Frischer geht’s kaum. Wenn Elbfischer Olaf Jensen mit seinem Fang am Gasthaus zur Post in Cranz anlegt, ist der Weg in die Küche denkbar kurz. Der Fisch wandert direkt vom Boot über den Gartenzaun. Wenig später landet er auf den Tellern der Gäste. Genau diese Nähe zu den Fischern, das Handwerk und die gelebte Familientradition haben jetzt auch eine Fachjury überzeugt. Das Gasthaus zur Post, Testsieger 2026, wurde mit dem Seafood Star 2027 in der Kategorie „Bestes Fisch-Gastro-Konzept“ ausgezeichnet. Vergeben wird der renommierte Branchenpreis seit 2008 vom FischMagazin Eine unabhängige Jury aus Branchenexperten wählt die Sieger in einem zweistufigen Verfahren aus. In der Branche gilt der Seafood Star als „Oscar der Fischbranche“.
Für Jan Frithjof „Fiete“ Kramer ist die Auszeichnung etwas Besonderes. Schließlich führt er das denkmalgeschützte Gasthaus am Estedeich bereits in neunter Generation. Seit 1725 ist das Haus in Familienbesitz und damit Hamburgs ältestes familiengeführtes Restaurant. Schon als Kind fuhr Fiete mit den Fischern auf die Elbe und die Nordsee hinaus. Heute steht er gemeinsam mit seiner Familie und rund 38 Mitarbeitenden für eine Küche, bei der die Herkunft der Produkte keine Nebensache ist.
Dieser Preis gehört auch unseren Fischern. Ohne sie gäbe es keinen frischen Fisch von der Elbe und ohne frischen Fisch kein Gasthaus zur Post
Fiete Kramer
Auf den Tisch kommt, was die Fischer der Region fangen: Zander und Aal aus dem Hamburger Hafen, Stint und Scholle. Jeder Fisch kommt im Ganzen ins Haus und wird erst dort filetiert und verarbeitet. Damit das Team weiß, woher die Ware stammt, fahren Mitarbeitende regelmäßig mit zum Fang, helfen beim Einholen der Aalreusen und lernen die Arbeit der Fischer kennen. Auch am Aalbesatz in der Elbe beteiligt sich das Gasthaus. „Dieser Preis gehört auch unseren Fischern. Ohne sie gäbe es keinen frischen Fisch von der Elbe und ohne frischen Fisch kein Gasthaus zur Post“, betont Fiete Kramer.

Dass die Familie auch außerhalb der Gaststube etwas mit Fisch anzufangen weiß, zeigt die eigene Marke Kramer’s Leevste. Besonders gefragt ist der gebratene und eingelegte Stint nach Hausrezept. Rund 20.000 Dosen der Elbspezialität wurden bereits produziert. Verkauft werden sie im Gasthaus, online und in ausgewählten Edeka-Märkten. Im Dezember soll eine Krustentiersuppe dazukommen.
Für uns geht es um Authentizität, Ehrlichkeit und Menschlichkeit. Das ist unser oberstes Gebot
Fiete Kramer
Bei aller Weiterentwicklung bleibt das Gasthaus seiner Geschichte treu. In der Gaststube stehen noch Möbel und Einrichtungsstücke der Vorfahren, einige stammen aus dem 17. Jahrhundert. Und wer hier einkehrt, trifft mit großer Wahrscheinlichkeit auch auf die Familie selbst. „Für uns geht es um Authentizität, Ehrlichkeit und Menschlichkeit. Das ist unser oberstes Gebot“, sagt Fiete Kramer. „Genau daran richten wir alles aus, was unser Haus besonders macht: die Geschichte, den Fisch aus erster Hand, das Handwerk in der Küche.“ Dass diese Haltung nun mit dem Seafood Star ausgezeichnet wurde, freut den leidenschaftlichen Gastronomen sehr. Noch wichtiger ist ihm allerdings, dass auch die zehnte Generation eines Tages mit derselben Leidenschaft weitermachen kann.
