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Genuss-Michel

Ein Mann. Eine Insel. Ein Lebenswerk.

Bei der Genuss-Michel-Gala am 27. April wurden die Besten der Besten geehrt. Bei Norddeutschlands größter Gastronomie-Preisverleihung ging der Preis für das Lebenswerk an Herbert Seckler, Gründer der Sansibar auf Sylt 

30. April 2026

Preis-Pate Denis Wiechert von TUI, Winzer Markus Schneider, Herbert Seckler und Laura Wontorra auf der Bühne / ©Jan-Rasmus Lippels
Preis-Pate Denis Wiechert von TUI, Winzer Markus Schneider, Herbert Seckler und Laura Wontorra auf der Bühne / ©Jan-Rasmus Lippels

Hier sprechen wir nicht nur über einen Koch. Wir sprechen über ein Phänomen, eine Haltung, einen Lebensstil zwischen Dünenwind und Champagner-Korken. Über den Architekten eines legendären Gastrospots, über einen Mythos. Denn nichts weniger ist die Sansibar in den Sylter Dünen. Der Mann, der hier die Fäden zieht, ist längst eine Legende der kulinarischen Szene. Die Rede ist von Herbert Seckler. Geboren 1955, aufgewachsen fernab der Sylter Schickeria, beginnt seine Laufbahn klassisch: Ausbildung im soliden deutschen Gastronomiehandwerk, wo Disziplin noch nach Mehlschwitze riecht. Früh zeigt sich: Dieser Mann kocht nicht nur, er inszeniert.

Im Jahr 1974 kommt er auf die Insel. 1977 folgt dann der Move, der alles verändert. Ein ehemaliger Kiosk in den Rantumer Dünen wird übernommen – eher Bretterbude als Gourmettempel. Brennt 1982 ab, aber Seckler baut anschließend neu auf. Der Rest ist Geschichte. Kein steiler Aufstieg, sondern eine Welle aus Instinkt, Qualität und dieser schwer zu definierenden Mischung aus Lässigkeit, Präzision und Bescheidenheit. Er reitet sie problemlos, obwohl die Welle immer größer wird. Mit kulinarischen Dependancen, etwa in Düsseldorf, einer immer bekannter werdenden Marke, Onlineshop und vielem mehr. Auf Sylt bringt Seckler unter den beiden sich kreuzenden Säbeln das Kunststück fertig, Hochküche und Currywurst auf Augenhöhe zu servieren. Wiener Schnitzel steht neben Hummer, Magnumflaschen neben Sand unter den Füßen. Seine Küche? Unprätentiös, produktverliebt, mit einem feinen Gespür für das, was Gäste wirklich wollen – oft bevor sie es selbst wissen. Geschmack schlägt Attitüde.

Die Sansibar wird zum Treffpunkt für alle: Promis, Politiker, Strandläufer, Stammgäste. Wer hier sitzt, gehört irgendwie dazu. Was ihn ausmacht, ist nicht nur das, was auf den Teller kommt. Es ist die Haltung dahinter. Dieser unerschütterliche Glaube daran, dass Gastronomie mehr sein kann als Versorgung – nämlich Erlebnis, Bühne, Zuhause auf Zeit. Seckler ist Gastgeber durch und durch, mit einem Blick für Details und einem Gespür für große Gesten. Heute ist die Sansibar längst Institution, Marke, Pilgerort. Doch im Kern ist sie immer noch das, was sie am Anfang war: ein ziemlich genial gedachter Ort in den Dünen, geführt von einem Mann, der wusste, dass man Großes schaffen kann, wenn man sich traut, es einfach zu machen. Herbert Seckler, der den Staffelstab 2022 an Sohn Niklas weitergegeben hat, hat der Insel Sylt einen ihrer prägendsten Orte geschenkt. Und ganz nebenbei bewiesen, dass Legenden manchmal ganz unscheinbar anfangen – mit einer Idee, einer Portion Mut und ziemlich gutem Geschmack. Wenn das keinen Preis fürs Lebenswerk wert ist, wissen wir es auch nicht. / AND

Der Genuss-Michel

Am 27. April 2026 wurde in der Fischauktionshalle erneut der Genuss-Michel für herausragende gastronomische Leistungen verliehen. Nachdem Ugly Duckling als Newcomer des Jahres und das Fischereihafen Restaurant als Restaurant des Jahres ausgezeichnet wurden, folgte die Verleihung des Ehrenpreises für das Lebenswerk. „Es geht um einen Superstar“, kündigt Laudatorin Laura Wontorra an. „Sylt ist für mich die Insel, die einen verändert. Es ist nicht nur ein Urlaubsort, es ist eine Wohlfühloase. Die Sansibar lässt mich den Alltag vergessen und diesen Ort hat ein Mann geschaffen, den wir heute ehren wollen.“ Liebevolle Worte über einen bodenständigen Gastronomen, der immer wieder aufsteht und aus einer kleinen Bretterbude Deutschlands bekanntestes Restaurant macht. Standing Ovations, als der Gastronom auf die Bühne kommt und sich mit den folgenden Worten ans Publikum wendet: „Die Hamburger haben mich lange überredet, zu kommen. Eigentlich verlasse ich die Insel nicht. Jeder Tag, den ich nicht auf der Insel verbringe, ist ein verlorener Tag – aber heute ist trotzdem ein schöner Tag.“ Als Überraschungsgast kommt Winzer Markus Schneider auf die Bühne: „Herbert, ich stehe hier als Freund und darauf bin ich besonders stolz. Ohne dich wäre mein Winzerleben anders verlaufen.“ 

Berührende Worte von Laudatorin Laura Wontorra an ihren Freund und Lebenswerk-Preisträger Herbert Seckler / ©Jan-Rasmus Lippels
Berührende Worte von Laudatorin Laura Wontorra an ihren Freund und Lebenswerk-Preisträger Herbert Seckler / ©Jan-Rasmus Lippels
Standing Ovations beim Lebenswerk-Preisträger Herbert Seckler / ©Jan-Rasmus Lippels
Standing Ovations beim Lebenswerk-Preisträger Herbert Seckler / ©Jan-Rasmus Lippels