhr und schließt um 19 Uhr, samstags ist bereits um 18 Uhr Schluss.
Zachert kann deshalb nur hoffen, dass es doch noch zu einer Einigung kommt. Auch eine Petition soll Aufmerksamkeit schaffen. Gut 2500 Unterschriften sind bereits zusammengekommen. Diese könne, so hofft der Inhaber, dazu beitragen, dass sich die Beteiligten noch einmal an einen Tisch setzen. „Wir hoffen, dass da noch eine Einsicht kommt“, so Zachert. „Man ist so machtlos – und das ärgert mich.“
Das Café in Eppendorf hat für ihn nicht nur emotionalen Wert – es ist außerdem seine einzige Einkommensquelle. Die Entscheidung bedroht somit zusätzlich die Existenz des 65-Jährigen, da die wenigen Innenplätze nicht ausreichen würden, um profitabel zu sein. Hinzu kommt ein Team aus insgesamt 16 Mitarbeitenden, viele von ihren Studenten und Studentinnen.
